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Blühwiesen!? Warum sind sie so wichtig?

Blühwiesen im Bezirk Wandsbek

Erinnern Sie sich? Noch vor wenigen Jahren musste man bei einer Autofahrt von Hamburg nach München mehrmals anhalten und die Windschutzscheibe von unzähligen toten Insekten befreien. Und heutzutage?

In den vergangenen 30 Jahren ist die Zahl der Insekten um 75 Prozent zurückgegangen und somit auch die Hauptfutterquelle für viele Vogelarten, Fledermäuse, Igel, Amphibien und andere Tiere. Die Nahrungskette wird unterbrochen.
Die Hauptgründe für das Insektensterben sind der Einsatz von hochwirksamen Insektiziden, der Verlust geeigneter Lebensräume und massiv schwindende Futterquellen in unserer ausgeräumten Agrarlandschaft und mit wenigen Blühpflanzen bestückte Parks und Privatgärten. Für die biologische Vielfalt ist dies eine ernst zu nehmende Bedrohung.

Durch das Insektensterben kommt es zu einer „Bestäubungskrise“, die das Nahrungsangebot für Tiere und Menschen dramatisch reduziert. Die Honigbienen können den Verlust an Wildinsekten nicht ersetzen.

Eine Blühwiese bietet Lebensraum und Futter für viele Tier- und Pflanzenarten und fördert somit die Artenvielfalt. Besonders wertvoll sind Streuobst-Blühwiesen mit alten Obstsorten. Auf der Wiese und an den Obstbäumen finden bis zu 5.000 verschiedene Insekten- und Tierarten Nahrung, Nistmöglichkeiten und Schutz. Durch seltenes Mähen können die Wiesenpflanzen zur Blüte und Samenreife gelangen. Die Insekten zehren vom Nektar und Pollen der Blüten und kommen auf den nicht gemähten Stängeln und Blättern zur Eiablage. So kann sich der Nachwuchs dort entwickeln.

Der Bezirk Wandsbek hat bereits an 25 Standorten Blühwiesen in unterschiedlicher Größe angelegt.
2018 waren es zehn Standorte mit insgesamt rund 8.000 Quadratmetern.
2019 wurden weitere vier Wiesen mit einer Fläche von etwa 5.250 Quadratmetern realisiert. 2020 kamen drei weitere Blühwiesen hinzu mit einer Fläche von rund 3.800 Quadratmetern. 2021 entstanden acht weitere Blühwiesen mit insgesamt etwa 6.000 Quadratmetern.

Aber auch die Besitzer von Privatgärten können sehr zur Umkehr des Insektensterbens beitragen! Denn jede noch so kleine Blühinsel im Bezirk bietet den Tieren Nahrung, Schutz und Nistmöglichkeiten und trägt zur enorm wichtigen Vernetzung der wachsenden Zahl der bezirklichen Blühwiesen bei. Viele Insektenarten haben nämlich entgegen der Honigbiene einen begrenzten Aktionsradius von nur 500 Metern. Liegen die Blühflächen zu weit auseinander, kommt es durch die geringe Anzahl der Individuen einer Art zur Inzucht, einem zu geringen Genpool und in der Folge zum immer schneller fortschreitenden Aussterben der Insekten.

Wir alle profitieren also von den Wiesen. Sie tragen nachhaltig zum Erhalt der Nahrungskette - an deren Ende wir stehen - bei.