Im Bezirk Harburg übernimmt das Diakonische Werk die Straßensozialarbeit. In Hamburg-Mitte und Altona wird sie künftig in öffentlicher Verantwortung organisiert. Dabei bestehen unterschiedliche Ausgangsbedingungen: In Hamburg-Mitte sind bereits bezirkliche Strukturen vorhanden, die nun weiter ausgebaut werden, um die vollständige Übernahme sicherzustellen. In Altona wird die Straßensozialarbeit derzeit noch durch freie Träger umgesetzt; parallel bereitet das Bezirksamt die Übernahme vor, unter anderem durch Strukturaufbau und Personalgewinnung. Bis dahin wird die Straßensozialarbeit in einer Übergangsphase weiterhin durch bestehende Angebote sichergestellt.
Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer: „Mit der Verfestigung von Obdachlosigkeit finden wir uns nicht ab. Deshalb stellen wir die Straßensozialarbeit in Hamburg grundlegend neu auf. Unser Ziel ist es, die Lebenslage obdachloser Menschen zu verbessern und Stadtteile zu entlasten. Künftig arbeiten wir stärker aktivierend, um Menschen schneller in Hilfs- und Beratungsangebote zu vermitteln. Hierfür stärken wir auch die Kooperation aller beteiligten staatlichen und nicht staatlichen Stellen. So bringen wir Hilfe näher zu den Menschen, die sie brauchen, und erreichen sie schneller und verlässlicher.“
Ralf Neubauer, Bezirksamtsleiter Hamburg-Mitte: „Das Bezirksamt Hamburg-Mitte verfügt bereits heute über gut funktionierende und bewährte Strukturen in der Straßensozialarbeit. Der Bedarf an schnellen, gezielten und nachhaltigen Hilfen ist allerdings auch groß und deshalb freue ich mich, dass wir hier nun personell spürbar verstärkt werden. Diese Verstärkung wird auf der Straße ankommen. Nach unserer Überzeugung brauchen wir dabei eine über Quartiers- und Bezirksgrenzen vernetzt arbeitende Straßensozialarbeit, wir planen daher unter anderem eine enge Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt Altona, aber auch mit vielen weiteren Stellen in der Stadt.“
Dr. Sebastian Kloth, Bezirksamtsleiter Altona: „Obdachlosigkeit ist ein Thema, vor dem wir als Stadt nicht die Augen verschließen – schon gar nicht als Verwaltung. In den Bezirken haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder erlebt, wie groß der Hilfebedarf für Menschen ist, die von Obdachlosigkeit betroffen sind. Mit der Kommunalisierung der Straßensozialarbeit in den Bezirken Altona und Hamburg-Mitte wollen wir die Hilfe intensivieren und mit einer Vernetzung der beiden Bezirke dazu beitragen, obdachlose Menschen schneller zu erreichen sowie besser in Beratung, Versorgung und Unterbringung zu vermitteln.“
Landespastorin Annika Woydack, Vorstandsvorsitzende Diakonie Hamburg: „Wir freuen uns sehr, die Straßensozialarbeit im Hamburger Süden weiter zu verantworten und zu stärken. Mit drei Stellen können wir im Bezirk Harburg noch präsenter sein, um auf die angespannte Lage obdachloser Menschen zu reagieren. Wir beobachten, dass sich Obdachlosigkeit zunehmend nach Harburg und Wilhelmsburg verlagert. Umso wichtiger ist auch dort eine verlässliche, aufsuchende Straßensozialarbeit, die Menschen niedrigschwellig anspricht und sie im Kontext des Hilfesystems in Beratung, Versorgung und konkrete Perspektiven begleitet.“
Synergien nutzen, Hilfen schneller wirksam machen
Die künftig in den Bezirken Hamburg-Mitte und Altona bezirklich organisierte Straßensozialarbeit mit zwei bezirklichen Koordinierungsstellen sorgt für bessere Abstimmung, mehr Flexibilität und einen direkteren Zugang zu bestehenden Hilfsangeboten. Vor Ort steht dafür ein breites Netz an Einrichtungen und Angeboten der Obdachlosenhilfe zur Verfügung – so kommen Hilfen schneller und passgenauer bei den Menschen an.
Die Zusammenarbeit vor Ort wird deutlich erleichtert: Abstimmungen erfolgen schneller, Wege werden kürzer und Hilfen greifen früher. Straßensozialarbeit, Fallkoordinierung, Unterbringung und Beratung arbeiten enger zusammen. Da zwischen Hamburg-Mitte und Altona enge Wegebeziehungen bestehen, ermöglicht die eng abgestimmte Steuerung beider Bezirke eine flexiblere Reaktion auf unterschiedliche Bedarfe und eine bessere Abstimmung der Angebote.
Im Bezirk Hamburg-Mitte hat sich dabei die Verbindung von Koordinierungsstelle und Straßensozialarbeit bereits bewährt. In Altona wird eine entsprechende Struktur derzeit aufgebaut. Das bezirksübergreifende Zusammenwirken beider Strukturen stärkt die Wirksamkeit der Hilfen insgesamt und unterstützt die Ziele der Neukonzeption, mehr Menschen zu erreichen und schneller in Hilfen zu vermitteln.
Im Bezirk Harburg stellt sich die Situation anders dar. Der Sozialraum ist eigenständiger, die Zielgruppe ist weniger stark mit der Innenstadt vernetzt. Eine trägergestützte Straßensozialarbeit mit dem Diakonischen Werk als langjährigen Partner bleibt hier der richtige Ansatz.
Schrittweise Umsetzung im gesamten Stadtgebiet
Die Sozialbehörde setzt die Neukonzeption schrittweise im gesamten Stadtgebiet um. Grundlage ist eine wissenschaftliche Analyse, die zeigt: Die meisten obdachlosen Menschen halten sich in Hamburg-Mitte, Altona und Harburg auf.
Dort werden die Kapazitäten gezielt ausgebaut: Hamburg-Mitte erhält für die Straßensozialarbeit fünf Vollzeitstellen, Altona und Harburg jeweils drei. In Wandsbek, Bergedorf, Hamburg-Nord und Eimsbüttel wird die Straßensozialarbeit in einem zweiten Schritt gestärkt – angepasst an die jeweiligen Bedarfslagen und im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel.
Übergangsphase und Organisation in den weiteren Bezirken
Bis zur vollständigen Umsetzung der neuen bezirklichen Strukturen in Hamburg-Mitte, Altona, der Übernahme der Straßensozialarbeit in Harburg durch das Diakonische Werk sowie dem weiteren Ausbau in den übrigen Bezirken wird die Straßensozialarbeit im gesamten Stadtgebiet weiterhin verlässlich sichergestellt:
- In Hamburg-Mitte erfolgt die Versorgung über bestehende bezirkliche Strukturen, insbesondere über die bei der bezirklichen Koordinierungsstelle Obdachlosigkeit angebundenen zwei Stellen Straßensozialarbeit sowie durch ergänzende mobile Angebote. Darüber hinaus führt das Diakonische Werk die Straßensozialarbeit im Bezirk Hamburg-Mitte aktuell fort, bis die entsprechenden bezirklichen Strukturen aufgebaut sind.
- In Altona wird die Straßensozialarbeit durch bereits vom Bezirksamt geförderte Projekte sowie ebenfalls durch ergänzende mobile Angebote sichergestellt.
- In den Bezirken Harburg, Wandsbek, Bergedorf, Hamburg-Nord und Eimsbüttel wird die Straßensozialarbeit in der Übergangsphase bedarfsorientiert durch überregional arbeitende, mobile Angebote abgesichert.
Dies erfolgt insbesondere durch das Projekt „Visite Sozial“ sowie das Streetwork-Mobil, die stadtweit flexibel eingesetzt werden und dabei auch auf Hinweise von Bürgerinnen und Bürgern bedarfsorientiert reagieren können. Diese überbezirklichen Angebote werden im Rahmen der Neukonzeption gezielt gestärkt; beim Projekt „Visite Sozial“ wurde die Personalausstattung bereits von vier auf sechs Vollzeitäquivalente zuzüglich einer Teamleitungsstelle erhöht.
Darüber hinaus befindet sich die Sozialbehörde zurzeit in den Planungen für eine weitere Stärkung des Projektes „Visite Sozial“. In diesem Zusammenhang ist eine personelle Aufstockung um zwei weitere Vollzeitäquivalente sowie ein zweites – kleineres – Streetwork-Mobil vorgesehen.
Rückfragen der Medien
Sozialbehörde
Wolfgang Arnhold | Pressesprecher
Telefon: 040 42863 2889
E-Mail: pressestelle@soziales.hamburg.de
Internet: www.hamburg.de/sozialbehoerde
Bezirksamt Altona
Mike Schlink | Pressesprecher
Telefon: 040 42811 1512
E-Mail: pressestelle@altona.hamburg.de
Bezirksamt Mitte
Elsa Scholz | Pressesprecherin
Telefon: 040 42854 2877
E-Mail: pressestelle@hamburg-mitte.hamburg.de
Diakonisches Werk Hamburg
Malte Habscheidt | Pressesprecher
Telefon: 040 30620 438
E-Mail: habscheidt@diakonie-hamburg.de