Aufarbeitung der eigenen Geschichte
Mit der Ausstellung „Kultur unter Kontrolle – die Rolle der Hamburger Kultur im Nationalsozialismus“ wird vom 5. Februar bis zum 10. März 2026 in der Diele des Hamburger Rathauses gezeigt, wie eng Kultur, Politik und Verwaltung zwischen 1933 und 1945 miteinander verflochten waren. Die Ausstellung ist öffentlich zugänglich und lädt Besucher*innen dazu ein, sich mit einem bislang wenig beleuchteten Kapitel Hamburger Geschichte auseinanderzusetzen.
Ausgangspunkt der Ausstellung ist ein zweijähriges Forschungsprojekt, das von der Behörde für Kultur und Medien Hamburg finanziert und von der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen umgesetzt wurde. Im Fokus steht die Frage, welche Rolle Kultur und Kulturverwaltung im nationalsozialistischen Hamburg spielten – und wie Institutionen auf die Machtübernahme der Nationalsozialisten reagierten.
Das Projekt ist ein wichtiger Beitrag zu einer verantwortungsvollen Erinnerungskultur in Hamburg. Die Ausstellung zeigt, dass die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit nicht abgeschlossen ist – und dass die Freiheit von Kunst und Kultur eine demokratische Errungenschaft ist, die immer wieder verteidigt werden muss.
Von kultureller Vielfalt zur Gleichschaltung
Vor 1933 war Hamburg geprägt von einem vielfältigen und lebendigen Kulturleben. Museen präsentierten moderne Kunst, Theater und Opern experimentierten mit neuen Formen, Kinos, Konzerte und Tanzlokale entfalteten sich. Mit der Machtübertragung an die Nationalsozialisten änderte sich dies grundlegend: Kultur wurde systematisch gleichgeschaltet und unter die Kontrolle der 1933 neu geschaffenen Kulturverwaltung gestellt. Demokratische Mitwirkungsstrukturen wurden abgeschafft, künstlerische Freiheit eingeschränkt und Kultur zunehmend als Instrument nationalsozialistischer Propaganda genutzt.
Die Ausstellung zeigt anhand von Beispielen aus Museen, Theatern, Bücherhallen, der Hochschule für Bildende Künste und weiteren Einrichtungen, wie sich Institutionen anpassten, Teil der NS-Propagandamaschinerie wurden oder an Verfolgungsmaßnahmen mitwirkten.
Zugleich macht sie Biografien verfolgter Künstler*innen sichtbar und thematisiert auch Formen verdeckter Auflehnung und Widerstands. Damit benennt die Ausstellung sowohl Täterstrukturen als auch Opfer der nationalsozialistischen Kulturpolitik. Vorgestellt werden unter anderem die Biografien der Musiker Conrad Löwenherz (1896–1943) und Hugo Franz (1913–2001).
Für die Ausstellung haben zehn Hamburger Kulturinstitutionen ihre Archive geöffnet und sich systematisch mit ihrer eigenen NS-Geschichte auseinandergesetzt. Unterstützt wurde das Projekt unter anderem von der Hamburgischen Staatsoper, dem Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg und der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg.
Teil des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus
Als Teil des jährlichen Gedenkens der Hamburgischen Bürgerschaft an die Opfer des Nationalsozialismus rund um den 27. Januar wird die Ausstellung von einem umfangreichen Programm begleitet. Es gibt zum Beispiel verschiedene Veranstaltungen mit der Ausstellungskuratorin Gisela Ewe, Rundgänge über das Kampnagel-Gelände, Filmvorführungen, Vorträge und Führungen.
Öffnungszeiten der Ausstellung
Termin und Ort: 5. Februar bis 10. März 2026, Diele des Hamburger Rathauses
Montag bis Freitag: 7 bis 19 Uhr
Samstag: 10 bis 18 Uhr
Sonntag :10 bis 17 Uhr
Hinweis: Vom 4. März (abends) bis voraussichtlich 7. März (abends) ist die Ausstellung nicht zugänglich.
Besucherservice und Katalogverkauf:
Montag bis Freitag: 10 bis 18 Uhr
Samstag: 10 bis 14 Uhr
Sonntag: 11 bis 14 Uhr