Der Diebstahl der Skulptur im vergangenen Jahr hatte in Harburg große Betroffenheit ausgelöst. Umso größer ist nun die Erleichterung über ihre Wiederauffindung. Das Landeskriminalamt der Polizei Hamburg konnte das Kunstwerk auf der Veddel im Winter 2025 sicherstellen. Obwohl die Statue erhebliche Beschädigungen aufweist, besteht die Möglichkeit, die Skulptur fachgerecht zu restaurieren.
Bezirksamtsleiter Christian Carstensen: „Das Trauernde Kind, als kleine, auf dem Boden kniende Figur, hat rund vierzig Jahre lang dem vermeintlich starken Großmachtstreben ein berührendes Zeichen entgegengesetzt. Umso bestürzender war der Diebstahl vor fast genau einem Jahr. Der Fahndungserfolg der Hamburger Polizei ist daher gar nicht hoch genug einzuschätzen. Allen Beteiligten danke ich sehr für ihren erfolgreichen Einsatz. Nach der Reparatur wird das Bezirksamt die Figur gemeinsam mit der Kirchengemeinde Harburg-Mitte zügig wieder an ihren Platz bringen. Dann wird im Harburger Zentrum wieder für alle Menschen sichtbar sein, dass Krieg, Hass und Hetze stets zu Elend und Verzweiflung führen.“
Helena Kamp, Landeskriminalamt: „Das Verfahren wurde mir im Rahmen meiner Zuständigkeit als Sachbearbeiterin für Kunstdelikte beim LKA19 zugeschrieben. Wir sind eine kleine Einheit von Ermittlern, die sich neben der Sachbearbeitung von Wohnungseinbruch mit Kunst- und Kulturgutdelikten beschäftigt. Hierfür sind wir eng mit anderen Behörden und den zuständigen Dienststellen in den anderen Bundesländern vernetzt und tauschen uns über das Thema regelmäßig und aktiv aus.
Leider kommt es häufiger vor, dass Statuen aus dem öffentlichen Raum entwendet werden. Da es die Täter oft nur auf den Materialwert abgesehen haben und der künstlerische Wert sowie die Bedeutung dieser Statuen im Hintergrund stehen, entstand schon zuvor eine engere Zusammenarbeit mit möglichen Endabnehmern. So war es uns bereits möglich letztes Jahr eine Statue, die in Schweden (Malmö) entwendet wurde, wiederaufzufinden und aushändigen zu können. Anfang diesen Jahres nahm einer dieser Endabnehmer Kontakt zu uns auf und teilte mit, dass Mitarbeiter die Statue (leider in zwei Teilen) aufgefunden haben.
Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Hamburg konnte die Statue dann an das zuständige Bezirksamt wiederausgehändigt werden. Täter konnten bisher noch nicht ermittelt werden.“
Pastorin Sabine Kaiser-Reis: „Wir (der Kirchengemeinderat der Ev. – Luth. KG Harburg-Mitte) freuen uns, dass die entwendete Skulptur wiederaufgefunden wurde. Und wir sind froh darüber, dass die Harburgerinnen und Harburger mit dem ‚Trauernden Kind‘ demnächst wieder ein zum Nachdenken anregendes Denkmal haben werden.“
Zum Hintergrund
Die rund 90 Zentimeter hohe und etwa 100 Kilogramm schwere Skulptur des Künstlers Hendrik-André Schulz wurde 1988 im Rahmen eines Wettbewerbs zur Umgestaltung des bestehenden Kriegerdenkmals geschaffen. Gemeinsam mit der Skulptur „Harburger Soldat“ bildet sie vor der St. Johanniskirche an der Bremer Straße ein Mahnmal gegen Krieg und Gewalt. Das kniende, weinende Kind inmitten zerschossener Soldatenhelme macht eindrucksvoll sichtbar, dass Kriege nicht nur Soldatinnen und Soldaten, sondern ebenso Kinder, Familien und alle Hinterbliebenen zu Opfern machen. Auf Initiative des Friedenspolitischen Zentrums Harburg entstand damit ein Ort des Erinnerns, des Gedenkens und der Auseinandersetzung mit den Folgen von Krieg.
Die Figur ist Teil des Harburger Kunstpfades, der insgesamt 26 Kunstwerke im öffentlichen Raum umfasst und Kunst für alle Menschen unmittelbar erlebbar macht. Seit ihrer Aufstellung gehört das „Trauernde Kind“ zu den prägenden Kunstwerken im Bezirk und ist zugleich ein bedeutender Erinnerungsort.
Die Gießerei Edel und Stahl hat bereits ihre Bereitschaft erklärt, die notwendigen Restaurierungsarbeiten zu übernehmen und damit einen wichtigen Beitrag zur Rückkehr des Denkmals nach Harburg zu leisten.
Parallel dazu arbeitet das Bezirksamt Harburg gemeinsam mit der Kirchengemeinde Harburg-Mitte an den Vorbereitungen für die Wiederaufstellung.