Kultursensible Unterstützung für ältere Menschen mit Migrationsgeschichte

Projekt YARDIM startet in Bergedorf

15. Juli 2026 Pressemitteilung

Das Bezirksamt Bergedorf und Sprungbrett e.V. haben mit YARDIM ein Modellprojekt in ausgewählten Quartieren in Lohbrügge und Bergedorf-West auf den Weg gebracht, das älteren Menschen mit Migrationsgeschichte in Bergedorf gezielte, kultursensible Unterstützung beim Zugang zu Gesundheits-, Pflege- und Sozialleistungen bietet. Das durch den „Stadtentwicklungsfonds Lebendige Quartiere“ unterstützte Projekt setzt auf interkulturelle Lotsinnen und Lotsen aus den Communities, um Barrieren abzubauen und die gesellschaftliche Teilhabe im Quartier nachhaltig zu stärken.

EIn älterer Herr hakt sich beim Gang durch einen Park bei einer Frau unter, die eine Einkaufstasche trägt.
istock

Ältere Menschen mit Migrationsgeschichte stoßen beim Zugang zu Gesundheits-, Pflege- und Sozialleistungen häufig auf erhebliche Hürden: Sprachbarrieren, kulturelle Unterschiede und mangelnde Kenntnisse der deutschen Versorgungssysteme erschweren ihnen ein selbstbestimmtes Leben im vertrauten Quartier. Um diese Versorgungslücke zu schließen, wird seit März 2026 das Modellprojekt YARDIM – Interkulturelle Gesundheits- und Integrationslotsinnen und -lotsen für ältere Menschen mit Migrationsgeschichte – umgesetzt. Ziel ist es, durch kultursensible und mehrsprachige Unterstützung die gesellschaftliche Teilhabe und das selbstbestimmte Leben älterer Menschen mit Migrationsgeschichte im Quartier zu stärken. 

Innovativer Peer-to-Peer-Ansatz für mehr Teilhabe

Kern des Projekts ist ein Peer-to-Peer-Ansatz: Menschen mit eigener Migrationsbiografie werden aus den jeweiligen Communities gewonnen, qualifiziert und als interkulturelle Lotsinnen und Lotsen eingesetzt. Sie begleiten Seniorinnen und Senioren zu Arztterminen und Behördengängen, unterstützen bei der Beantragung von Pflegeleistungen, führen Hausbesuche durch und vermitteln in bestehende Angebote. Ergänzt wird dies durch Gruppenangebote wie Gesundheitsworkshops, Begegnungscafés und digitale Sprechstunden. Das Angebot ist dauerhaft kostenlos und mehrsprachig – unter anderem auf Türkisch, Arabisch, Russisch, Polnisch, Dari und Farsi.

Starke Partner und gesicherte Förderung

Träger des Projekts ist Sprungbrett e.V., einer der größten sozialräumlichen Träger im Bezirk Bergedorf. Antragsteller ist das Bezirksamt Bergedorf, Fachamt Sozialraummanagement. Die Finanzierung erfolgt aus dem „Stadtentwicklungsfonds Lebendige Quartiere“ der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen mit rund 208.000 Euro. Das Bezirksamt Bergedorf und Sprungbrett e.V. ergänzen die Förderung mit Eigenmitteln in Höhe von rund 27.000 Euro. Die Projektlaufzeit ist von März 2026 bis Februar 2029 angesetzt.

Karen Pein, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen: „Mit diesem Projekt unterstützen wir einen Ansatz, der das Älterwerden dort stärkt, wo Menschen zu Hause sind – in ihrem Quartier. Gute Nachbarschaften, soziale Teilhabe und passgenaue Unterstützungsangebote sind wichtige Bausteine für ein selbstbestimmtes Leben im Alter. Das Projekt überwindet vorhandene Sprachbarrieren und unterstützt Menschen mit Zuwanderungsgeschichte dabei, auch im Alter aktiv, selbstbestimmt und gut vernetzt in ihrem Quartier zu leben. Wir freuen uns, den Projektstart zu begleiten und wünschen allen Beteiligten viel Erfolg bei der gemeinsamen Gestaltung eines lebenswerten Quartiers.“ 

Cornelia Schmidt-Hoffmann, Bezirksamtsleiterin Bergedorf: „Das Modellprojekt YARDIM zeigt, wie gezielte Quartiersentwicklung und soziale Integration Hand in Hand gehen können. Als Ergänzung zu bestehenden Projekten wie dem Modellvorhaben „Wohnen bleiben im Quartier“ oder QPlusAlter erweitert YARDIM das Angebot um ehrenamtliche, kultursensible Strukturen. Damit fördern wir nicht nur die Teilhabe älterer Menschen mit Migrationsgeschichte, sondern stärken auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Bezirk. Dieses Projekt hat das Potenzial, Modell für ganz Hamburg und seine Entwicklung zur altersfreundlichen Stadt zu sein.“

Ina Achilles, Geschäftsführende Vorständin von Sprungbrett e.V.: „YARDIM schafft ein quartiersbezogenes, kultursensibles Unterstützungsangebot, das nachhaltig im Sozialraum verankert wird. Durch den Aufbau von Multiplikatoren und Multiplikatorinnen in der Bewohnerschaft entsteht ein dauerhafter Kompetenz- und Unterstützungspool, der weit über die Projektlaufzeit hinauswirkt.“

Klarer Handlungsbedarf in den Zielquartieren

Die Quartiersanalysen für Lohbrügge und Bergedorf-West zeigen einen besonderen Förderbedarf: In Bergedorf-West liegt der Anteil von Menschen mit Migrationsgeschichte bei 61 Prozent, der Anteil der Grundsicherungsempfängerinnen und -empfänger im Alter mit 16,3 Prozent weit über dem Hamburger Durchschnitt von 8,5 Prozent. In Lohbrügge sind über 22 Prozent der Menschen über 65 Jahre alt, der Anteil von Menschen mit Migrationsgeschichte liegt bei 46,6 Prozent. Diese vulnerable Gruppe wird bislang durch das bestehende Regelsystem nicht ausreichend erreicht.

Nach erfolgreichem Start in Lohbrügge ist ab 2027 eine Ausweitung auf Bergedorf-West geplant. Langfristig soll das Projekt in Regelförderstrukturen überführt werden. 

Hintergrund

Das Projekt fußt auf Erfahrungen aus einer Pilotphase, in der Sprungbrett e.V. zusammen mit dem Bergedorfer alevitischen Kulturverein BAKM gearbeitet hat. Die hohe Nachfrage auch aus anderen migrantischen Communities führte zu einer konzeptionellen Neuausrichtung hinsichtlich der Zielgruppe und der sozialräumlichen Verortung.

Stadtentwicklungsfonds Lebendige Quartiere

Mit dem „Stadtentwicklungsfonds Lebendige Quartiere“ werden Projekte gefördert, die gute Nachbarschaften stärken, die Lebensqualität der Menschen erhöhen und zur sozialen Stabilisierung beitragen. Ziel ist es, sowohl in Bestandsquartieren als auch in neuen, wachsenden Quartieren neue und bestehende Nachbarschaften eng zu verknüpfen und eine lebendige Quartiersentwicklung zu fördern. Die Fördermittel werden insbesondere in Quartieren mit besonderem Entwicklungsbedarf und einer hohen Einwohnerdichte eingesetzt. Gefördert wird die Erneuerung oder der bedarfsgerechte Ausbau quartiersbezogener sozialer und soziokultureller und gesundheits- und bewegungsfördernder Infrastruktur sowie die Gestaltung von Wohnumfeldern, öffentlichen Freiräumen und Grünanlagen als Orte der Begegnung und Kommunikation im öffentlichen Raum. Mit Investitionen in Quartiershäuser und Nachbarschaftstreffs ebenso wie in attraktive Freiräume oder Bewegungsmöglichkeiten sollen einladende Begegnungsorte gefördert werden.

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