Ab dem 1. April nimmt in der Repsoldstraße 27 im Hamburger Münzviertel die neue Psychiatrische Schwerpunktambulanz / Pier 27 schrittweise ihren Betrieb auf. Die von der Asklepios Klinik Nord/Ochsenzoll betriebene Ambulanz ergänzt das bestehende Unterstützungsangebot für suchtkranke und obdachlose Menschen, die häufig auch von psychischen Erkrankungen betroffen sind. Dabei schließt sie eine wichtige Lücke in der Versorgung und trägt zur Entlastung der angrenzenden Stadtteile rund um den Hauptbahnhof bei.
Psychiatrische Schwerpunktambulanz / Pier 27
Ein zentrales Angebot am Standort Repsoldstraße 27 ist die psychiatrische Schwerpunktambulanz. Sie richtet sich vorrangig an Menschen mit psychischen Erkrankungen, die aufgrund struktureller, sozialer oder institutioneller Hürden bislang nur unzureichend von den bestehenden Hilfesystemen erreicht werden konnten. Im Mittelpunkt steht eine niedrigschwellige, umfassende psychiatrische Versorgung, die – je nach individuellen Bedarfen – in enger Kooperation mit den anderen Fachangeboten im Haus, wie z. B. den Suchthilfeangeboten der Jugendhilfe e. V. und dem UKE-Projekt SAFE, durch frühzeitige multiprofessionelle Unterstützung ergänzt wird. Damit soll eine nachhaltige Verbesserung der psychischen Gesundheit erreicht und krankheitsbedingten sozialen, wie gesellschaftlichen Folgeerscheinung präventiv entgegengewirkt werden.
Was bietet die Psychiatrische Schwerpunktambulanz?
Die psychiatrische Schwerpunktambulanz versteht sich als Ort, an dem Hilfe leicht zugänglich und Beziehung das zentrale therapeutische Instrument ist.
Bereits am Empfang entsteht durch psychiatrisch erfahrene Pflegekräfte der erste Kontakt, der den Grundstein legt für Vertrauen und Stabilität. Darauf aufbauend folgen eine multiprofessionelle Diagnostik, individuelle Behandlung und fortlaufende Begleitung, die auch nach einer Vermittlung fortgeführt werden kann. Die Arbeit der Ambulanz folgt einer klaren professionellen Haltung: Patientinnen und Patienten werden dort abgeholt, wo sie stehen – mit ihren individuellen Belastungen, sozialen Schwierigkeiten.
- Niedrigschwellige Beratung und Krisenintervention: Niedrigschwellige Erreichbarkeit stellt sicher, dass in akuten Situationen schnell interveniert und destabilisierenden Entwicklungen entgegengewirkt werden kann.
- Diagnostik: Die Diagnostik stellt den Kern der Arbeit in der Schwerpunktambulanz dar. In einem multiprofessionellen Verfahren werden psychiatrische, psychologische, somatische und soziale Aspekte systematisch erfasst und ausgewertet. Psychopathologische Befunde, biografische Anamnesen, standardisierte Testverfahren sowie Fremdbeurteilungen durch relevante Bezugspersonen werden integriert, um ein umfassendes Bild der individuellen Lebenslage und Erkrankungsdynamik zu gewinnen. So entsteht eine tragfähige Basis für Behandlungsplanung.
- Therapie: Ausgehend von den diagnostischen Befunden werden multiprofessionell abgestimmte Behandlungspläne entwickelt. Diese umfassen pharmakologische, psychotherapeutische und psychoedukative Maßnahmen, die auf Symptomreduktion, Stabilisierung, Rückfallprophylaxe und Förderung von Selbststeuerungskompetenzen gerichtet sind.
- Vermittlung und Begleitung: Die Ambulanz unterstützt aktiv bei der Vernetzung mit weiterführenden Hilfen – etwa betreutem Wohnen, Suchthilfe, sozialpsychiatrischen Diensten oder Fachärzten und Fachärztinnen. Durch eine enge Begleitung der Übergänge wird eine stabile Weiterbehandlung gewährleistet und Rückfällen oder Versorgungslücken vorgebeugt.
- Stabilisierungsmanagement: Durch regelmäßige Kontakte, flexible Terminvergaben und eine erweiterte telefonische Erreichbarkeit wird eine kontinuierliche Betreuung sichergestellt. So können psychische Krisen, Rückfallanzeichen oder soziale Destabilisierungen frühzeitig erkannt und nachhaltige Stabilisierungsschritte eingeleitet werden.
Aufsuchende Arbeit – Hilfe direkt vor Ort
Ein besonderer Bestandteil der psychiatrischen Angebote ist die aufsuchende Arbeit. Speziell geschulte Teams, wie im Rahmen des Modellprojekts SAFE (Preventive Assertive Community Treatment) des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), bieten flexible und intensive Unterstützung direkt im Lebensumfeld der Betroffenen an. Das bedeutet: Hilfe kommt zu den Menschen, die sich im Bahnhofsviertel aufhalten und den Weg in die Ambulanz nicht alleine schaffen oder in akuten Krisen Unterstützung benötigen.
Für wen sind die Angebote gedacht?
Die psychiatrischen Angebote richten sich insbesondere an Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen, die sich überwiegend rund um den Hauptbahnhof aufhalten und oft keine andere Zugangsmöglichkeit zur psychiatrischen Behandlung haben.
Gesamtkonzeption Repsoldstraße 27
Neben der Psychiatrischen Schwerpunktambulanz / Pier 27 sind am 15. September 2025 bereits 30 Übergangsplätze schrittweise als vorgezogene Maßnahme in Betrieb gegangen. In enger Zusammenarbeit mit Trägern der Drogen-, Sucht- und Obdachlosenhilfe sind weitere Hilfe- und Beratungsangebote in Planung, die das Umfeld des Hauptbahnhofs weiter entlasten sollen.
Das städtische Sozialunternehmen F&W Fördern & Wohnen AöR hatte das Gebäude im vergangenen Jahr im Auftrag der Sozialbehörde gekauft. Die steg Hamburg mbH begleitet die Entwicklung der Immobilie und führt einen breit angelegten Dialogprozess durch, der sich an die Bürgerinnen und Bürger und Anrainende richtet.