Wildschwein (Sus scrofa)

Das Wildschwein

Der Kopf eines Wildschweins liegt auf dem Waldboden. Daneben steht ein Frischling.
Sandy Rödde

Allgemeines
Das Wildschwein (Sus scrofa) gehört zur wissenschaftlichen Familie der echten Schweine (Suidae) und ist der Urahn aller weltweit lebenden Hausschweine.
Wildschweine werden in Europa seit Urzeiten bejagt, daher gibt es für Wildschweine unterschiedlichen Alters und beiderlei Geschlechts sowie für viele Körperteile Bezeichnungen aus der Jägersprache. Im Deutschen allgemein verbreitet sind unter dem Oberbegriff Schwarzwild die jagdlichen Bezeichnungen Keiler für ein männliches und Bache für ein weibliches Wildschwein. Jungtiere im Alter von bis zu einem Jahr werden als Frischling bezeichnet.
Das Gewicht und die Größe der Wildschweine sind je nach geographischer Verbreitung sehr unterschiedlich, das Gewicht variiert außerdem je nach Jahreszeit. Das maximale Gewicht von ausgewachsenen Bachen in Mitteleuropa liegt bei ca. 150 kg und das von ausgewachsenen Keilern bei rund 200 kg.
Das Fell des Wildschweins ist im Winter dunkelgrau bis braun-schwarz mit langen borstigen Deckhaaren und kurzen feinen Wollhaaren. Im Frühjahr verliert das Wildschwein das lange, dichte Winterfell und hat ein kurzes, wollhaarfreies Sommerfell mit hell gefärbten Haarspitzen.
Gerade geborene Wildschweine (Frischlinge) haben ein hellgelbbraunes Fell, das in der Regel vier bis fünf gelbliche Längsstreifen und einige Flecken aufweist. Die Streifenform und die Flecken sind so individuell, dass Jungtiere eindeutig identifiziert werden können. Dieses Jungtierfell verlieren die Frischlinge mit etwa drei bis vier Monaten und bekommen dann allmählich das einfarbig bräunliche Jugendfell. In Mitteleuropa entwickeln die Jungtiere dann im Oktober und November ihr erstes Winterfell, welches auch vermehrt die graue bis schwarze Färbung ausgewachsener Tiere zeigt.

Lebensraum
Wildschweine passen sich unterschiedlichsten Lebensräumen an. Dazu trägt bei, dass sie sowohl tierische als auch pflanzliche Kost zu sich nehmen und durch ihre hohe Intelligenz dazu in der Lage sind, sich schnell neue Nahrungsnischen erschließen. Wildschweine haben durch ihre Fähigkeit den Boden aufzubrechen zudem Zugang zu Nahrung, die anderen Großsäugern nicht zur Verfügung steht. Sie sind ausgezeichnete Schwimmer und verfügen über eine gute Wärmeisolation, so dass sie sich auch an Feuchtgebiete anpassen können. Auf Grund dieser Fähigkeiten zählen sowohl Laub- und Nadelwälder, schilfbewachsene Sumpfgebiete als auch wechselhafte Lebensräume mit ausreichend Gebüsch und Freiflächen zu Gebieten, die vom Wildschwein besiedelt werden können.

Vorkommen
Das Wildschwein ist in ganz Eurasien sowie in Japan und in Teilen der südasiatischen Inselwelt in etwa 20 Unterarten verbreitet. Im klimatisch gemäßigten Mitteleuropa kommen sie hauptsächlich in Laub- und Mischwäldern vor, die einen hohen Anteil an Eichen und Buchen haben und in denen es sumpfige Regionen sowie wiesenähnliche Lichtungen gibt.

Nahrung
Das Wildschwein hat ein sehr breites Nahrungsspektrum und durchwühlt bei der Nahrungssuche den Boden nach Wurzeln, Würmern, Engerlingen, Insekten, Mäusen, Schnecken und Pilzen. Zudem fressen Wildschweine auch Blätter, Triebe und Knospen sowie große Mengen an Kräutern und Gräsern, auch Wasserpflanzen und Algen werden teilweise nicht verschmäht. Eine besondere Rolle im europäischen Verbreitungsgebiet spielen bei der Nahrung der Wildschweine die Früchte von Eichen und Buchen, welche insbesondere im Winter als energiereiches Futter dienen.

Besonderheiten
Typisch für alle Schweine ist ihr kräftiges Gebiss mit 44 Zähnen. Dabei ist in der Tierwelt einzigartig, dass sich nicht nur die unteren, sondern auch die oberen Eckzähne nach oben krümmen. Dies ist bei den männlichen Tieren allerdings weit ausgeprägter als bei den Weibchen, bei denen dies nur in geringem Umfang und bei älteren Tieren auftritt. Diese ausgeprägten Eckzähne dienen hauptsächlich dem Imponieren und als Waffe bei Rangkämpfen unter Keilern und können dabei in Ausnahmefällen eine Länge von bis zu 30 cm erreichen. Bei normalen, ausgewachsenen Männchen haben sie in der Regel eine Länge von 20 cm, wobei aber selten mehr als 10 cm aus dem Kiefer ragen.

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