600 Minuten Nachspielzeit
Dass nach Fußballspielen die Fälle häuslicher Gewalt steigen, haben in den vergangenen Jahren verschiedene Studien nachgewiesen – etwa in Manchester. Wissenschaftler werteten dort mithilfe von Polizeidaten die Auswirkungen von fast 800 Spielen von Manchester City und Manchester United aus. Das Ergebnis: Nach einem Spiel steigt die Zahl der gemeldeten Vorfälle an. Der stärkste Anstieg zeigt sich nach zehn bis zwölf Stunden (Quelle: Football, alcohol, and domestic abuse - ScienceDirect).
Darauf haben wir gemeinsam mit dem Hamburger SV in einer Aktion im Volksparkstadion aufmerksam gemacht. Wir zeigten beim Heimspiel gegen Nürnberg am 3. November 2024 auf der großen LED-Wand statt der normalen Nachspielzeit die gefährliche Nachspielzeit aus Sicht der Frauen: 600 Minuten.
Der Fußball selbst ist nicht das Problem
Ursache für den Anstieg häuslicher Gewalt sind laut Studie nicht die Fußballspiele an sich, sondern insbesondere der damit verbundene und oftmals enthemmend wirkende Alkoholkonsum. Auch sagt die Studie nicht, dass Fußballfans stärker zu häuslicher Gewalt neigen.
Der Fußball erreicht aber nach wie vor äußerst viele Menschen, darunter auch (potenzielle) Täter häuslicher Gewalt. Diese Reichweite wollen wir nutzen.
Hamburger SV – gemeinsam gewaltfrei
Möglich ist dies nur, weil wir mit dem Hamburger SV einen Partner gefunden haben, der uns in unserem Bestreben unterstützt und unsere Ansichten teilt:
„Wir glauben fest daran, dass der Fußball ein friedliches Miteinander fördert. Deshalb sehen wir es als gesellschaftliche Verantwortung, mithilfe unserer Reichweite einen Beitrag und Hilfestellungen gegen häusliche Gewalt zu leisten. Ob nach Spielen oder auch sonst: In unserer Vorstellung Hamburgs ist kein Platz für Gewalt gegenüber Frauen. Deswegen engagieren wir uns seit Jahren und auch in Zukunft für eine gewaltfreie Gesellschaft.“
Das Nachspiel - Statement des HSV zur Kampagne gegen häusliche Gewalt (PDF, 45 KB)
Dieses Engagement zeigt der HSV nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten. 2020 hat der HSV die Anlauf- und Schutzstelle Ankerplatz für Hilfe- und Ratsuchende im Stadion eingerichtet, die am Spieltag Diskriminierung und/oder Gewalt (mit-)erlebt haben.
Umsetzung der Kampagne
Seit unserer Aktion im Stadion ist unsere Kampagne live. Mit einer Art Live-Ticker zeigen wir eindringlich, wie plötzlich häusliche Gewalt auftreten kann – und welche unterschiedlichen Formen sie annehmen kann. Wer im November in Hamburg mit dem ÖPNV oder auf Social Media unterwegs ist, konnte die Motive bestimmt schon entdecken. Am 5. November war die Kampagne außerdem ein großes Thema in der Landespressekonferenz: Livestream der Landespressekonferenz am 5. November 2024.
Das große Ziel unserer Kampagne ist aber nicht, nur Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken. Wir wollen Täter und potenzielle Täter mit den passenden Hilfsangeboten zusammenzubringen. Ganz nach dem Motto „Echte Männer holen sich Hilfe“.