In dem Projekt freiRaum Ottensen sollen vier getrennte Verkehrsschleifen den Kfz-Verkehr gezielt durch das Projektgebiet lenken. Die Schleifen sind so konzipiert, dass sie ausgehend von den jeweils übergeordneten Straßen am Rand des Gebiets, das Erreichen einzelner Ziele im Quartier ermöglichen. Die verschiedenen Schleifen (Teilgebiete) sind jedoch untereinander nicht mehr verbunden, sodass kein reiner Kfz-Durchgangsverkehr mehr entsteht.
Ziel der Veränderung ist es, den Kfz-Durchgangsverkehr in dem Quartier zu reduzieren und dadurch die Aufenthaltsqualität zu verbessern sowie die Straßen für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen sicherer zu gestalten. Dazu sollen voneinander getrennte Verkehrsschleifen für den Kfz-Verkehr eingeführt werden, die jeweils die Erreichbarkeit einzelner Orte sicherstellen, den Verkehr jedoch auf direktem Weg wieder aus dem Gebiet führen. Zwischen den einzelnen Verkehrsschleifen gibt es dann keine direkten Verbindungen für den Kfz-Verkehr mehr.
Durch verkehrslenkende Maßnahmen wie Einbahnstraßen oder punktuelle Durchfahrtssperren für den Kfz-Verkehr werden Abkürzungen oder Schleichwege durch das Gebiet verhindert.
Dadurch sinkt insgesamt die Verkehrsbelastung in den Wohnstraßen. Das Quartier wird ruhiger und sicherer – insbesondere für Anwohnende sowie Menschen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind. Gleichzeitig bleiben alle Ziele für Anliegende weiterhin erreichbar.
Dort, wo Teilstücke für die Durchfahrt mit dem Auto gesperrt werden, entstehen außerdem neue Freiflächen im öffentlichen Raum. Hier sollen Maßnahmen für den Fuß- und Radverkehr sowie die Schaffung von neuen Aufenthaltsflächen und Begrünung umgesetzt werden. Die Freiflächen werden im Detail erst im Nachgang zur neuen Verkehrsführung ausgestaltet und mit den entsprechenden Fachstellen abgestimmt.
Im Verkehrskonzept von freiRaum Ottensen sind vier Schleifen für den Kfz-Verkehr vorgesehen: Westschleife, Ostschleife, Südostschleife und Südschleife (siehe Abbildung 2). Die Schleifen werden im Detail schrittweise geplant und ggf. mit Anpassungen umgesetzt.
Die Westschleife umfasst folgende Straßen: Nöltingstraße, Große Brunnenstraße, Fischers Allee, Holstentwiete, Bei der Reitbahn, Erdmannstraße, Am Born, Friedensallee, Bergiusstraße und Piependreiherweg.
Die Ostschleife ist die größte der vier Schleifen. Sie erstreckt sich über folgende Straßen: Bahrenfelder Straße, Hohenesch, Am Sood, Kleine Rainstraße, Große Rainstraße, Abbestraße, Zeißstraße, Osterkirche, Gaußstraße und Nernstweg.
Die Südostschleife führt den Verkehr beginnend ab Am Felde über die Stangestraße bis hin zur Erzberger Straße und Bahrenfelder Straße (Süd).
Die Südschleife umfasst die Mottenburger Straße, Ottenser Hauptstraße (Teilstück), Kleine Brunnenstraße und die Rothestraße.
Die Details der geplanten Kfz-Verkehrsführung können Sie auf der Übersichtsgrafik am Anfang der Seite finden (Abbildung 1).
Verkehrliche Maßnahmen sind:
- Einbahnstraßen werden neu eingerichtet oder die Fahrtrichtung so angeordnet, dass man mit dem Kfz nicht mehr durch das gesamte Quartier fahren oder abkürzen kann, sondern auf bestimmten Routen wieder schnell auf eine der umliegenden Straßen geführt wird.
- Teilweise werden Straßenstücke für den allgemeinen Autoverkehr gesperrt. Diese sogenannten Durchfahrtssperren werden je nach örtlichen Gegebenheiten mit oder ohne bauliche Sperrelemente wie Poller oder Schranken umgesetzt. So wird der Kfz-Verkehr an Kreuzungen gezielt in bestimmte Richtungen gelenkt.
Da Verkehrszeichen wie Durchfahrtsverbote oder Abbiegegebote häufig nicht ausreichend beachtet werden, werden Durchfahrtssperren, wo möglich, zusätzlich durch bauliche Sperrelemente gesichert. Diese verhindern die Durchfahrt für Kfz, während Fußgänger*innen und Radfahrer*innen die Sperren weiterhin problemlos in beide Richtungen passieren können.
Vor dem Bau werden die Sperrelemente mit den zuständigen Fachstellen wie Feuerwehr und Polizei abgestimmt. Im Einsatzfall können Rettungs- und Einsatzkräfte die Sperrelemente jederzeit öffnen. - Der Radverkehr wird durch die Maßnahmen nicht eingeschränkt. Im Gegenteil: Direkte Verbindungen für den Radverkehr bleiben erhalten, da Durchfahrtssperren für den Radverkehr offenbleiben und Einbahnstraßen in beide Richtungen befahrbar sind. Durch den reduzierten Kfz-Verkehr im Gebiet erhöht sich die Sicherheit für Radfahrende. Ergänzende Maßnahmen, wie neue Fahrradabstellplätze, verbessern zusätzlich die Rahmenbedingungen für den Radverkehr.
Für jede Schleife werden je nach örtlicher Gegebenheit und Verkehrsbeziehungen unterschiedliche Maßnahmen ausgewählt. Ziel ist es, mit möglichst geringem Aufwand eine größtmögliche Wirkung zu erzielen.
Anwohnende und Besuchende können weiterhin mit dem Auto ihre Ziele innerhalb der jeweiligen Verkehrsschleife erreichen. Allerdings kann es erforderlich sein, die gewohnte Fahrtroute anzupassen, da sich die Verkehrsführung verändert.
Für Personen, die nicht im Quartier wohnen, wird das Gebiet durch die neue Verkehrsführung weniger attraktiv für Abkürzungen oder als Durchgangsstrecke. Dadurch nimmt die Verkehrsbelastung in den Wohnstraßen insgesamt ab.
Das Quartier wird ruhiger und sicherer – insbesondere für Anwohnende sowie für Menschen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind.
Die Erreichbarkeit für Rettungsdienste, Müllabfuhr, Liefer- und Servicefahrzeuge bleibt weiterhin uneingeschränkt gewährleistet.
Dort, wo Straßenabschnitte für den Autoverkehr gesperrt werden, entstehen neue Freiflächen im öffentlichen Raum – zum Beispiel für Fahrradstellplätze, mehr Grün oder andere Maßnahmen, die das Viertel lebenswerter machen.
Das Bezirksamt Altona steht zum Thema Bewohnerparkzonen im Austausch mit den zuständigen Fachbehörden und dem Landesbetrieb Verkehr (LBV) und setzt sich für einen Zuschnitt der Bewohnerparkzonen ein, die gut zum freiRaum Ottensen Verkehrskonzept passen. Aufgrund der hoheitlichen Aufgabenverteilung und der Zuständigkeiten verschiedener Stellen können jedoch nicht alle Maßnahmen kurzfristig und eigenständig durch das Bezirksamt Altona bzw. das Projekt freiRaum Ottensen umgesetzt werden.
Reinigungsfahrzeuge, Einsatz- und Rettungsfahrzeuge können alle Ziele im Gebiet weiterhin erreichen.
Im Bereich baulich gesicherter Durchfahrtssperren werden für Müllfahrzeuge und Einsatzfahrzeuge wie Krankenwagen, Polizei und Feuerwehr herausnehmbare Poller oder Schranken installiert, die bei Bedarf entfernt oder geöffnet werden können.
Die zuständigen Fachstellen werden frühzeitig in die Planung und Abstimmung der Verkehrsschleifen einbezogen.
Eine flächendeckende Reduzierung von Parkplätzen im öffentlichen Raum ist mit der Einrichtung der Verkehrsschleifen nicht vorgesehen.
Es kann jedoch vorkommen, dass einzelne Parkplätze entfallen oder umgewandelt werden, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen oder den Straßenraum an aktuelle Anforderungen anzupassen. Dies betrifft insbesondere Bereiche, in denen Kurven für größere Fahrzeuge wie Feuerwehr, Stadtreinigung oder Lieferdienste freigehalten werden müssen oder um sichere Querungsstellen für den Fußverkehr zu schaffen.
In Abschnitten, die künftig nicht mehr mit dem Auto erreichbar sind, können ehemalige Parkflächen in neue Aufenthaltsbereiche, Grünflächen oder Abstellmöglichkeiten für Fahrräder umgewandelt werden.
Parkraummoratorium: Vor der Umsetzung einer neuen Verkehrsschleife wird die Maßnahme gemäß dem Beschluss der Senatskommission für Klimaschutz und Mobilitätswende vom 22.05.2025 der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende (BVM) zur Prüfung vorgelegt. Dabei werden die Auswirkungen der Maßnahme sowie die entfallenden Parkplätze geprüft und bewertet. Die Maßnahme muss entsprechend freigegeben werden.
Die „Westschleife“ wurde vor der Umsetzung entsprechend geprüft und freigegeben. Dazu von der BVM: „In Anbetracht der vorliegenden Untersuchungen zur verkehrlichen Verträglichkeit und der umfangreichen Öffentlichkeitsbeteiligung wurde zum 04.11.2025 die Freigabe im Rahmen des Moratoriums mitgeteilt“.
Die Grundzüge der Verkehrsschleifen wurden im Rahmen des Verkehrskonzept von freiRaum Ottensen festgelegt. Die Entwicklung des Verkehrskonzepts wurde durch ein umfangreiches und mehrstufiges Beteiligungsverfahren begleitet. Auch im weiteren Planungsprozess konnten und können bei öffentlichen Informations- und Dialogveranstaltungen Hinweise, Anregungen und Fragen eingebracht werden.
Sofern im Rahmen der Detailplanung einzelner Verkehrsschleifen besondere Fragestellungen auftreten, werden zusätzlich themenspezifische Informations- und Beteiligungsveranstaltungen durchgeführt.
So wurde beispielsweise bei der Planung der Westschleife in einer eigenen Veranstaltung über verschiedene Varianten der Durchfahrtssperre in der Großen Brunnenstraße informiert und mit den Teilnehmenden diskutiert. Hierzu wurden neben der allgemeinen Öffentlichkeit auch alle direkten Anwohnenden ab 16 Jahren im Bereich der heutigen Durchfahrtssperre per Brief direkt eingeladen. Außerdem wurden die Planungsvarianten im Mobilitätsausschuss der Bezirksversammlung Altona beraten und eine Vorzugsvariante beschlossen.
Vor der Umsetzung der Westschleife wurde außerdem ein öffentlicher Informationsstand direkt vor Ort durchgeführt, um offene Fragen zu beantworten.
Eine Übersicht und Dokumentation aller bisherigen Beteiligungsformate finden Sie hier.
In den Grundzügen wurden die Schleifen im Verkehrskonzept von 2022 festgelegt. Die Detailplanung und Umsetzung erfolgt Schritt für Schritt pro Schleife. Dabei können im Rahmen der Detailplanung und den Abstimmungsprozessen mit anderen Fachstellen auch noch Anpassungen in der geplanten Verkehrsführung gegenüber dem Verkehrskonzept entstehen.
Bei größeren Änderungen gegenüber dem Verkehrskonzept werden diese im Mobilitätsausschuss der Bezirksversammlung Altona diskutiert und politisch beschlossen.
Ziel der neuen Verkehrsschleifen ist es, den allgemeinen Durchgangsverkehr aus dem Quartier herauszuhalten, indem reine Durchfahrten als Schleichweg oder Abkürzung durch das Wohngebiet weniger attraktiv werden. Die Maßnahmen sollen dadurch langfristig zu einer Reduzierung des Kfz-Verkehrs im Quartier beitragen und damit die Verkehrssicherheit sowie die Aufenthaltsqualität verbessern.
Es kann vorkommen, dass sich für Anwohnende und Besuchende, zum Beispiel bei der Parkplatzsuche, die Wege verlängern. Eine nachhaltige CO₂-Reduktion wird jedoch nicht in erster Linie durch möglichst kurze Autofahrten erreicht, sondern dadurch, dass insgesamt weniger mit dem Auto gefahren wird. Die geplanten Verkehrsschleifen schaffen daher gezielt Anreize, Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen.
Gerade in der Anfangszeit kann es zu ungewohnten Verkehrsströmen in den jeweiligen Straßen kommen. Es ist aber davon auszugehen, dass sich die Menschen nach einer gewissen Eingewöhnungszeit an die neuen Bedingungen anpassen und ihre Routen sowie die Wahl des Verkehrsmittels entsprechend umstellen.
Sollten sich nach einer angemessenen Umstellungs- und Gewöhnungsphase dauerhafte oder unerwartete Problemlagen ergeben, werden diese gemeinsam mit den zuständigen Stellen bewertet und mögliche weitere Maßnahmen oder Anpassungen geprüft.
Sollten sich nach einer angemessenen Umstellungs- und Gewöhnungsphase dauerhafte oder unerwartete Problemlagen ergeben, werden diese gemeinsam mit den zuständigen Stellen bewertet und mögliche weitere Maßnahmen oder Anpassungen geprüft.
Die Verkehrsschleifen sind eine Teilmaßnahme des Projekts freiRaum Ottensen, die aus Mitteln der Freien und Hansestadt Hamburg aus dem Bündnis zur Förderung des Fuß- und Radverkehrs finanziert wird.