Andrzej Szablewski gehörte zu den mehr als 13 Millionen Menschen, die in der Zeit von 1939 bis 1945 für das nationalsozialistische Deutschland Zwangsarbeit leisten mussten.
Im Zweiten Weltkrieg fehlten der deutschen Kriegswirtschaft in großem Umfang Arbeitskräfte, daher wurden in allen von der deutschen Wehrmacht überfallenen Ländern Männer und Frauen zur Arbeit in Deutschland zwangsverpflichtet – Arbeitskräfte als “Kriegsbeute”. Nur mit der massenhaften Ausbeutung ausländischer Arbeitskräfte konnte die Wirtschaft aufrechterhalten werden. Großunternehmen, Handwerksbetriebe, Kommunen und Behörden, aber auch Bauern und private Haushalte forderten immer mehr ausländische Arbeitskräfte an und profitierten davon.
Gegen ihren Willen mussten Andrzej Szablewski und sein Bruder Kasimierz Mitte April 1940 den eigenen Bauernhof in Polen verlassen. Sie wurden nach Deutschland verschleppt, um auf dem Gut Hohenbuchen in Poppenbüttel Zwangsarbeit zu leisten.
Polnische Zwangsarbeiter wurden entsprechend der nationalsozialistischen Rassenlehre herablassend als „Arbeitsvolk“ bezeichnet. Es herrschte Kennzeichnungspflicht. Polnische Arbeitskräfte mussten sichtbar ein „P“ tragen.
Die auf dem Gut Hohenbuchen eingesetzten Zwangsarbeiter wurden schlecht versorgt. Sie mussten von früh bis spät hart arbeiten. Sie wurden schikaniert und misshandelt. Es bestanden zahlreiche Verbote und strenge Auflagen.
Mit dem sogenannten Polenerlass vom 8. März 1940 wurde ein Sonderrecht für polnische Zwangsarbeiter geschaffen. Hier wurde festgelegt, dass der jeweilige Aufenthaltsort nicht verlassen werden durfte. Öffentliche Verkehrsmittel durften nicht benutzt werden. Wer seinen Arbeitsplatz verließ oder „lässig“ arbeitete, sollte in ein sogenanntes Arbeitserziehungslager verbracht werden. Jeder Kontakt mit der deutschen Bevölkerung war streng verboten. Wer sich einer deutschen Frau oder einem deutschen Mann „unsittlich“ annäherte oder mit ihr beziehungsweise ihm „geschlechtlich verkehrte“, wurde mit dem Tode bestraft. Die Geheime Staatspolizei war für die Verfolgung und Bestrafung von Verstößen zuständig.
Der Gutsverwalter und NS-Ortsbauernführer Walter Grimm unterstellte Andrej Szablewski und der Erntehelferin Hildegard Lütten „sexuelle Beziehungen“. Er machte zu dieser Zeit der verheirateten Hildegard Lütten Avancen. Sie wollte aber nicht. Er zeigte die beiden an. Die Meldung des zuständigen Polizeimeisters Willy Schmidt ging an die Gestapo. Beide wurden verhaftet. Hildegard Lütten kam wegen „Verkehr mit Fremdvölkischen“ ins Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück. Andrzej Szablewski wurde am 13. März 1942 öffentlich hingerichtet. Er wurde „zur Abschreckung“ gehenkt. Die Hinrichtung erfolgte ohne Gerichtsurteil auf Anordnung des Reichsführers-SS und Chefs der Deutschen Polizei, Heinrich Himmler.
Seit 2003 erinnert am Ort der Hinrichtung eine Gedenktafel im Hohenbuchenpark am Alsterufer an das Schicksal von Andrzej Szablewski. Die Initiative hierzu kam von dem Historiker Andreas Seeger. Seinen umfangreichen Recherchen ist zu verdanken, dass die Schicksale der beiden betroffenen Menschen und die Umstände ihrer Verfolgung bekannt wurden. Im Oktober 2016 wurde vor der Kindertagesstätte Hohenbuchen ein Stolperstein zum Gedenken an Andrzej Szablewski eingeweiht.
Somit wurden nicht nur für die Familienangehörige Orte geschaffen, an denen seiner gedacht werden kann.
Buchempfehlungen
Allgemein
- Stefan Romey: „Widerstand in Wandsbek 1933-1945“. Herausgegeben von der Bezirksversammlung Wandsbek. Zweite erweiterte Auflage. Hamburg 2021
- Stefan Romey und andere: „Wandsbek erinnert an 1933-1945. Wegweiser zu den Gedenkstätten“. Herausgegeben von der Bezirksversammlung Wandsbek. Zweite erweiterte Auflage. Hamburg 2022
Andrej Szablewski
- Andreas Seeger: Der Tod eines Zwangsarbeiters. Bremen 2016
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