Kirschlorbeer

Giftpflanze des Jahres 2013

Der stark giftige +++ Kirschlorbeer wurde mit 252 Stimmen (35,9%) zur 9. Giftpflanze des Jahres gewählt.

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Kirschlorbeer
Kirschlorbeer Helge Masch

Inhaltsverzeichnis

Ausgang der Wahl

Platz 2: Passionsblume - Passiflora caerulea 25,6%
Platz 3: Gartenwicke - Latthyrus odoratus 20,9%
Platz 4: Tulpe - Tulipa sp. 17,6%

Kirschlorbeer

Die Giftstoffe befinden sich vor allem im Samen und in den frischen Blättern. Glücklicherweise sind schwere Vergiftungen sehr selten, da das Fruchtfleisch keine Giftstoffe enthält und die Samen beim Verzehr der Früchte in der Regel wieder ausgespuckt oder unversehrt verschluckt werden.

Woran man eine Vergiftung erkennt, wie der Kirschlorbeer sonst noch genannt wird und ob sich auch Tiere daran vergiften können, erfahren Sie beim Weiterlesen.

Vorkommen und Standort

Die Herkunft des Kirschlorbeers ist der südliche Balkan und Kleinasien. Das Gehölz ist ein beliebter Zierstrauch in Parks und Gärten. Seit einiger Zeit wird Kirschlorbeer als preiswerte Heckenpflanze in Gartencentern, Baumärkten und Lebensmitteldiscountern angeboten.

Giftigkeit

Die Saat und frische Blätter sehr giftig ++

Hauptwirkstoff

Prunasin — ein cyanogenes Glykosid

Dieses ist in den Saatkörnern und frischen Blättern enthalten. Beim Kauen der Samen oder beim Verzehr der Blätter entsteht im Magen die giftige Blausäure.

Vergiftungserscheinungen

Erregung, gerötetes Gesicht, beschleunigte Atmung, Kratzen im Hals, Kopfschmerzen, Atemstillstand, Herzstillstand.

Erste Hilfe

Beim geringsten Verdacht auf eine Vergiftung sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Tiere

Rinder - 0.5-1 kg Blätter/Tier
Schafe - 0.2 kg Blätter/Tier

Wird viel Pflanzenmaterial auf einmal aufgenommen und gleichzeitig gut zerkaut, liegt die tödliche Blausäuremenge bei 1-4 mg/kg Körpergewicht.

Name

Prunus: lat. = prunus, gr. = proûnos, proûmnos - Pflaumenbaum
laurocerasus - Lorbeerkirsche = laurus - Lorbeer und cerasus - Kirschbaum

Die Gattung Prunus enthält viele Arten.
Dazu gehören unter anderem:
Aprikosen, Kirschen, Mandeln, Pflaumen, Pfirsiche und der Schlehdorn

Weitere deutsche Namen:

Lorbeerkirsche, Zierlorbeer

Geschichte

Kirschlorbeer wurde im 16. Jahrhundert von Pierre Belon in Kleinasien gesehen und um 1570 von Clusius nach Wien gebracht.

Blüte

Blütezeit: April / Mai
Die zierlichen weißen Einzelblüten stehen in einer vielblütigen Traube - es lohnt sich, genauer hinzuschauen!

Winterhärte

Nicht alle Sorten sind sicher winterhart. Für folgende Sorten wird eine Winterhärte bis -24°C angegeben: ‘Cherry Brandy‘, ‘Herbergii‘ und ‘Otto Luyken‘.

Verwendung

Marmelade, Gelee, Trockenfrüchte

In der Türkei wird der Kirschlorbeer wegen seiner Früchte angebaut. Diese werden dort als Trockenfrüchte verzehrt. Das Fruchtfleisch kann auch zu Marmelade oder Gelee verarbeitet werden.
Beim Kochen werden die in der Saat enthaltenen Giftstoffe zerstört.

Restaurierung und Präparation

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts werden Blätter mit möglichst hohem Blausäuregehalt verwendet, um organisches Material aufzuweichen oder geschmeidig zu machen, ohne dabei Wasserschäden zu verursachen. So können z.B. getrocknete Insekten wieder beweglich gemacht werden, wenn sie einige Tage in einem geschlossenen Gefäß über den zerschnittenen Blättern aufbewahrt werden (Blätter täglich austauschen und direkten Kontakt vermeiden). Auch lange gefaltete Tücher, wie man sie aus Gräbern kennt, können auf diese Weise wieder geschmeidig gemacht werden. Die Methode wurde in den 1990er Jahren von Klaus Wechsler (Überseemuseum) wiederentdeckt.

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