Fingerhut

Giftpflanze des Jahres 2007

Der sehr stark giftige +++ Fingerhut wurde mit 312 Stimmen (33%) zur dritten Giftpflanze des Jahres gewählt.

Giftpflanze des Jahres 2007 - Fingerhut
Fingerhut Helge Masch

Inhaltsverzeichnis

Ausgang der Wahl

Platz 2: Maiglöckchen - Convallaria majalis 29%
Platz 3: Engelstrompete - Brugmansia sp. 21%
Platz 4: Goldregen - Laburnum anagyroides 18%

Fingerhut

Alle Pflanzenteile des Fingerhutes enthalten herzwirksame Glykoside. Diesen können nur durch Verzehr von Pflanzenteilen im Körper wirksam werden. Der Hautkontakt mit den Pflanzen ist unschädlich.

Die Blätter weisen einen stark bitteren Geschmack auf, daher kommt es eher selten zu Vergiftungen. Häufiger treten Vergiftungen durch falschen Einsatz digitalisglykosidhaltiger Medikamente auf. Digitalisglykoside lagern sich im Körper ab und werden vom Körper sehr langsam ausgeschieden. So können nacheinander verabreichte Dosen ebenfalls eine Vergiftung verursachen!

Toxische Dosis

Mensch: durch Verzehr von 2-3 Blättern
Hund: 5 g trockene Blätter
Pferd: 25 g trockene Blätter, oder 150-200 g frische Blätter
Rind: 150-200 g trockene Blätter

Einige Vergiftungserscheinungen

Vergiftungen auch durch Medikamentenmissbrauch.
Übelkeit, Erbrechen, Ohrensausen, Schwindelanfälle,Sinken der Pulsfrequenz (unter 50 Schläge pro Minute)

Erste Hilfe

Bei akuten Vergiftungserscheinungen sollte umgehend eine geeignete Klinik aufgesucht werden. Informationen im Vergiftungsfall geben auch die Giftinformationszentralen.

Giftinformationszentrum Nord: 0551 - 19240

Aberglaube

In Irland (16. Jh.) verwendete man den Fingerhut verbunden mit magischen Bräuchen. Er sollte gegen den bösen Blick helfen.

Englische und irische Sagen berichten davon, dass Fingerhutblüten dem Elfenvolk als Kopfbedeckungen dienten.
Böse Feen sollen die Blüten einst als "Handschuhe" den Füchsen geschenkt haben, damit sie lautlos ihr Unwesen in den Hühnerställen treiben konnten. Die Zeichnung der Blüten stammt daher von den Fingerabdrücken dieser Feen.

Gartenpflanze

Gartenstaude mit ausgezeichneter Fernwirkung. Idealer Standort im sonnigen bis absonnigen Gehölzrand und zwischen locker wüchsigen Sträuchern. Nach der Blüte absterbende Arten können bedingt zum Weiterwachsen animiert werden, indem ihre Blütenstände unmittelbar nach dem Abblühen entfernt werden. Am besten werden die untersten Samenkapseln an der Pflanze belassen, um eine Selbstaussaat zu ermöglichen.

Gründüngung

In den Blättern des Fingerhutes sind neben den Giftstoffen auch Kalium, Eisen, Kalzium, Kieselerde sowie Magnesium zu finden. Die abgefallenen Blätter eignen sich daher zur Gründüngung von Kartoffeln, Tomaten aber auch Obstgehölzen. Wenn sich Fingerhüte auf den Baumscheiben von Obstbäumen ansiedeln, sieht es nicht nur dekorativ aus, sondern fördert ganz nebenbei das Wachstum und die Wuchsleistung der Bäume.

Lebenslauf

12. Jh. — Äußerliche Anwendung gegen Geschwüre und zur Wundheilung.
16. Jh. — Seit dem 16. Jahrhundert als Zierpflanze in Gärten zu finden.
1542 — Der deutsche Botaniker Leonhard Fuchs verwendet in seinem "New Kreuterbuch" den Namen Digitalis für den Fingerhut.
1775 — Der britische Arzt William Withering entdeckt die Herzwirksamkeit von Fingerhut-Auszügen.
1868 — Der Chemiker Nativelle isoliert den Wirkstoff.
2004 — Aufgrund neuer Untersuchungen von Molekularbiologen wird die Gattung Digitalis (Fingerhut) der Familie der Wegerichgewächse zugeordnet.

Verwendung in der Schulmedizin

Bereits im 18. Jahrhundert hat der englische Arzt William Withering exakte Dosierungsempfehlungen für Digitalis bei "Herzwassersucht" (Einlagerung von Wasser im Körper durch Herzschwäche) ausgearbeitet. Seine Dosierungsschemen waren sehr exakt und sind im Prinzip noch heute gültig. So hat Digitalis in der modernen Kardiologie immer noch seinen Stellenwert. Bei Herzrhythmusstörungen, die mit einer sehr schnellen Herzfrequenz verbunden sind, wird die frequenzsenkende Wirkung von Digitalis ausgenutzt.

Wie wirkt Digitalis?

Digitalis erhöht die Kontraktilität des Herzmuskels, d.h. der Muskel nimmt an Kraft zu. Bei manifester Herzschwäche kommt es so zu einer deutlichen Steigerung der Auswurfleistung. Übrigens tritt dieser Effekt nur beim geschädigten, nicht jedoch beim gesunden Herzmuskel auf, weshalb Gesunde nicht von Digitalis profitieren können, sondern allenfalls Nebenwirkungen erleiden. Als Doping-Mittel für Sportler (wegen der Herzkraftsteigerung) kommt es daher nicht in Frage. Gleichzeitig senkt Digitalis die Herzfrequenz herab. Das Herz schlägt dadurch langsamer und auch ökonomischer.

Dosierung

Der Dosisabstand zwischen segensreicher Wirkung und gefährlicher Vergiftung ist nur sehr klein. Bei Überdosierung sind daher Nebenwirkungen und sogar Vergiftungserscheinungen recht häufig.

Digitalispräparate haben eine sehr lange Halbwertszeit. Das ist diejenige Zeit, nach der die Hälfte des Mittels abgebaut ist. Digitalispräparate sind daher nur sehr träge steuerbar.

Informationen zum Ablauf und zu den Teilnahmemöglichkeiten

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Kontakt

Herr Masch

Botanischer Sondergarten

Bezirksamt Wandsbek / Management des öffentlichen Raumes