Hinweis: Die Dokumentation zur Auftaktveranstaltung "Gutes Klima Wandsbek" steht zusätzlich auch als PDF zur Verfügung. Die PDF-Datei ist nicht barrierefrei.
Unter dem Motto „Klimaschutz in Wandsbeker Nachbarschaften aktiv gestalten" fand am 27. März 2019 im Wandsbeker Kulturschluss die Auftaktveranstaltung zur Entwicklung des Integrierten Klimaschutzkonzepts für den Bezirk Wandsbek statt. Auf Einladung des Bezirksamts Wandsbek waren alle Wandsbekerinnen und Wandsbeker eingeladen, ihre Ideen und Vorschläge, Wünsche und Befürchtungen für die Entwicklung und Umsetzung des Klimaschutzes in Wandsbek einzubringen.
Programm / Ablauf:
- Begrüßung
- Dr. Michael Rauterkus, Bezirksamt Wandsbek
- Dr.-Ing. Manuel Gottschick (OCF Consulting) - Klimaschutz in Wandsbek in der Umsetzung
- Wolfgang W. Springer (Springer Bio-Backwerk GmbH & Co. KG)
- Michael Liebert (Umweltzentrum Gut Karlshöhe) - Das IKK-Wandsbek entwickeln
- Werkstatt: Ihre Wünsche, Befürchtungen und Ideen
In der zweistündigen Veranstaltung haben rund 45 Teilnehmende aus Politik und Verwaltung, Unternehmen, Initiativen und Bevölkerung die Chancen und Möglichkeiten, aber auch Hindernisse und Herausforderungen für die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen im Bezirk Wandsbek gesammelt und diskutiert. Darüber hinaus haben mit Unternehmer Wolfgang W. Springer (Springer Bio-Backwerk GmbH & Co. KG) und dem Klimaschutzreferent Michael Liebert (Umweltzentrum Gut Karlshöhe) zwei in Wandsbek Aktive ihre Erfahrungen und Perspektiven ihrer Klimaschutzaktivitäten dargestellt.
Ideen und Vorschläge der Teilnehmenden
Die Teilnehmenden wurden aufgefordert, Ideen zum Klimaschutz zu notieren. Diese Sammlung wird hier unkommentiert dokumentiert und wird im nächsten Schritt von OCF fachlich geprüft. Anschließend wird eine Auswahl von den Ideen mit dem Bezirksamt diskutiert und vielversprechende Ideen werden für eine Maßnahmenentwicklung ausgewählt. Die Ideen beziehen sich zum Beispiel auf Stärkung des Radverkehrs, Förderung privaten Carsharings, klimafreundliche Energieversorgung. Zudem wurde gewünscht, Sport- und Bürgervereine im Bezirk sowie Initiativen, im weiteren Prozess zu beteiligen. Aber auch die Grenzen der Möglichkeiten des bezirklichen Klimaschutzes wurden angesprochen: Um Klimaschutzziele zu erreichen, seien gravierende Weichenstellungen auf internationaler sowie Bundes- und Landesebene erforderlich.
Konkret wurden folgende Ideen, Wünsche und Befürchtungen geäußert die hier unkommentiert und sortiert widergegeben werden:
Klimafreundliche Mobilität
- HVV-Taktzeiten bis in den Abend verbessern, um ÖPVN attraktiv zu gestalten
- Öffentlicher Nahverkehr günstiger / kostenlos gestalten
- Verkehrsmittel vernetzen; Rad im HVV mitnehmen
- PKW-Nutzung unattraktiver gestalten, zum Beispiel durch autofreie Sonntage, Umwandlung von Fahrspuren in Parkstreifen
- Privates Carsharing fördern, Carsharing flächendeckend anbieten, auch in den Außenbezirken, zum Beispiel Walddörfer Straße
- Ladestationen für E-Autos ausweiten
- Parkraummanagement
- City Maut und Parken bezahlen
- Sichere Schulwege (Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen); Schüler über Schulen stärker motivieren, den Schulweg zu Fuß / mit dem Fahrrad zurückzulegen; Parkraum an Schulen stärker begrenzen; „MitRadGelegenheiten“ an Schulen etablieren, um Auto-Bringverkehr zu reduzieren; Halteverbot und Poller im Nahbereich von Schulen
- Vernetztes Arbeiten @home statt Mobilität
- Mehr Tempo-30-Zonen
- Mehr Flächen für Fuß- und Fahrradwege; beleuchtete Fußwege
Darunter: Stärkung des Radverkehrs
- Verbesserung der Fahrradinfrastruktur, Beispiel: Walddörfer Straße
- Besseres Radwegekonzept, „Protected Bike Lanes“, Fahrradständer an Bushaltestellen
- Ausweitung des StadtRad-Angebots, auch abseits der Bahnhöfe
- Nachbesserung der Velorouten
- Benutzbare Fahrradwege, die Fahrradfahrerinnen/Fahrradfahrer akzeptieren können
- Sichere Fahrradwege (oft genannt)
- Abschließbare Fahrradcontainer an der S-Bahn Friedrichsberg, direkt neben der StadtRad-Station
Neubau
- Nachhaltige Wandsbeker Richtlinien für Neubauprojekte
- Baugenehmigungen nur mit Photovoltaik und Speicher, Solarthermie, CO2-neutraler Wärmeversorgung (Wärmepumpe, Brennstoffzelle)
- Mindestanforderungen für Neubau: KfW-40 plus Solar und plus Gründach bei Flachdächern
- Autofreie Wohnquartiere
- Aus Best-Practice-Beispielen lernen (Oslo, Kopenhagen)
- Modellsiedlung „THG-frei“ bis 2021 aufbauen
- Klimafreundliche Technologien für die Energieerzeugung nutzen (Power2Heat, Power2Gas, Power2Liquid, SmartGrid / Lastenmanagement, dezentrale Speicher, Smart City zum Beispiel Ampelsteuerung; mehr Solarthermie)
- Kleinwindkraftanlagen für Häuser testen
- Im Neubau nur Passiv- und E-Häuser (städtische Gebäude, Gewerbe und Wohnen)
- Im Neubau weniger Parkplätze ausweisen; nicht direkt vor dem Haus; dafür breite Fuß- und Radwege planen
- Verkehrsvermeidung durch Nutzungsmischung (Wohnen, Gewerbe, Freizeit)
#Umbr
Energieeffizienz und Energieerzeugung von Gebäuden
- CO2-neutrale Heizungen, zum Beispiel Wärmepumpen oder Brennstoffzellen nutzen
- Blockheizkraftwerke
- Bessere Förderung für Privatpersonen bei der Nutzung von CO2-neutralen Heizungen sowie Photovoltaik
- Ausleihbare Infrarotkameras für Bürgerinnen und Bürger, um Wärmeverluste von Gebäuden zu erfassen
- PV-Nachrüstprogramme für Bestandsgebäude
- Information und Hilfe zu Förderprogrammen und Umbau
Grünflächenerhalt
- Einsatz für den Erhalt Wandsbeker Grünflächen (beispielsweise im Wandsbeker Gehölz); Aufwertung Wandsbeker Grünflächen (Vielfalt)
- Stopp der Grünflächenversiegelung, Erhalt von Klima- und Landschaftsachsen
- Neubauten nur noch in die Höhe (nicht in die Breite) und über Parkplatzflächen
- Pestizidfreies Wandsbek (Wald, Garten, Landwirtschaft) bis 2022
- Mehr Grünfläche je Baum: dafür Parkplätze zurückbauen, begrünen, baulich abgrenzen (Poller)
- Schaffung von Retentionsflächen: zum Beispiel Wiesen zur Retention von Starkregen mit positiven Effekten für das Grundwasser und Stadtklima
- Infragestellung der Berechnungen zur Ausweisung von Überschwemmungsgebieten in Wohngebieten, Beispiel: entlang der Berner Au; schwierige und frustrierende Bürgerbeteiligung vor Ort
- Anpassung des Abwasserkonzeptes an eine wachsende Stadt
Konsum
- Vegetarisches Angebot in Kantinen fördern
- größeres Angebot an nachhaltigen Restaurants im Bezirk; Stadtplan für vegetarische / vegane Restaurants veröffentlichen
- Reduktion von Verpackungen: Plastik von Lieferdiensten und Fast Food Ständen reduzieren, Essen „to go“ bislang nur in Plastikgefäßen
- Unverpacktladen Wandsbek
- Wasserspender (kostenfrei und öffentlich zugänglich)
- Bewusster Umgang mit Ressourcen; Tausch- und Reparaturkonzepte fördern
- Nachhaltige Verpackungen im Alltag
- Mehr Eigenverantwortung
- Klimaschutz auf den Lehrplan der Schulen (4. bis 13. Klasse); Schulprojekte zur Klimaneutralität
- Urban Gardening und regionale Versorgung fördern
- Pilotprojekte für regionales Wirtschaften
Behördliche Zuständigkeiten
- Behördliche Zuständigkeiten für Themen transparent darstellen; Themen nicht hin- und herschieben
- Wichtige Anliegen müssen viele Fachbehörden einbeziehen; Zuständigkeiten sind uneindeutig und widersprüchlich; verhindern Lösungen
- Alle Pläne und Maßnahmen am 1,5-Grad-Ziel ausrichten
- Nachhaltiges Beschaffungswesen in der Verwaltung
- Nachhaltiges Recycling in der Verwaltung
- Strom aus erneuerbaren Energien für alle öffentlichen Gebäude und ÖPNV
- Öffentliche Gebäude mit Photovoltaikanlagen und Stromspeicher ausstatten
- Bewegungsmelder für öffentliche Gebäude (zum Beispiel Toilettenhäuser)
- Solarstraßenbeleuchtung, wo dies möglich ist
- Nutzung behördlicher E-Fahrzeuge ab 2020 (mit Photovoltaik-Strom geladen; von der Firma Sono Motors)
Prozess der Konzeptentwicklung
- Aktionstage, zum Beispiel Müllsammelspendenlauf; Wettbewerbe für klimagerechteste Schule / Gewerbe / Familie et cetera
- Einbezug von Bürger- und Sportvereinen; VHS in Stadtteilen vor Ort; Bauspielplätze Farmsen und Berne als Ansatzpunkte (hohe Besucherzahlen); Bürgervereine Oldenfelde und Farmsen sind aktiv und engagiert
- Online-Beteiligung nutzen
- Wissen von Vereinen und Verbänden nutzen
- Altersdurchschnitt der Teilnehmenden bei Klimaschutzveranstaltungen /-werkstätten senken
- Junge Leute ansprechen und einbinden (Vereine, Schulen); Schulen und Jugendeinrichtungen mitnehmen
- Förderung ökologischen Engagements zum Beispiel über Aktivoli Wandsbek
- Nebenan.de und Bürgerhaus Meiendorf einbinden
Wünsche und Forderungen an die Politik
- In die Zukunft schauen; dann machen statt reden
- Fluglärm reduzieren, Nachtruhe einhalten
- Keine „wachsende Stadt“, sondern „wachsende Lebensqualität“
- Klimaschädliche Subventionen streichen
- Subventionen für Straßeninfrastruktur nur für Autos streichen; Zuschüsse und Investitionen pro Verkehrsleitung (nicht pro Auto)
- Belohnung statt Bestrafung beim Klimawandel, Anreize für mehr Klimaschutz schaffen
- Einen breiten Konsens in der Bevölkerung zum Klimawandel schaffen
Befürchtungen
- Verbote
- Wichtige Anliegen müssen viele Fachbehörden einbeziehen
- Mitmachfalle für Bürger*innen, mit der sich die Politik rechtfertigt; viel Mitmachen jedoch keine Mitentscheidung möglich
- Umweltfreundliches Handeln darf gegenüber Klimaschutz nicht benachteiligt werden (Luft, Lärm, Wald)
- Einfluss und Entscheidung weißer, reicher Männer
- Rassismus und Sexismus
- Verantwortlichkeit wird dem Individuum zugeschoben, ohne dass das Konzept alle Ebenen berücksichtigt
- Zu langsame Reaktion, Anstrengungen für umfassenden Klimaschutz reichen nicht aus
- Klimaschutz gilt als Verhinderer von Wohlstand und Wachstum
- Viele Überlegungen, aber keine Umsetzung (Konzept nur geduldiges Papier), konkrete Maßnahmenumsetzung fehlt
- Wahlkampfaktionen ohne Folgen
- Bezirksamt ist beim Budget abhängig vom Senat
- Das Bezirksamt ist nicht dauerhaft in Führung beim Klimaschutz im Bezirk
- Bürgerbeteiligung wird bei Ausweisung von Überschwemmungsgebieten ausgebremst
- Herkunft von Rohstoffen für Energieerzeugung, Monokulturen auf Feldern
Wie geht es weiter?
Mit der offiziellen Auftaktveranstaltung geht die Entwicklung des Integrierten Klimaschutzkonzepts für den Bezirk Wandsbek jetzt los. In den nächsten Monaten werden die vielfältigen Stadtteile Wandsbeks auf der Suche nach Klimaschutzpotenzialen analysiert: Wo ergeben sich Möglichkeiten, im Rahmen von Neuplanungen, Sanierung und Konversion Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen? Wo und in welchen Bereichen sind die Wandsbekerinnen und Wandsbeker in Sachen Klimaschutz bereits aktiv? Wie können sie zukünftig dabei unterstützt werden? Wo und wie kann im Kleinen – etwa durch attraktive Fahrradabstellmöglichkeiten, E- Lastenräder, neue StadtRad-Stationen – die klimafreundliche Mobilität noch einfacher und besser werden?
Um diese und weitere Fragen zu beantworten, wird das Bearbeitungsteam in den nächsten Monaten in den Wandsbeker Stadtteilen vor Ort aktiv sein. In Zusammenarbeit mit Stadtteil- und Kultureinrichtungen, Vereinen und Verbänden werden Möglichkeiten für die Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen in Wandsbeker Nachbarschaften gesucht und entwickelt. Ideen und Vorschläge, aber auch Hinweise zu Herausforderungen und Stolpersteinen sind herzlich willkommen. Das Projektteam freut sich über Ihre Kontaktaufnahme.
OCF Consulting
Osterstraße 124, 20255 Hamburg
Telefon: 040 4664-2440
E-Mail: gutesklima.wandsbek@ocfc.de
Internet: www.hamburg.de/wandsbek/klimaschutz/