Weg der Erinnerung - Stele

Johannes Prassek

Christlicher Widerstand

Nachdem die Nationalsozialisten 1933 die Macht im Staat übernommen hatten, verstärkten sie ihre Angriffe auch gegen die Kirchen und Glaubensgemeinschaften in Deutschland.

Das religiöse Bekenntnis sollte sich nach nationalsozialistischen Zielvorstellungen ausrichten, der christliche Glaube durch eine völkische „deutsche Religiosität“ ersetzt werden. Die Kirchen, ihre Verbände wie Jugendgruppen und Gewerkschaften, ihre Presse und ihre Schulen sollten „gleichgeschaltet“, demokratische Strukturen zugunsten des „Führerprinzips“ beseitigt werden.

Schutzhaftbefehl gegen Johannes Prassek
Der Freund und Lehrer Johannes Prassek, Lübeck 2018, S. 64

Die Wirkungsmöglichkeiten der Kirchen wurden mehr und mehr eingeschränkt. Veranstaltungen, Umzüge und Feste wurden untersagt, Straßen- und Haussammlungen nicht erlaubt. Der Hitlergruß und NS-Flaggenappelle wurden zwangsweise angeordnet. Kritische Geistliche wurden in der Öffentlichkeit verleumdet. Nach der Enzyklika „Mit brennender Sorge“ (1937) über die Lage der katholischen Kirche in Deutschland wurde die Propaganda der Nationalsozialisten gegen die katholische Kirche massiv verstärkt.
Zahlreiche katholische Geistliche waren nationalsozialistischer Verfolgung ausgesetzt. Zu diesen gehörte Johannes Prassek, weil er sich Informationen über den Krieg und die NS-Verbrechen durch das Hören ausländischer Rundfunksender verschafft hatte. Am 18. Mai 1942 wurde er verhaftet und in „Schutzhaft“ genommen. Im Juni 1943 wurde er vom sogenannten Volksgerichtshof wegen „Zersetzung der Wehrkraft“ in Verbindung mit „landesverräterischer Feindbegünstigung“ zum Tode verurteilt und im November 1943 mit dem Fallbeil ermordet.

Es hat in Deutschland lange gedauert, bis nach dem Ende des NS-Regimes öffentlich an die Menschen erinnert wird, die sich gegen den menschenverachtenden Nationalsozialismus gestellt haben. Es ist gut, einen Platz zu haben, wo an sie erinnert wird.

Das Andenken an jene, die Widerstand leisteten, wollten die Nationalsozialisten auslöschen. Angehörigen wurde verboten, von dem Tod Hingerichteter durch Traueranzeigen zu berichten, Grabstätten sollten unbekannt bleiben. So wurden die sterblichen Überreste von Johannes Prassek im Krematorium des KZ Neuengamme eingeäschert, um dann in der dortigen Lagergärtnerei verstreut zu werden. Das gewollte Vergessen wurde aber von seiner Lübecker Gemeinde verhindert. Noch in der NS-Zeit fand am 10. November 1944, dem ersten Jahrestag der Hinrichtung der vier Lübecker Geistlichen, in der Krypta der Lübecker Herz-Jesu-Kirche ein heimlicher Gottesdienst statt. Jeweils zur Todesstunde um 18 Uhr findet seit dieser Zeit an diesem Ort in jedem Jahr ein Gottesdienst zur Erinnerung an die Ermordeten statt.

Johannes-Prassek-Park in Barmbek - Straßenschild
Hans-Joachim Klier

Heute wird an zahlreichen Wirkungsstätten von Johannes Prassek an ihn und die anderen Lübecker Märtyrer erinnert. Es gibt sowohl in Lübeck wie auch in Hamburg eine Prassekstraße. An der Mauer des Hamburger Untersuchungsgefängnisses in den Wallanlagen erinnert eine Gedenktafel an die hingerichteten Geistlichen. Hier wurden für sie auch Stolpersteine verlegt. Im Juni 2011 erhielt eine Parkanlage am Osterbekkanal in Barmbek, wo Johannes Prassek seine Kindheit verbrachte, seinen Namen.

Stolperstein für Johannes Prassek, Farmsener Landstraße 181
Hans-Joachim Klier

Seit 1989 gibt es hier in der Volksdorfer Gemeinde einen Johannes-Prassek-Saal. Aus Anlass des 75. Jahrestags der Hinrichtung der vier Märtyrer wurde am 11. November 2018 vor der Kirche Heilig Kreuz ein Stolperstein für Johannes Prassek verlegt, der am 21. Juni 2020 von Pater Winkens gesegnet wurde.

Neben Johannes Prassek ist für den Bezirk Wandsbek als christlicher Widerstandskämpfer der Rahlstedter katholische Geistliche Bernhard Mecklenburg zu nennen. Er wurde aufgrund von Denunziationen am 24. März 1943 wegen „Äußerungen zur Judenfrage“ verhaftet und im Konzentrationslager Fuhlsbüttel eingesperrt. In seinem „Schutzhaftbefehl“ stand: „Er gefährdet nach den Ergebnissen der staatspolizeilichen Feststellungen durch sein Verhalten den Bestand und die Sicherheit des Volkes und des Staates, indem er sein Priesteramt zur Verbreitung staatsfeindlicher und staatsabträglicher Äußerungen missbraucht und damit die Geschlossenheit und den Kampfeswillen des deutschen Volkes zu zersetzen unternimmt.“ Am 2. Juli 1943 wurde Mecklenburg ohne Gerichtsverfahren ins KZ Dachau überstellt und kam in den sogenannten Pfarrerblock.

Porträt Bernhard Mecklenburg
www.katholische-kirche-guestrow.de

Dort wurde er gedemütigt und misshandelt. Er erkrankte schwer und litt zeitlebens an den Folgen der Haft. Am 29. April 1945 wurden die Häftlinge des KZ Dachau, unter ihnen Bernhard Mecklenburg, durch US-amerikanische Truppen befreit. So schnell wie möglich wollte er nach Hamburg zurück. Gleich nach der Ankunft beteiligte er sich tatkräftig am Neuaufbau seiner Rahlstedter Gemeinde. Die durch den KZ-Aufenthalt bedingte Lungen-TBC brach wieder auf. Sein Leiden verschlechterte sich. Er starb am 2. Februar 1962.
Wie Johannes Prassek ist Bernhard Mecklenburg in seinem Verhalten gegenüber dem Nationalsozialismus ein Vorbild. Er ließ sich in seiner christlichen Einstellung und Haltung vom NS-Terror nicht einschüchtern.




Buchempfehlungen

Allgemein

  • Stefan Romey: „Widerstand in Wandsbek 1933-1945“. Herausgegeben von der Bezirksversammlung Wandsbek. Zweite erweiterte Auflage. Hamburg 2021
  • Stefan Romey und andere: „Wandsbek erinnert an 1933-1945. Wegweiser zu den Gedenkstätten“. Herausgegeben von der Bezirksversammlung Wandsbek. Zweite erweiterte Auflage. Hamburg 2022

Johannes Prassek

  • Karola Kröll und Peter Thoemmes (Bearbeitung): Der Freund und Lehrer. Johannes Prassek und die Familien Gunkel und Thoemmes. Briefe, Bilder, Dokumente. Lübeck 2018

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