Ziel des städtebaulich-hochbaulich-freiraumplanerischen Wettbewerbsverfahrens war die Erarbeitung einer Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung der Wohnungsbestände der Baugenossenschaft Bergedorf-Bille eG in Bergedorf-West. Das Wettbewerbsverfahren sah in einer 1. Phase die Entwicklung eines übergeordneten städtebaulich-freiraumplanerischen Gesamtkonzepts für das Quartier vor, in einer 2. Phase die vertiefende Objektplanung für ein Wohngebäude, einen Mobility Hub und zentrale Freiräume. Das Verfahren wurde in enger Abstimmung mit der Anwohnerschaft und unter breiter Beteiligung der Öffentlichkeit durchgeführt.
Phase 1 – Das städtebaulich-freiraumplanerische Grundkonzept
Die Aufgabenstellung der ersten Phase umfasste die Entwicklung eines zukunftsorientierten städtebaulich-freiraumplanerischen Rahmens mit erklärtem wohnbaulichen Schwerpunkt. Ergänzt werden sollte dieser durch attraktive Grün- und Erholungsflächen, belebte Erdgeschosszonen und eine Neuordnung des ruhenden Verkehrs. Der Bestand sollte behutsam verdichtet werden, ohne den Charakter des Quartiers zu schwächen.
Wichtige Anforderungen waren die Schaffung von kostengünstigem Wohnraum in modularer oder serieller Bauweise und die Integration von generationenübergreifendem und altersgerechtem Wohnen – unter anderem nach dem Prinzip „Lebendige Nachbarschaften“ für selbstbestimmtes, barrierefreies Wohnen mit sozialer Einbindung. Darüber hinaus sollte ein Anteil von mindestens zwanzig Prozent besonderer Wohnformen mit Versorgungsangeboten berücksichtigt werden.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Reduzierung des Stellplatzschlüssels zugunsten gebündelter Pkw-Stellplatzflächen in Mobility Hubs. Weiterhin wurden Anforderungen an ein nachhaltiges Regenwassermanagement, den Erhalt des Baumbestands sowie gute Anbindungen an die umliegenden Freiräume, die S-Bahn-Station Nettelnburg, den neuen Stadtteil Oberbillwerder und den Berufsschulcampus am Ladenbeker Furtweg formuliert.
Insgesamt wurden acht Planungsteams, bestehend aus Architekt:innen und Landschaftsarchitekt:innen, zur Teilnahme an der 1. Phase des Wettbewerbs eingeladen. Die Bearbeitung der Entwürfe fand zwischen November 2024 und April 2025 statt. Die Entwürfe der 1. Phase wurden im Rahmen von zwei Preisgerichtssitzungen am 31. März und 29. April 2025 präsentiert und diskutiert.
Das Preisgericht unter dem Vorsitz von Herrn Tom Friedrich (Architekt, Berlin) wählte die folgenden Entwürfe aus:
- Rang: Atelier Kempe Thill – Thörner Kaczmarek Generalplanungsgesellschaft mbH, Rotterdam (NL) / Düsseldorf, Landschaftsarchitektur+ Holzapfel-Herziger & Benesch PartGmbB, Hamburg
- Rang: Duplex Architekten GmbH, Düsseldorf / Hamburg, mit rabe landschaften, Hamburg
- Rang: KSP ENGEL GmbH, Frankfurt am Main, nsp landschaftsarchitekten stadtplaner PartGmbB, Hannover
Phase 1 – Beschreibung des Siegerentwurfs
Der Entwurf überzeugt durch seinen sensiblen Umgang mit dem Bestand. Unter dem Leitgedanken „weiterbauen ohne umzubauen“ wird die städtebauliche Struktur der 1960er Jahre weitergeführt und durch kompakte Atriumhäuser ergänzt. Die neuen Gebäude fügen sich in Höhe, Form und Ausdruck exakt in das bestehende Ensemble ein und stärken dessen Charakter. Flexible, barrierefreie und förderfähige Wohneinheiten ermöglichen vielfältige Wohnformen. Die Freiräume werden neu gegliedert, Aufenthaltsangebote gestärkt, Wegebeziehungen präzisiert und Mobility Hubs sowie soziale Einrichtungen sinnvoll verankert. Ein nachhaltiges Regenwassermanagement und der bewusste Erhalt des Baumbestands runden das Konzept ab. Vorgesehen sind 226 Wohneinheiten, 506 Stellplätze in zwei Mobility Hubs sowie zusätzliche Kurzzeitstellplätze.
Der Entwurf setzt auf kompakte, modulare Gebäudestrukturen mit serieller Bauweise und barrierefreier Ausführung. Die Freiräume folgen einer klaren, ökologisch orientierten Struktur aus Grünzügen, Bewegungsräumen und nachbarschaftlichen Treffpunkten.
Phase 2 – Vertiefende Objektplanungen
Auf Grundlage des städtebaulich-freiraumplanerischen Siegerentwurfs der 1. Phase wurden im zweiten Schritt die konkreten Objektplanungen für drei zentrale Bausteine des Quartiers erarbeitet: das Wohngebäude im Zentrum, den nördlichen Mobility Hub sowie den zentralen Freiraum mit Anbindung an Oberbillwerder.
Die vertiefenden Planungen der 2. Phase wurden zwischen Juni und Oktober 2025 erarbeitet. Die abschließende Preisgerichtssitzung fand am 7. November 2025 statt.
Das Preisgericht unter dem erneuten Vorsitz von Herrn Tom Friedrich (Architekt, Berlin) wählte die folgenden Entwürfe aus:
Wohngebäude
- Rang: KSP ENGEL GmbH, Frankfurt am Main, mit nsp landschaftsarchitekten stadtplaner PartGmbB, Hannover
- Rang: Atelier Kempe Thill – Thörner Kaczmarek Generalplanungsgesellschaft mbH, Rotterdam (NL) / Düsseldorf, mit Landschaftsarchitektur+ Holzapfel-Herziger & Benesch PartGmbB, Hamburg
- Rang: Duplex Architekten GmbH, Düsseldorf / Hamburg, mit rabe landschaften, Hamburg
Mobility Hub
- Rang: BIWERMAU Architekten BDA, Hamburg, mit HAHN HERTLING VON HANTELMANN Landschaftsarchitekten GmbH BDLA, Hamburg
- Rang: Atelier Kempe Thill – Thörner Kaczmarek Generalplanungsgesellschaft mbH, Rotterdam (NL) / Düsseldorf, mit Landschaftsarchitektur+ Holzapfel-Herziger & Benesch PartGmbB, Hamburg
- Rang: Duplex Architekten GmbH, Düsseldorf / Hamburg, mit rabe landschaften, Hamburg
Freiraum
- Rang: rabe landschaften, Hamburg
- Rang: Landschaftsarchitektur+ Holzapfel-Herziger & Benesch PartGmbB, Hamburg
- Rang: Uniola GmbH Landschaftsarchitektur Stadtplanung, München
Phase 2 – Beschreibung der Siegerentwürfe
Wohngebäude
Der Siegerentwurf für das Wohngebäude zeigt eine moderne, flexibel nutzbare Architektur in einer Holz-Hybridbauweise. Großzügige Fensterflächen, umlaufende Balkone und eine klare Fassadengliederung schaffen ein zeitgemäßes, ruhiges Erscheinungsbild, das sich harmonisch in die Umgebung einfügt. Die Grundrisse sind offen und variabel nutzbar; das Erdgeschoss bietet multifunktionale Räume, die gemeinschaftliche Nutzungen ermöglichen. Eine vollständig barrierefreie Erschließung, nachhaltige Materialien und eine zukunftsfähige Gebäudestruktur prägen das Konzept.
Mobility Hub
Der prämierte Entwurf sieht ein funktionales Mobilitätsgebäude in modularer Stahlbauweise vor. Es umfasst 310 Stellplätze, E-Lademöglichkeiten, Sharing-Angebote und umfangreiche Fahrradabstellanlagen. Ergänzend integriert der Entwurf einen Sportbereich, der sowohl innen als auch außen nutzbar ist und damit dem Hub einen multifunktionalen Charakter verleiht. Das Gebäude ist offen, robust und gut in den Außenraum eingebunden. Seine klare Struktur ermöglicht eine wirtschaftliche Umsetzung.
Freiraum
Der Siegerentwurf für den Freiraum verknüpft zwei wesentliche Grünachsen – das Bewegungsband und das Grüne Band – zu einer abwechslungsreichen, generationenübergreifenden Parkstruktur. Unterschiedliche Raumangebote für Aktivität, Spiel und Begegnung ergänzen sich zu einer lebendigen Freiraumlandschaft. Ein Gemeinschaftsgarten bildet einen identitätsstiftenden Treffpunkt. Naturnahe Bepflanzungen, Entsiegelung und ein nachhaltiges Regenwassermanagement prägen den ökologischen Charakter des Entwurfs. Der Freiraum setzt auf robuste, pflegeleichte und naturnahe Materialien. Wegeführungen, Aufenthaltsbereiche und Grünräume sind klar gegliedert und funktional miteinander verknüpft.
Empfehlung des Preisgerichts
Das Preisgericht hat sowohl in Phase 1 als auch in Phase 2 einstimmig empfohlen, die jeweils mit dem 1. Rang ausgezeichneten Planungsteams mit der weiteren Bearbeitung der Entwürfe zu beauftragen. Damit wurde der Grundstein für eine langfristige, nachhaltige und qualitätsvolle Entwicklung des Quartiers Bergedorf-West gelegt.
Das Ergebnis des Verfahrens wurde am 3. Dezember 2025 (Drucksache 22-0116.02) im Stadtentwicklungsausschuss der Bezirksversammlung Bergedorf vorgestellt.