Thema Souveränität der EU

Matthiae Mahl 2026

Die Souveränität der Europäischen Union in der geopolitischen Zeitenwende standen am Freitag Abend im Mittelpunkt des Matthiae Mahls im Hamburger Rathaus. Die Ehrengäste waren Bundeskanzlerin a. D. Dr. Angela Merkel sowie der Präsident des Europäischen Rates, António Costa.

  • Senatskanzlei
Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher (links) mit den beiden Ehrtengästen Dr. Angela Merkerl und António Costa.
Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher (links) mit den beiden Ehrtengästen Dr. Angela Merkerl und António Costa. Senatskanzlei

Rund 400 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Gesellschaft waren der Einladung ins Hamburger Rathaus gefolgt. Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher empfing die Ehrengäste traditionell auf dem sogenannten Spiegel. Vor dem Festmahl trugen sich Angela Merkel und António Costa in das Goldene Buch der Stadt ein. Das eigentliche Festmahl begann dann mit dem Einzug der Ehrengäste an den Haupttisch.

Im Mittelpunkt des Festmahls, das seit 1356 historisch belegt und damit das älteste noch begangene Festmahl der Welt ist, standen werden die Reden des Ersten Bürgermeisters sowie der beiden Ehrengäste stehen.

Tschentscher: Starke Gemeinschaft gleichgesinnter Partner

Die Mission der Hanse - Ursprung des Matthiae Mahls - ging weit über den eigenen Profit hinaus, sagte Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher in seiner Eröffnungsrede. Der Städtebund stand für die Überzeugung, dass Wohlstand und Sicherheit, Frieden und Freiheit am besten in einer starken Gemeinschaft gleichgesinnter Partner erreicht werden könne. Diese Werte der Hanse seien auch Grundlage der Europäischen Union, dem mit 450 Millionen Menschen zweitgrößten Wirtschaftsraum der Welt nach den USA.

Die Freie und Hansestadt Hamburg stehe ihrer Verfassung nach in der Tradition dieser Überzeugung. Sie sei im "im Geiste des Friedens" eine Mittlerin zwischen allen Erdteilen und Völkern der Welt. Als Weltstadt leiste die Stadt ihren Beitrag zu einer starken und demokratischen Europäischen Union. "Hamburg hat nicht nur Interesse an einem starken, souveränen Europa, sondern ist auch bereit, seine Kompetenzen und Stärken einzubringen", sagte der Bürgermeister.

Verlässliche Partnerschaften

Es sei das hanseatische Prinzip ehrbarer Kaufleute, das jedes Geschäftsmodell und jede wirtschaftliche Beziehung auch an moralischen Maßstäben der Fairness und Nachhaltigkeit beurteile. Freier Handel auf Augenhöhe führe zu Wertschöpfung, wirtschaftlicher Entwicklung und Wohlstand aller Beteiligten. „Was wir nicht so gerne mögen, sind protektionistische Tendenzen und die aktuelle US-Zollpolitik“, betonte Tschentscher.

Doch den Hamburger Unternehmen sei es nach den Zollbeschränkungen der USA gelungen, den Einbruch im US-Geschäft um über 60 Prozent sogar mehr als zu kompensieren. Die Exporte nach Asien, Afrika, Australien und in andere europäische Länder seien deutlich gestiegen. Die Botschaft für Europa sei: "Wir sind bereit und in der Lage, unsere Außenwirtschaft durch neue Handelsabkommen zu diversifizieren und uns neben China und den USA neue Märkte und starke Partner zu erschließen."

Man brauche verlässliche Partnerschaften und breit aufgestellte ökonomische Beziehungen, um globalen Handelskonflikten standhalten zu können und Europas Wettbewerbsfähigkeit und Souveränität zu stärken. Die Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten und Indien sowie die Partnerschaft Hamburgs mit Kanada seien gute Beispiele dafür, "wie Europa seinen Weg in die Zukunft gestalten kann."

Costa: Europa - Projekt zur Förderung von Frieden und Wohlstand

Präsident Antonio Costa würdigte in seiner Rede Hamburg als eine der führenden Städte Europas. Ihr beeindruckender Hafen sei "ein weltoffener Handelsplatz, der vorangeht, ergänzt durch erfolgreiche Industrie, Wissens- und Innovationszentren und eine blühende Start-up-Szene.“ Die Stadt spiegele mit ihrer Geschichte die Seele Europas wider. Sie sei aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs auferstanden und sei heute "weltoffen, lebendig und eine Brücke zur Welt."

Hamburg verkörpere einen Geist der Einheit und Solidarität. Europa sei in diesem Sinne ein "Projekt zur Förderung von Frieden und Wohlstand." Im Zentrum stehe das gemeinsame Bekenntnis zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenwürde. Das mache die EU so attraktiv, dass weitere Staaten beitreten wollten.

Bei der aktuellen geopolitischen Lage in der Welt seien diese Werte noch bedeutender als früher. Die EU werde stets eine internationale, auf Regeln basierende Ordnung verteidigen, die im Völkerrecht und in den Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen verankert sei. "Die Alternative ist Chaos und Gewalt", sagte Costa. Man könne daher Verstöße gegen das Völkerrecht wie in der Ukraine, Grönland, Lateinamerika, Afrika oder im Gazastreifen nicht hinnehmen.

"Frieden ohne Verteidigung ist eine Illusion"

Die EU sei ein Projekt der "Versöhnung und des Friedens." Aber Frieden ohne Verteidigung sei eine Illusion. Mit Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine habe sich Europa verändert. Russlands Imperialismus bedrohe die Sicherheit Europa. Die EU unterstütze die Ukraine daher auf vielen Ebenen in ihrem Kampf gegen Russland, denn "die Sicherheit der Ukraine ist die Sicherheit Europa", betonte der Präsident. Die Erweiterung der EU in die Ukraine, Moldavien und die Staaten des Westbalkans sei die beste geopolitische Investition für Frieden und Wohlstand.

Der Binnenmarkt – ein Kronjuwel

Der gemeinsame Binnenmarkt der EU ist für Costa ein "Kronjuwel". Die Gemeinschaft der 27 Mitgliedsländer habe gemeinsam mittlerweile ein umfangreiches Netzwerk von Handelsabkommen aufgebaut, das schon 80 Länder umfasse. Mit dem Mercosur Abkommen und dem neuen Abkommen mit Indien seien zwei bahnbrechende Vereinbarungen hinzugekommen. Anstatt auf Zölle setze die EU auf Partnerschaft. Man schaffe so gemeinsam Wohlstand für die Bürgerinnen und Bürger der EU sowie die der der Partnerregionen.

"Hier in Hamburg, einem alten europäischen Tor zur Welt, werden wir an die anhaltende Stärke der Union erinnert", schloss Costa den Kreis zur Hansestadt Hamburg. Und diesen Weg der Partnerschaft für Wohlstand, Frieden und Menschenwürde werde die EU weitergehen. Dafür sei die EU gegründet worden. Und dafür werde sie weiter kämpfen.

Ehrengäste

Angela Merkel hat als Bundeskanzlerin die jüngere Entwicklung Deutschlands entscheidend geprägt. Auch international genießt sie hohe Anerkennung. Merkel übernahm eine zentrale Rolle in der Bewältigung der europäischen Schuldenkrise in den 2010er Jahren. Während der Flüchtlingsbewegungen ab 2015 gab sie wichtige Impulse für gemeinsame europäische Lösungen und humanitäre Verantwortung. Als pragmatische Vermittlerin zwischen unterschiedlichen Interessen der Mitgliedstaaten trug sie entscheidend dazu bei, die EU handlungsfähig und zusammenzuhalten.

António Costa ist seit dem 1. Dezember 2024 Präsident des Europäischen Rates. Er leitet die Tagungen des Europäischen Rates und gibt die politische Richtung für die Arbeit der Staats- und Regierungschefs der EU-27 vor. Seit Beginn seiner Amtszeit hat Präsident Costa starke Impulse für eine autonomere EU gegeben, insbesondere für die europäische Verteidigungsfähigkeit und die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit. Zugleich arbeitet er eng mit internationalen Partnern zusammen, um wirtschaftlichen Wohlstand, Frieden, Sicherheit sowie eine faire und regelbasierte internationale Ordnung zu fördern. Als Ministerpräsident Portugals (2015-2024) und Bürgermeister von Lissabon (2007-2015) prägte Costa die Politik auf regionaler, nationaler und europäischer Ebene.

Matthiae Mahl 2026: Reden

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Reden des Ersten Bürgermeisters Dr. Peter Tschentscher sowie der beiden Ehrengäste Bundeskanzlerin a. D. Dr. Angela Merkel sowie der Präsident des Europäischen Rates, António Costa. Senatskanzlei

Matthiae Mahl 2026: Reden in Deutscher Gebärdensprache

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Reden des Ersten Bürgermeisters Dr. Peter Tschentscher sowie der beiden Ehrengäste Bundeskanzlerin a. D. Dr. Angela Merkel sowie der Präsident des Europäischen Rates, António Costa in Deutscher Gebärdensprache. Senatskanzlei

Hintergrund

Durch die Freihandelsabkommen mit den MERCOSUR-Staaten sowie mit Indien kann die Europäische Union ihre weltweiten Wirtschaftsbeziehungen entscheidend ausbauen, einseitige wirtschaftliche Abhängigkeiten verringern und dadurch ihre Resilienz stärken. Mit 450 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern und hoch entwickelten Märkten ist die EU eine wirtschaftliche Supermacht. Als internationale Handelsstadt, bedeutender Industriestandort und Zentrum für Wissenschaft und Forschung trägt Hamburg in besonderem Maße zu einer starken Europäischen Union bei. 

Das Matthiae Mahl 2026 soll einen Impuls setzen in der Diskussion über ein modernes und geeintes Europa, das sich geopolitisch und wirtschaftlich einem zunehmenden Druck der Weltmächte gegenübersieht.

Über das Matthiae-Mahl

Das Matthiae-Mahl ist seit 1356 historisch belegt und damit das älteste noch begangene Festmahl der Welt. Der Senat lädt traditionell rund 400 Repräsentanten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur sowie das gesamte Konsularische Korps ein. Ein ausländischer und ein deutscher Ehrengast sprechen neben dem Ersten Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg zu den Gästen.

Zum Weiterlesen

Matthiae Mahl 2026

Musik

Es spielt das Jewish Chamber Orchestra Hamburg; Leitung Emanuel Meshvinski.

Matthiae Mahl 2026

Menü

Das Menü ist bis zum Beginn des Mahls ein streng gehütetes Geheimnis.

Rund 40 Silber-Aufsätze zieren die Tische
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Matthiae Mahl 2026

Zahlen und Fakten

142 Meter sind die Festtafeln insgesamt lang. Wissenswertes rund um das Matthiae Mahl.