Mufflon (Ovis orientalis musimon)

Das Mufflon

Ein Mufflon steht auf einer eingezäunten Wiese.
Heike Friedrich

Allgemeines
Das Mufflon (Ovis orientalis musimon) – manchmal auch „der“ Mufflon – ist ein Wildschaf und eng mit unseren Hausschafen verwandt. Ob es sich bei diesem Tier um den Vorfahren des Hausschafs oder einen verwilderten Nachkommen sehr ursprünglicher Hausschafe handelt, konnte wissenschaftlich bislang nicht eindeutig belegt werden – neuere Untersuchungen legen aber ersteres Nahe.
Mufflons haben in der Regel eine Körperhöhe von 90 Zentimetern und sind damit relativ kleine Vertreter der Schafartigen. Widder (wie männliche Mufflons genannt werden) wiegen gewöhnlich ca. 50 Kilogramm, die Schafe (die Weibchen) nur etwa 35 Kilogramm.
Das auffallendste Merkmal der Mufflons sind die dicken, nach hinten gedrehten und spiraligen Hörner der männlichen Tiere. Aufgrund der Drehung des Kopfschmucks spricht man auch von "Schnecken". Diese Hörner wachsen wie bei allen Hornträgern ein Leben lang und werden nicht – wie die Geweihe der Hirsche – abgeworfen. Die männlichen Tiere nutzen ihre Hörner beim Kampf gegen ihre Rivalen, sie können aber auch zur Verteidigung gegen Feinde eingesetzt werden. Die Hörner der Weibchen sind dagegen entweder kaum vorhanden oder nur wenige Zentimeter lang.
Die Farbe des glatten Fells variiert abhängig von den Jahreszeiten. Im Sommer erscheint das Fell braun oder rötlich braun, im Winter hingegen fast schwarz oder graubraun. Die Männchen tragen im Winter einen weißen „Sattelfleck“, der sich von der Rückenmitte verlaufend auf beiden Körperseiten zeigt.

Lebensraum
Der Lebensraum der Mufflons besteht hauptsächlich aus gebirgigen Landschaften. Hier bilden Weibchen mit einem, manchmal auch zwei Lämmern, Herden von bis zu hundert Tieren, während die Widder nur zur Paarungszeit zu den Herden stoßen.

Vorkommen
Das natürliche Verbreitungsgebiet der Mufflons liegt in weiten Teilen Europas und Nordafrikas. Vor 3000-4000 Jahren wurden sie allerdings in weiten Teilen Europas so stark bejagt, dass sie fast ausgerottet wurden und nur noch auf Sardinien sowie auf Korsika natürlicherweise vorkommen. Auch in diesen Gebieten sind sie allerdings heute stark bedroht, da es immer weniger geeignete Lebensräume gibt, in denen die Mufflons ungestört sind und nicht durch Hausschafe verdrängt werden.
Jedoch wurden Mufflons bereits vor über hundert Jahren in einigen anderen Gebieten in Europa ausgewildert. Daher sind die Hauptvorkommen heute in Ungarn, Tschechien, der Slowakei sowie in Österreich, Frankreich und Deutschland. In Mitteleuropa eingebürgerte Tiere haben dabei ihren Lebensraum hauptsächlich in Wäldern verschiedener Höhenlagen und bevorzugen deutlich die Mittelgebirgsregionen.

Nahrung
Das Mufflon ernährt sich als Wiederkäuer ähnlich wie die Hirsche hauptsächlich von Gräsern, Kräutern, Blättern, Moosen, Flechten und Baumrinde. Nur relativ selten werden Getreide oder Baumfrüchte wie Eicheln und Bucheckern aufgenommen.

Besonderheiten
Mufflons orientieren sich in Mitteleuropa in ihrem Aktionsraum hauptsächlich an auffallenden Geländemerkmalen. Ortswechsel erfolgen, indem sie hintereinander in einer langen Reihe laufen. In Gebieten, in denen Mufflons dauerhaft leben, sind deshalb deutlich sichtbare Pfade („Wechsel“) auszumachen. Typisch für ihr Verhalten ist dabei auch, dass sie Geländeerhöhungen nutzen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Vermutlich ist dies eine Anpassung an ihre ursprüngliche Verbreitung im Gebirge, wo stets ein guter Blick über das Gelände möglich ist und Feinde rechtzeitig erkannt werden können.

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