Damwildgatter im Hirschpark wird geschlossen

Bezirksamt Altona zieht Konsequenzen im Sinne des Tierschutzes

26. Januar 2026 Pressemitteilung

Im Hirschpark in Nienstedten traten in den vergangenen Jahren immer wieder problematische Vorfälle im Zusammenhang mit der dortigen Haltung von Damhirschen auf. Vor diesem Hintergrund hatte das Bezirksamt in 2023/2024 umfassende Umbauten vorgenommen, um den Anforderungen des Tierschutzes gerecht zu werden. Zum Ende des vergangenen Jahres spitzte sich die Situation in Form von ausufernden Brunftkämpfen unter den Tieren jedoch weiter zu. Es zeigt sich, dass eine artgerechte Haltung aus tierschutzrechtlicher Sicht damit nicht weiter gewährleistet ist. Das Bezirksamt Altona zieht daraus die notwendigen Konsequenzen und schließt das Damwildgatter mit sofortiger Wirkung. Die Tiere werden im Wildgehege Klövensteen ein neues und tiergerechtes Zuhause finden.

Damwild im Wildgehege im Nienstedtener Hirschpark
Christoph Bellin / bildarchiv-hamburg.de

Während der Brunftzeit der männlichen Damhirsche im Spätherbst vergangenen Jahres kam es wiederholt zu kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen den Tieren. Brunftkämpfe sind bei dieser Art grundsätzlich ein natürliches Verhalten. Die Wildpfleger*innen stellten bei ihren täglichen Kontrollen jedoch fest, dass sowohl die Intensität als auch die Häufigkeit der Kämpfe deutlich über das übliche Maß hinausgingen und eine erhebliche Gefährdung für die Tiere darstellten. Bedauerlicherweise musste auch der Tod eines Tieres infolge eines Kampfes festgestellt werden. Darüber hinaus war es zur akuten Entschärfung der Situation – nach sorgfältiger Abwägung aller Möglichkeiten sowie unter Einbeziehung veterinärmedizinischer Expertise – erforderlich, ein bereits verletztes Tier zu erlösen.

Auch unabhängig von der Brunftzeit kam es in den vergangenen Jahren wiederholt zu schwierigen Situationen rund um die Tierhaltung im Hirschpark. Der Park wird stark von Besucher*innen frequentiert, teilweise auch in den späten Abend- und Nachtstunden. Dies führt dazu, dass das Damwild permanent durch Menschen und Lärm gestört wird. Hinzu kommen immer wieder Situationen mit unangeleinten Hunden, die für die Tiere eine erhebliche Stressbelastung darstellen. Zudem mangelt es im Hirschpark an ausreichenden natürlichen Rückzugsmöglichkeiten für das Wild.

Angesichts dieser Situation hatte das Bezirksamt in den Jahren 2023 und 2024 umfassende bauliche Maßnahmen im Damwildgatter umgesetzt, um den Anforderungen des Tierschutzes besser gerecht zu werden. Wie die jüngsten Vorfälle jedoch zeigen, konnten diese Maßnahmen nicht die erhoffte Wirkung erzielen. Zuletzt hat das Ende der Brunftzeit zu einer vorläufigen Entspannung der Lage beigetragen. Doch nach sorgfältiger Beobachtung und intensiver Abstimmung zwischen der zuständigen Forstabteilung sowie der Abteilung Veterinärwesen wurde festgestellt, dass eine tierschutzgerechte Haltung von Damhirschen im Hirschpark unter den gegebenen Umständen nicht mehr gewährleistet werden kann. Es ist zu erwarten, dass sich vergleichbare Vorfälle künftig wiederholen würden.

Vor diesem Hintergrund hat die Bezirksamtsleitung entschieden, das Damwildgatter im Hirschpark mit sofortiger Wirkung zu schließen und die verbliebenen Tiere in das Wildgehege Klövensteen zu überführen. Dort leben sie künftig im Herdenverbund mit weiteren Damhirschen auf einer großzügigen Anlage. Da in dieser Herde auch Weibchen integriert sind, verläuft das Zusammenleben der Tiere deutlich ruhiger und Brunftkämpfe treten aufgrund des natürlichen Sozialverhaltens wesentlich weniger ausgeprägt auf.

Bezirksamtsleiter Dr. Sebastian Kloth: „Das Wohl der Tiere und der Tierschutz stehen für uns an oberster Stelle – auch wenn dies bedeutet, langjährige Traditionen zu hinterfragen. Wir haben nach den aktuellen Entwicklungen konsequent gehandelt, um den Damhirschen eine artgerechte und sichere Umgebung zu ermöglichen. Mit der Unterbringung im Wildgehege Klövensteen schaffen wir eine nachhaltige und tierschutzgerechte Lösung, die den Bedürfnissen der Tiere langfristig gerecht wird.“

Die zukünftige Nutzung des Areals des bisherigen Wildgatters wird das Bezirksamt eng mit der Bezirkspolitik und den beteiligten Fachbehörden abstimmen. Wer in Altona weiterhin Damhirsche und andere heimische Tierarten kostenfrei beobachten möchte, hat dazu im beliebten Wildgehege Klövensteen in Rissen die Möglichkeit.

Zum Hintergrund: Historie des Hirschparks 

Die Ursprünge des Parks reichen bis ins Jahr 1620 zurück, als A. Oldehorst das Gelände als Landgut anlegte. Im Jahr 1786 ging das Anwesen durch eine Auktion in den Besitz des Kaufmanns Johann Caesar Godeffroy über und war zu dieser Zeit das größte Landgut der Umgebung. Ein direkter Nachkomme der Familie, ebenfalls mit dem Namen Johan Cesar Godeffroy, ließ um 1860 das Hirschgatter errichten, in dem bis zuletzt Damwild lebte. 1924 wurde das Anwesen von der Gemeinde Blankenese erworben und kurze Zeit später von der Stadt Altona der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Unter der Leitung von Ferdinand Tutenberg erfolgte die Umgestaltung zu einer öffentlichen Parkanlage. Heute ist der Hirschpark ein beliebtes Ausflugsziel in Hamburg.

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