4. November 2025

Senatsempfang 100 Jahre Caritasverband für Hamburg

Rede des Ersten Bürgermeisters Dr. Peter Tschentscher. Es gilt das gesprochene Wort.

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Senatskanzlei Hamburg

Sehr geehrte Frau Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft,
sehr geehrte Frau Welskop-Deffaa,
Herr Timmermann,
Herr Spriewald,
Herr Erzbischof,
Frau Generalkonsulin,
sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich willkommen im Rathaus zum Senatsempfang anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Hamburger Caritasverbandes.

Nach dem Grundsatz „Not sehen und handeln“ unterstützt die Caritas seit Jahrhunderten arme und hilfsbedürftige Menschen auf der ganzen Welt.

Der Begriff „Caritas“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet „Nächstenliebe“. Caritas bezeichnet eine Grundhaltung gegenüber den Menschen, besonders gegenüber Menschen in Not, denen Christinnen und Christen mit Respekt und Hilfsbereitschaft begegnen sollen.

In Hamburg lassen sich erste Aktivitäten im Sinne der Caritas als christliche Nächstenliebe bis in das 9. Jahrhundert zurückverfolgen. Damals lebte und wirkte in Hamburg Bischof Ansgar, der auf dem Wandbild links in diesem Saal übrigens bei der Segnung heidnischer Hamburger zu sehen ist.

Kranke und Hungernde, Waisen und Obdachlose fanden in den wohltätigen, kirchlich geprägten Einrichtungen Hamburgs schon früh Zuflucht und Unterstützung.

Mit der Gründung des „Caritasverbands für Hamburg“ im Dezember 1925 wurde das soziale Engagement der katholischen Kirche und der Gläubigen in unserer Stadt unter einem Dach organisatorisch gebündelt.

Dies erfolgte in einer unruhigen Zeit:

In der Weimarer Republik kämpfte man in Deutschland mit den wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Ersten Weltkriegs. Armut, Unsicherheit und politische Gewalt prägten auch in Hamburg den Alltag.

Die Hyperinflation von 1922/23 hatte die Ersparnisse vieler Menschen vernichtet. Im gesamten Deutschen Reich herrschte hohe Arbeitslosigkeit. Hamburg hatte zu dieser Zeit bereits über eine Million Einwohner, von denen 30.000 als wohnungssuchend gemeldet waren – darunter viele Familien mit Kindern.

Mitte der 1920er Jahre stabilisierte sich die Wirtschaft und die Politik brachte Reformen auf den Weg: bei der Arbeitszeit, im Wohnungswesen, mit der Sozialversicherung und beim Zugang zu Bildung und Ausbildung.

Aber die Not breiter Bevölkerungsschichten ließ sich nicht von heute auf morgen beenden.

Der Staat begann in dieser Zeit, die Organisationen der Freien Wohlfahrtspflege in die öffentliche Sozialpolitik einzubinden. Denn sie waren dort tätig, wo staatliche Angebote und Strukturen nicht ausreichten und Menschen drohten – bildlich gesprochen – durchs Raster zu fallen.

Dazu gehörte auch der neu gegründete Hamburger Caritasverband, der bei der Versorgung Bedürftiger und Notleidender in unserer Stadt seitdem eine tragende Rolle spielt.

Als Hafen- und Handelsmetropole hat Hamburg schon immer Menschen von nah und fern angezogen, die hier ihr Glück finden oder von hier aus in die Welt aufbrechen wollten.

Heute leben in Hamburg fast zwei Millionen Menschen aus über 180 Nationen.

Doch auch wenn die sozialstaatlichen und sonstigen Hilfs- und Unterstützungsangebote wesentlich umfassender sind als vor 100 Jahren:

In vielen schwierigen Situationen ist die Caritas in Hamburg weiterhin eine wichtige und vor allem niedrigschwellige Anlaufstelle.

Ihre Themen sind so vielfältig wie das Leben selbst. Die Caritas ist aktiv in der Pflege, in der Obdachlosenhilfe und Flüchtlingsintegration. Sie unterstützt Kinder, Jugendliche, Senioren und Familien, übernimmt Schuldnerberatung und Telefonseelsorge.

Die Caritas bietet praktische Unterstützung und Beratung für Menschen in allen Lebenslagen und in jedem Alter, unabhängig von ihrer Nationalität, ihrer Religion oder ihrem rechtlichen Status.

Darüber hinaus ist der Hamburger Caritasverband ein wichtiger Partner in der Förderung von freiwilligem Engagement und dem Ehrenamt in unserer Stadt.

Bürgerschaftliches Engagement hat in Hamburg eine lange Tradition. Heute ist in Hamburg jede Dritte und jeder Dritte ehrenamtlich aktiv.

Der Caritasverband unterstützt die hohe Engagement-Bereitschaft auf besondere Weise. Er beschäftigt selbst rund 600 Ehrenamtliche und sammelt Spenden für verschiedene Projekte und Einrichtungen.

Gemeinsam mit dem Erzbistum Hamburg hat der Caritasverband 1997 das „Freiwilligenzentrum Hamburg“ gegründet – die erste Freiwilligenagentur in unserer Stadt, die bis heute als Freiwilligenagentur Hamburg-Mitte „mittig engagiert“ fortbesteht.

Nicht zuletzt ist der Caritasverband als Mitgründer und Unterstützer auch am AKTIVOLI-Landesnetzwerk beteiligt, das Engagement und Ehrenamt in Hamburg koordiniert.

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas in Hamburg und Norddeutschland,

seit 100 Jahren ist die Caritas ein wichtiger Partner für die Sozialpolitik des Senats und eine starke Kraft zur Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen in der Freien und Hansestadt Hamburg.

Auch politisch macht sich die Caritas stark für Menschen, die selbst nicht die Kraft oder die Möglichkeiten haben, auf sich, auf ihre Bedürfnisse und ihre Themen aufmerksam zu machen.

Rund 2.800 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 180 Einrichtungen leisten die Arbeit der Caritas in Hamburg und in Norddeutschland – wie seit Jahrhunderten nach dem christlichen Grundsatz „Not sehen und handeln“.

Dafür gebührt Ihnen Respekt und Anerkennung.

Im Namen des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg danke ich Ihnen sehr herzlich für Ihr Engagement und Ihre Arbeit. Ich gratuliere dem Hamburger Caritasverband sehr herzlich zum 100-jährigen Jubiläum und wünsche für die Zukunft weiterhin alles Gute.

Vielen Dank.

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