Das Neugeborenen-Hörscreening gehört bereits für die meisten Familien zur Routine nach der Geburt. Weniger bekannt ist: Bei rund sechs Prozent der Kinder – das sind etwa 1.320 Neugeborene pro Jahr in Hamburg – zeigen sich Auffälligkeiten, die weiter untersucht werden müssen. Eine konsequente Nachverfolgung ist entscheidend, damit Schwerhörigkeiten frühzeitig erkannt und behandelt werden können. Die Zentrale ist neu im Beratungszentrum Sehen I Hören I Bewegen I Sprechen des Bezirksamts Hamburg-Nord angesiedelt, das seit vielen Jahren eine wichtige Anlaufstelle für junge Familien und Menschen mit Hörstörung ist.
Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer: „Hören ist wichtig, weil Kommunikation Verbindung schafft. Mit der NeST-Zentrale gibt es in Hamburg eine zentrale Anlaufstelle, die auffällige Befunde beim Neugeborenen-Hörscreening konsequent nachverfolgt und Familien eng begleitet. So stellen wir sicher, dass Hörstörungen bei Kindern frühzeitig erkannt und behandelt werden können. Das ist ein entscheidender Beitrag für die Sprachentwicklung, die Bildungschancen und die soziale Teilhabe der betroffenen Kinder.“
Bezirksamtsleiterin Hamburg-Nord, Dr. Bettina Schomburg: „Mit der NeST-Zentrale unter Leitung von Prof. Dr. Katharina Rohlfs (Landesärztin für Hörbehinderte) können wir Familien frühzeitig und zuverlässig an ausstehende Untersuchungen erinnern und begleiten. Durch die enge Zusammenarbeit mit Kliniken, Fachkräften und Familien schaffen wir außerdem die Voraussetzungen, dass das Screening zeitnah durchgeführt und konsequent nachverfolgt wird. Dies ist ein bedeutender Schritt, um die Qualität der Versorgung nachhaltig zu sichern.“
Priv.-Doz. Dr. Christina Pflug, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Hör-, Stimm- und Sprachheilkunde, und Prof. Dr. Mark Praetorius, Stellvertretender Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde des UKE: „Mit dem Neugeborenen-Hörscreening können wir Hörstörungen erkennen, noch bevor sie im Alltag auffallen. Diese frühe Diagnostik ist entscheidend, denn sie eröffnet betroffenen Kindern und ihren Eltern die Chance auf eine zeitgerechte Förderung. Eine frühzeitige Versorgung mit Hörgeräten oder Cochlear-Implantaten ist hierfür wichtig.“
Prof. Dr. Lutz Koch, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Neonatologie, Intensivmedizin und Schwerbrandverletzte am Kath. Kinderkrankenhaus Wilhelmstift: „Eine früh erkannte Hörstörung kann den weiteren Lebensweg eines Kindes entscheidend beeinflussen. Deshalb ist es aus medizinischer Sicht ein großer Fortschritt, dass auffällige Befunde beim Neugeborenen-Hörscreening künftig zentral nachverfolgt und Familien aktiv begleitet werden. Gerade in den ersten Lebensmonaten zählt jeder Schritt: Je früher Diagnostik und Therapie einsetzen, desto besser sind die Chancen für Sprachentwicklung, Lernen und soziale Teilhabe. Als Klinik unterstützen wir die NeST-Zentrale sehr gern dabei, diese Versorgung für Hamburger Neugeborene verlässlich und flächendeckend weiterzuentwickeln.“
Prof. Dr. med. Adrian Münscher, Chefarzt HNO-Heilkunde, Kath. Marienkrankenhaus Hamburg: „Mit der NeST-Zentrale schaffen wir eine einmalige, zentrale und präventive Schnittstelle für das Hörscreening. Die Vorteile und der Wert einer solchen Struktur – vom Screening über die weiterführende Diagnostik und Therapie bis hin zur Einleitung spezieller Versorgungs- und Fördermaßnahmen – sind für betroffene Kinder von unschätzbarem Wert. Der Zeitgewinn bis zur Diagnose einer kindlichen Hörstörung durch diese präventive Maßnahme eines flächendeckenden Screenings ist immens, und die frühe Rehabilitation des Hörens ist für die weitere Entwicklung der betroffenen Kinder entscheidend. Wir freuen uns, von Beginn an Teil dieses Projektes gewesen zu sein und künftig noch mehr zu einer guten Hörentwicklung unserer kleinen Patientinnen und Patienten beitragen zu können.“
Die NeST-Zentrale wurde mit Mitteln des Paktes für den Öffentlichen Gesundheitsdienst eingerichtet. Sie sorgt künftig dafür, dass das Neugeborenen-Hörscreening allen Hamburger Neugeborenen angeboten wird. Die Zentrale erfasst die Screeningdaten der Neugeborenen, prüft die Durchführung der Untersuchungen nach internationalen Standards und stellt sicher, dass Kontrolluntersuchungen sowie die fachärztliche pädaudiologische Diagnostik zeitnah und fachgerecht erfolgen.
Auffällige Befunde werden in der NeST-Zentrale dokumentiert und nachverfolgt, Familien werden begleitet und die weitere Diagnostik koordiniert. Eine speziell entwickelte, auch an die Telematik-Infrastruktur angebundene Software gewährleistet eine verlässliche Nachverfolgung. Die Erfassung und Verarbeitung der Daten erfolgt nur mit Einwilligung der Sorgeberechtigten. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Qualitätssicherung: Durch die Auswertung der Daten und ein umfassendes Schulungsangebot für alle beteiligten Fachkräfte wird die Versorgung kontinuierlich verbessert.
Die NeST-Zentrale startete im Juni im Rahmen eines EU-geförderten Projekts zur Weiterentwicklung des Kinder- und Jugendgesundheitsdienstes die aktive Nachverfolgung fehlender und auffälliger Screeningergebnisse. In der NeST-Zentrale wird dabei erstmals ein rein digitales Meldewesen erprobt. In der Anfangsphase arbeitet sie zunächst mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, dem Katholischen Marienkrankenhaus und dem Katholischen Kinderkrankenhaus Wilhelmstift zusammen. Perspektivisch sollen alle Hamburger Geburts- und Kinderkliniken eingebunden werden, um die Versorgung der jährlich rund 22.000 Neugeborenen in Hamburg flächendeckend sicherzustellen.
Weitere Informationen unter: Hamburger NeST-Zentrale für Hören: Neugeborenen-Hörscreening & Tracking - hamburg.de
Rückfragen der Medien
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Telefon: 040 42863 2889
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