Forschungsstand
Die Ergebnisse der ersten im Auftrag des Bundesfamilienministeriums durchgeführten repräsentativen Studie „Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland“ belegen die hohe Gewaltbetroffenheit von Frauen mit Behinderung.
Sie sind zwei bis dreimal häufiger sexuellem Missbrauch in Kindheit und Jugend ausgesetzt als der weibliche Bevölkerungsdurchschnitt. Auch im Erwachsenenleben erfahren sie überdurchschnittlich häufig sexuelle Übergriffe und Gewalt.
Zu den Ursachen häuslicher Gewalt von Frauen mit Behinderungen und Beeinträchtigungen hat die genannte Studie des Bundes dargelegt, dass diese sowohl in den Strukturen der Geschlechterverhältnisse als auch im Kontext der Behinderung gesehen werden.
Der Wunsch nach Absicherung eines behinderten Kindes gehört zudem zu den immer wieder genannten Motiven für eine Zwangsheirat.
Schwieriger Zugang zu Hilfen
Laut der repräsentativen Bundesstudie zur Situation der Frauenhäuser und Fachberatungsstellen ist der Zugang für Frauen und Mädchen mit ausgeprägten Formen von Behinderungen zu Frauenhäusern und Fachberatungsstellen allerdings schwieriger.
Als weitere Barrieren wurden im Rahmen einer Hamburger Fachtagung im April 2013 insbesondere Handlungsunsicherheit im Umgang mit Frauen mit Behinderungen in der konkreten Beratungssituation, fehlende Kontakte zur Behindertenhilfe sowie fehlende themenübergreifende Vernetzung zwischen Behindertenhilfe, Jugendhilfe und Opferschutz identifiziert.
Strategien und Maßnahmen
Der Hamburger Senat hat daher in seinem Konzept zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen, Menschenhandel und Gewalt in der Pflege Strategien und Maßnahmen formuliert, um die Inanspruchnahme von Hilfe und Unterstützung zu verbessern. Diese zielen insbesondere darauf ab:
- Sichtbarkeit, Akzeptanz und Nutzung der Angebote sowie die Abstimmung der Beratungs- und Hilfeleistungen auf deren spezifische Bedürfnisse zu verbessern,
- die vorhandenen Angebote und Strukturen so zu vernetzen, dass sie der besonderen Situation der Betroffenen besser als bislang gerecht werden sowie
- das Bewusstsein für die Problematik der Zielgruppen sowohl im Hinblick auf die Fachkräfte der Schutz- und Beratungsstellen als auch von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die besonderen Zugang zu den Zielgruppen haben, zu schärfen.
Mehr Informationen
- Dokumentation der Fachtagung der Hamburger Sozialbehörde am 23. April 2013 „Stoppt Gewalt gegen Frauen und Mädchen mit Behinderung!“
- Studie "Lebenssituation und Belastungen von Frauen mit Beeinträchtigungen und Behinderungen in Deutschland" (BMFSFJ)
- "Konzept zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen, Menschenhandel und Gewalt in der Pflege" (Hamburger Opferschutzkonzept)
- UN-Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen