Sambucus nigra

Holunder

Schutz - Heilung - Glücksbringer

Holunder Blüten
Holunder Blüten Helge Masch

Inhaltsverzeichnis

Florale Geschichten – Holunder

  • Pflanze: 6
  • Start: 1. Juni 2026
  • Beiträge von floralen Geschichten-Schreiber:innen: 1
  • Basisinformationen: Helge Masch (HM)

Die Floralen Geschichten des Botanischen Sondergartens sind ein gemeinschaftliches Erzählwerk, das regelmäßig erweitert wird. Hier können Sie lesen, sich informieren und inspirieren lassen. Fehlen Ihnen bekannte Aspekte zu einer Pflanze? Dann schreiben Sie uns gern die Fakten oder Ihre persönliche Geschichte und senden Sie uns Ihren Text zu. Gemeinsam machen wir die Vielfalt der Pflanzen erlebbar!

Mini-Porträt

  • Deutscher Name: Holunder, Holler, Hollerbusch
  • Botanischer Name: Sambucus nigra
  • Pflanzenfamilie: Moschuskrautgewächse (Adoxaceae)
  • Herkunft: Europa, Westasien und Nordafrika
  • Erstmalig erwähnt: Bereits in der Antike bekannt; vielseitig genutzt in Volksmedizin und Küche
  • Blüte: große, weiße, duftende Doldenblüten von Mai bis Juli
  • Früchte: kleine, schwarze bis violette, glänzende Beeren (Holunderbeeren)
  • Habitus: mehrjähriger, laubabwerfender Strauch oder kleiner Baum, 3 bis 7 m hoch, mit weichen, markhaltigen Zweigen
  • Giftpflanze: Blätter, Rinde, unreife Beeren und Samen sind schwach giftig (enthalten Sambunigrin); reife, erhitzte Beeren essbar
  • Verwendung: Blüten für Sirup, Tee und Gebäck; Beeren für Saft, Gelee, Wein und als Heilmittel; traditionell in der Volksmedizin geschätzt

Botanischer Sondergarten Wandsbek

Bildergalerie

Verwechslungsgefahr

Neben dem Schwarzen Holunder gibt es weitere Arten in der Gattung Sambucus, die teilweise deutlich giftiger sind:

Roter Holunder (Sambucus racemosa)

  • Vorkommen: Europa, Asien, Nordamerika
  • Merkmale: Rote Beeren, kleinere Blütendolden
  • Giftigkeit: Die Beeren und andere Pflanzenteile enthalten höhere Mengen an Sambunigrin und sind roh giftig. Auch nach dem Kochen bleiben die Beeren oft noch leicht giftig und werden nicht zur Verarbeitung empfohlen.

Zwerg-Holunder (Sambucus ebulus)

  • Vorkommen: Europa, bevorzugt an sonnigen Standorten
  • Merkmale: Krautige Pflanze, schwarze Beeren, unangenehmer Geruch
  • Giftigkeit: Alle Pflanzenteile sind giftig, insbesondere die Beeren und Wurzeln. Vergiftungserscheinungen sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Krämpfe und in schweren Fällen Kreislaufprobleme.

Fakten

Brauchtum

Kaum ein Strauch ist so tief im Brauchtum der Menschen verwurzelt wie der Holunder. In den süddeutschen Bergregionen zieht man den Hut zum Gruß, wenn man an einem Holunder vorbeispaziert.

Im Holunder residiert der Sage nach die gute Frau Holle auf Erden. Um ihr wohlgesonnen zu sein, wurde das erste Badewasser eines Neugeborenen unter einem Holunder ausgegossen.

Auch in der Welt der „Bösenbuben“ spielte der Holunder als Versteck eine entscheidende Rolle. Nicht selten wurde die Beute eines Diebeszugs unter einem Holunder vergraben, und dieser im Zuge dessen kurz über dem Boden angeschnitten. Einige Monate später konnte man das Versteck anhand des jungen Holunders leicht wiederfinden, da der angeschnittene Strauch neue Triebe bildete und so das Versteck markierte.

Der Holunder galt also nicht nur als Schutz- und Lebensbaum, sondern war auch ein fester Bestandteil von Volksglauben und Alltagspraktiken.

Der Holunder wurde zudem häufig in der Nähe von Häusern gepflanzt, da man glaubte, er schütze vor Blitzschlag und bösen Geistern. Seine Blüten und Beeren fanden Verwendung in der Hausapotheke, etwa zur Herstellung von Tees, Säften und Sirupen gegen Erkältungen und Fieber. Bis heute ist der Holunder in vielen Regionen ein Symbol für Gesundheit, Schutz und Fruchtbarkeit.

Der Holunder in der Hausapotheke

Dass die Blüten und Früchte des Holunders eine besondere Rolle in der Hausapotheke spielen, ist vermutlich allgemein bekannt. Doch auch die Rinde fand bei Unwohlsein Verwendung. Sorgfältig nach Art der „Ernte“ sortiert, wurde sie aufbewahrt und gezielt eingesetzt.

Schabte man die Rinde von oben nach unten ab, sollte dies bei Verdauungsbeschwerden helfen und eine abführende Wirkung haben. Wurde die Rinde hingegen von unten nach oben abgeschabt, sollte sie Erleichterung verschaffen, indem sie das Erbrechen förderte.

Neben Blüten, Beeren und Rinde wurden auch Blätter und Wurzeln des Holunders in der Volksmedizin verwendet. Allerdings ist bei der Anwendung Vorsicht geboten, da einige Pflanzenteile giftige Stoffe enthalten können. Die traditionelle Nutzung des Holunders zeigt, wie eng Volksglaube und praktische Heilkunst miteinander verbunden waren.

So nutzte man den Holunder in vielfältiger Weise als Heilpflanze und schätzte seine unterschiedlichen Bestandteile je nach Bedarf.

Der Holunder bei Harry Potter

Der Holunder ist in der europäischen Volkskunde ein Baum mit starker magischer und spiritueller Bedeutung: Er steht für den Übergang zwischen Leben und Tod, gilt als Schutzbaum und wird mit Weisheit, Schicksal und verborgener Macht verbunden. Viele Sagen berichten von Geistern oder übernatürlichen Wesen, die im Holunder wohnen. Diese Symbolik greift J. K. Rowling in der Harry-Potter-Geschichte „Die Märchen von Beedle dem Barden“ auf: Der legendäre Elderstab, einer der drei Heiligtümer des Todes, ist aus Holunderholz gefertigt. So verbindet Rowling die alten Vorstellungen von Schutz, Magie und dem Überschreiten von Grenzen mit der modernen Zauberwelt und verleiht dem Holunder eine neue, geheimnisvolle und mächtige Bedeutung.

Volksnamen in anderen Sprachen

  • Englisch – Elder, Elderberry
  • Französisch – Sureau 
  • Spanisch – Saúco
  • Italienisch – Sambuco 
  • Niederländisch – Vlier, Vlierbes 
  • Schwedisch – Fläder, Fläderbär 
  • Polnisch – Bez czarny, Dziki bez 
  • Japanisch – Niwatoko
  • Chinesisch – Jiēgǔmù
  • Finnisch – Selja, Mustaselja
  • Ungarisch – Bodza

Symbolik

Der Holunder wurde als Mittler zwischen den Welten gesehen – zwischen Leben und Tod, Diesseits und Jenseits. Seine orakelnde Kraft unterstreicht seine besondere Stellung im Volksglauben und seine Verbindung zu Magie und Spiritualität.

Blumensprache

Der Holunder spielt zur Hochzeit der Blumensprache keine Rolle. Doch hätte er eine Botschaft übermitteln können, wäre es wohl diese gewesen:

  • Ich wünsche Dir Schutz, Gesundheit und Wohlergehen.

Orakelbräuche rund um den Holunder

  • Zukunftsschau: In manchen Regionen glaubte man, dass junge Frauen in der Johannisnacht unter einem blühenden Holunderstrauch ihren zukünftigen Ehemann im Traum sehen könnten. Dazu legten sie sich unter den Strauch oder banden Holunderblüten unter das Kopfkissen.
  • Wetterorakel: Die Blütezeit des Holunders wurde als Zeichen für den Beginn des Sommers gedeutet. Ein üppig blühender Holunder verhieß eine gute Ernte, während spärliche Blüten auf ein schwieriges Jahr hindeuteten.
  • Schutz und Warnung: Es hieß, dass der Holunder vor Unheil warnt: Wenn ein Holunderstrauch plötzlich verdorrte, wurde dies als schlechtes Omen für das Haus oder die Familie gedeutet.
  • Antwort auf Fragen: In einigen Gegenden stellte man dem Holunder Fragen, indem man in der Dämmerung an seinen Zweigen rüttelte. Raschelte der Strauch, galt dies als bejahende Antwort, blieb er still, als Verneinung.

Verwendung

Genuss aus Blüten und Früchten

Holunderblüten

  • Holunderblütensirup: Die zarten Blüten werden in Wasser, Zucker und Zitronensaft eingelegt und zu einem aromatischen Sirup verarbeitet. Dieser dient als Grundlage für erfrischende Getränke, Desserts oder zum Verfeinern von Sekt.
  • Holunderblütenküchlein: Frische Dolden werden in Teig getaucht und ausgebacken – ein traditionelles, süßes Gebäck.
  • Holunderblütentee: Getrocknete Blüten werden als Tee aufgegossen, der für seinen feinen Geschmack und seine wohltuende Wirkung geschätzt wird.
  • Aromatisierung: Holunderblüten werden zum Aromatisieren von Gelees, Marmeladen und Essigen verwendet.

Wissenswertes: Die Blüten sollten möglichst frisch verarbeitet werden, da sie ihr Aroma schnell verlieren.

Holunderbeeren (Früchte)

  • Holundersaft: Die dunklen Beeren werden entsaftet und zu einem vitaminreichen Saft verarbeitet, der pur oder als Basis für Mischgetränke und Punsch dient.
  • Holundermarmelade und -gelee: Aus den Beeren lässt sich eine aromatische Marmelade oder ein Gelee kochen, oft in Kombination mit Äpfeln oder Birnen.
  • Holunderkompott: Die Beeren werden mit Zucker und Gewürzen zu einem Kompott gekocht, das als Beilage zu Süßspeisen oder Wildgerichten gereicht wird.
  • Holunderwein und -likör: Aus den Früchten werden auch Wein und Likör hergestellt, die für ihr intensives Aroma bekannt sind.
  • Backwaren: Holunderbeeren finden als Füllung in Kuchen, Torten oder Muffins Verwendung.

Wissenswertes: Roh sind Holunderbeeren leicht giftig und sollten immer erhitzt werden, bevor sie verzehrt werden.

Tipps

  • Saison: Blüten: Mai bis Juni Beeren: August bis September
  • Hinweis: Nur die schwarzen Holunderbeeren (Sambucus nigra) sind für den Verzehr geeignet. Andere Arten können giftig sein.

Persönliche Geschichten

Mein erster bewusster Kontakt – und mehr.

Eine gute Freundin war zeitweise an einem anderen Ort und wohnte dort bei ihrer Cousine. Als ich sie einmal besucht habe, lag ein betörender Duft in der Küche. Es wurde gerade Holunderblütengelee gekocht. Am liebsten wäre ich in diesen Duft eingetaucht und nie wieder aufgetaucht – einfach himmlisch! Auch wenn das Gelee dort mit Apfelsaft zubereitet wurde und ich es sonst „nur“ mit Wasser mache, koche ich seitdem regelmäßig Holunderblütengelee. Und nicht nur reines Holunderblütengelee: Auch bei Kirschmarmelade und Jostabeerenmarmelade gebe ich immer etwas Holunderblüten dazu – das macht die Marmelade etwas lieblicher.

Verbindung zwischen den Welten

Als ich mich etwas mehr mit Holunder beschäftigt habe, las ich, dass die hellen Blüten in Richtung Himmel zeigen. Die dunklen Beeren hingegen hängen nach unten und zeigen in Richtung Erde. Eine Verbindung zwischen Himmel und Erde – ich mag diese Vorstellung sehr.

Holunderblütengelee auf der Baustelle

Ich hatte eine Baubesprechung. Es war kalt – obwohl eigentlich Frühsommer war. Vielleicht war es die Schafskälte, aber das ist schon zu lange her, um es genau zu wissen. Jedenfalls fragte der Bauleiter der Firma, ob wir einen Kaffee trinken wollen, weil es so ungemütlich war.

Ich hatte gerade frisch Holunderblütengelee gekocht und dem Bauleiter ein Glas davon mitgebracht. Seine Begeisterung hielt sich allerdings in Grenzen: Gelee sei nicht so sein Ding, Süßes zum Frühstück auch nicht. Außerdem hatte er – typisch Mann ;-) – keine Tasche dabei. Also hielt er das Gelee-Glas die ganze Zeit in der Hand. Ich vermute, am liebsten hätte er es mir zurückgegeben, aber aus Anstand hat er das wohl nicht getan.

Als wir später in einem Café saßen, bestellte er einen Latte Macchiato – mit langem Löffel. Und dann wurde er doch neugierig: Ob er das Gelee mal probieren könne? Na klar, es war ja jetzt seins. Aber so ganz ohne Brot? Er wolle ja nur mal kosten...

Ich mag Holunderblütengelee wirklich sehr, aber pur essen würde ich es nicht. Derr Bauleiter schraubte das Glas auf, nahm etwas Gelee auf den Löffel und probierte. In seinem Gesicht zeigte sich eine Mischung aus Verwunderung und Freude – damit hatte er wohl nicht gerechnet. „Hmmmmm, ist das lecker!“ Noch ein Löffel. Und noch einer. Und noch einer.

Als wir das Café verließen, war das Glas zur Hälfte leer – etwa 200 Gramm Gelee hatte er verputzt.

Kulinarisches

Balsamico-Essig mit Holunderblüten ist einfach herzustellen und verleiht dem Essig eine fruchtige Note. Für die "normale" Verwendung fast zu schade – super lecker! Einfach Brot hineintunken. Auch als Geschenk eine tolle Idee.

Bei Erkältungen

Einen Tee aus Holunderblüten und Lindenblüten zubereiten. Dazu Holunderblüten sammeln und trocknen. Wenn die Linden blühen, auch diese Blüten sammeln und trocknen. Bei Erkältungen im Herbst und Winter einen Tee aus beiden Blüten aufgießen und trinken.

Kontakt

Herr Masch

Botanischer Sondergarten

Bezirksamt Wandsbek / Management des öffentlichen Raumes