Die Gartenbohne – ein beliebtes Gemüse – ist giftig? Das kann doch gar nicht sein! Bohnen habe ich doch schon viele Male verzehrt, ohne dass ich krank geworden oder gar gestorben bin. Das glaube ich nicht!
So verliefen viele Gespräche mit Parkbesuchenden im Jahr 2025, als die Gartenbohne bei der Wahl zur Giftpflanze des Jahres nominiert war.
Gartenbohnen und andere Hülsenfrüchte, die zur Gattung „Phaseolus“ gehören, enthalten ein giftiges Lektin (eine Eiweiß-Kohlenhydrat-Verbindung), das Phasin genannt wird. Die gute Nachricht gleich vorweg: Beim Kochen (mindestens 10–15 Minuten bei 100 Grad) wird das Phasin zerstört und das Gemüse ist ohne Beschwerden genießbar!
Bedeutende Gartenbohnen (Phaseolus vulgaris) und andere Hülsenfrüchte, die Phasin enthalten, sind:
Grüne Bohne
Schnittbohne oder Schneidebohne
Prinzessbohne
Kidneybohne
Kernbohne oder Trockenkochbohne
Pintobohne oder Wachtelbohne
Feuerbohne (Phaseolus coccineus)
Kichererbse (Cicer arietinum) Auch Kichererbsen enthalten Phasin und sollten vor dem Verzehr immer ausreichend gekocht werden.
Geschichte, Vorkommen und Standort
Die aus Süd- und Mittelamerika stammende Pflanze gelangte im 16. Jahrhundert nach Europa. In Deutschland wurden bis dahin hauptsächlich Ackerbohnen (Dicke Bohnen – Vicia faba) und Kuhbohnen angebaut. Auch diese konnten nur gekocht verzehrt werden!
Bohnen entwickeln sich bei Temperaturen zwischen 18 und 30 Grad; Nachttemperaturen unter 20 Grad erhöhen den Samenertrag. Sie benötigen einen frischen und nährstoffreichen Boden.
Giftigkeit
stark giftig ++
Hauptwirkstoffe
Phasin ist ein natürliches Toxin, das durch richtige Zubereitung – Kochen – ungefährlich gemacht wird.
Vergiftungserscheinungen
Vergiftungserscheinungen treten meist 2–3 Stunden nach dem Verzehr auf und äußern sich durch Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall (möglicherweise blutig). In schweren Fällen können Fieber, Schüttelfrost, Krampfanfälle, Blutdruckabfall und sogar Schock auftreten, da Phasin rote Blutkörperchen verklumpt und so den Sauerstofftransport behindert.
Gefahr für Haustiere
Rohe Bohnen und Kichererbsen sind auch für Haustiere gefährlich!
Erste Hilfe
Bei dem geringsten Verdacht auf eine Vergiftung sollte man sich unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben.
Die Gartenbohne in der Küche
Tipps:
Mindestens 10 bis 15 Minuten bei 100 Grad kochen.
Kurzes Blanchieren oder Dampfgaren reicht oft nicht aus.
Blanchierwasser und Kochwasser besser wegschütten.
Beschreibung der Pflanze
Lebensdauer: einjährig
Wuchshöhe: bis 4 Meter, linkswindend
Blätter: Gegen 18 Uhr nehmen die Blätter ihre Schlafstellung ein, gegen 6 Uhr richten sie sich wieder auf. Kompasspflanze: Gegen Mittag stehen die Blätter in Nord-Südrichtung.
Blüte: zwittrig, vormännlich, Juni bis September, traubiger Blütenstand
Früchte: Schoten
Deutscher und Botanischer Name
Phaseolus vulgaris (Gartenbohne) - Phaseolus: alte griechische Bezeichnung der Bohne, nimmt Bezug auf die kahnförmige Form der Bohnenhülse. - vulgaris: gewöhnlich
Weitere Namen: Grüne Bohne, Schnittbohne, Fisole (Österreich)
Nicht die Bohne?
Der Begriff „Bohne“ wird vielseitig eingesetzt. Doch nicht jede „Bohne“ ist auch wirklich eine Bohne die zur Gattung Phaseolus gehört. Hier einige Beispiele:
Kaffeebohne – Coffea sp. – giftige Nutzpflanze
Kakaobohne – Theobroma cacao – ungiftig
Sojabohne – Glycine max – giftige Nahrungspflanze (Familie Hülsenfrüchtler, aber nicht Gattung Phaseolus)
Tonkabohne – Dipteryx odorata – ungiftig, jedoch in großen Mengen gesundheitsschädlich; Samen einer Baumfrucht aus Südamerika
Johannisbrotbohnen – Ceratonia siliqua – ungiftig; Samen der Carob-Schote
Rizinusbohne oder Castorbohne – Ricinus communis – sehr stark giftige Pflanze
Stimmverteilung bei der Wahl der Giftpflanze des Jahres 2026
Stimmverteilung bei der Wahl der Giftpflanze des Jahres 2026
Botanischer Sondergarten Wandsbek
Stimmabgabe bei der Wahl der Giftpflanze des Jahres
Stimmabgabe bei der Wahl der Giftpflanze des Jahres
Botanischer Sondergarten Wandsbek
Sprichworte und Redewendungen
Das interessiert mich nicht die Bohne. Bedeutung: Etwas ist völlig uninteressant oder egal. Ursprung: Das Wort "Bohne" steht hier für etwas Geringfügiges und Wertloses.
Er hat nicht eine Bohne. Bedeutung: Jemand besitzt gar nichts, ist völlig mittellos. Ursprung: Stammt aus dem 13. Jahrhundert, als einzelne Bohnen sehr wenig Wert hatten.
Da ist keine Bohne dran. Bedeutung: Da ist nichts Wahres dran; das stimmt nicht. Ursprung: wie "Das interessiert mich nicht die Bohne."
Nicht die Bohne verstehen. Bedeutung: Etwas überhaupt nicht verstehen. Ursprung: Das Wort "Bohne" wurde schon früh für etwas Unbedeutendes genutzt. Eine einzelne Bohne hat kaum Wert, daher drückt "nicht die Bohne" eine extreme Verneinung aus.
Keine Bohne wert sein. Bedeutung: Etwas ist völlig wertlos. Ursprung: Stammt aus dem Mittelalter, als Bohnen ein Hauptnahrungsmittel waren, aber eine einzelne Bohne wertlos war.
Du hast wohl Bohnen in den Ohren! Bedeutung: Jemand hört offenbar nicht richtig zu oder hat etwas nicht mitbekommen. Es wird scherzhaft verwendet, wenn jemand etwas Offensichtliches überhört oder nicht versteht.
Jedes Böhnchen gibt ein Tönchen Bedeutung: ist eine humorvolle Redewendung im Deutschen. Sie spielt darauf an, dass der Verzehr von Bohnen (und anderen Hülsenfrüchten) oft zu Blähungen führt – und diese wiederum hörbar sein können. Die Redewendung wird meist scherzhaft im privaten oder familiären Umfeld verwendet.
Dumm wie Bohnenstroh Bedeutung: Jemand wird als besonders einfältig oder wenig intelligent angesehen. Das Bohnenstroh, also die trockenen Stängel der Bohnenpflanze, gilt als wertlos und wird hier sprichwörtlich mit mangelnder Klugheit verglichen.
Musik
Wenn hier en Pott mit Bohnen steiht (ca. 1839)
Bohnen in die Ohren - Lied von Gus Backus - 1966
Bohnenlied - Kinderlied
Phasoleum – Die Bohnenschau der beSONDERen Art!
Im Sommer 2026 erwartet Sie im Botanischen Sondergarten ein ganz besonderes Highlight: das Phasoleum – Die Bohnenschau der beSONDERen Art! Entdecken Sie im Phasoleum die faszinierende Vielfalt der Bohnen. Zahlreiche Arten und Sorten sowie ihre engen Verwandten wachsen und gedeihen in dieser einzigartigen Ausstellung. Erleben Sie spannende Einblicke in die Welt der Hülsenfrüchte, erfahren Sie Wissenswertes über Anbau, Nutzung und Bedeutung der Bohne und lassen Sie sich von außergewöhnlichen Pflanzen und kreativen Präsentationen begeistern. Besuchen Sie das Phasoleum und tauchen Sie ein in die bunte Welt der Bohnen – ein Erlebnis für Groß und Klein!
Zu guter Letzt
Gemüse des Jahres 2004 – Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN)
Bohnenkraut ist nicht das Blattwerk der Bohnenpflanze (Phaseolus vulgaris), sondern eine Würzpflanze für deftige Gerichte, die häufig Bohnen enthalten, aus der Gattung Satureja.
Ackerbohne - Vicia faba
Ackerbohnen dürfen nur gekocht gegessen werden. Sie enthalten zwar kein Phasin, aber das giftige Phytohämagglutinin-L, ein sogenanntes Lektin. Dieses Gift wird durch Kochen unschädlich gemacht.
Auch bei Tieren können Ackerbohnen Vergiftungen verursachen. Besonders betroffen sind Pferde, Rinder und Schweine.
Favismus (auch Fabismus) Bei Menschen mit einem G6PD-Mangel kann der Verzehr von Ackerbohnen oder sogar das Einatmen von Bohnenpollen zu einer Blutarmut durch den schnellen Zerfall der roten Blutkörperchen führen. Dadurch entstehen Symptome wie Schwäche und Gelbsucht. Gleichzeitig haben Menschen mit Favismus einen gewissen Schutz vor Malaria, weshalb diese Erkrankung in Regionen mit früher hoher Malariaverbreitung häufiger vorkommt.