25. November 2025

75 Jahre Unternehmensverband Hafen Hamburg

25. November 2025

Rede des Ersten Bürgermeisters Dr. Peter Tschentscher im Speicherstadt-Hotel Ameron . Es gilt das gesprochene Wort.

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Foto: Rede Unternehmensverband Hafen Hamburg
Foto: Rede Unternehmensverband Hafen Hamburg Senatskanzlei Hamburg

Sehr geehrter Herr Fabian,
Herr Zurke,
Herr Meier,
Abgeordnete,
sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank für die Einladung zur Mitgliederversammlung und vor allem zum 75. Jubiläum des Unternehmensverbandes Hafen Hamburg.

Seit 75 Jahren vertritt der Verband die Interessen der Unternehmen im Hamburger Hafen und setzt damit wichtige Impulse für die mediale und politische Diskussion über die Bedeutung, die Entwicklung und die Förderung des größten deutschen Seehafens. 

Die Idee, der Hafenentwicklung von der Unternehmerseite Schub zu verleihen, lässt sich über 150 Jahre zurückverfolgen: Mit dem Verein Hamburg-Altonaer Ewerführerbaase e.V. wurde 1874 der erste bekannte Fachverein im Hamburger Hafen gegründet. In den folgenden Jahrzehnten folgten viel weitere Vereine und Verbände, die sich der Interessensvertretung und Förderung von Geschäftsfeldern widmeten, die sich im Hafen eröffneten. 

Die Nationalsozialisten führten diese Vereine und Verbände 1935 zwangsweise zu einer Arbeitsgemeinschaft der Hamburger Hafen-Fachvereine zusammen, um ihre Vielstimmigkeit gleichzuschalten und kontrollieren zu können. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Vereinigung neu gegründet und 1950 ins Vereinsregister eingetragen – diesmal rein aus ihrer eigenen unternehmerischen Interessenlage. 

In der Nachkriegszeit ging es vor allem um den Wiederaufbau des Hafens und der Infrastruktur, der zügig vorangetrieben wurde. Bis 1953 hatte die Stadt bereits umgerechnet 115 Mio. Euro in den Wiederaufbau investiert, nicht zuletzt auf Betreiben des Verbands.

In den 60er Jahren kamen die ersten Container in die Welt der Häfen. Sie veränderten die Art und Weise des Transports zahlreicher Waren und erhöhten die Effizienz der maritimen Logistik insgesamt. Anfangs wurden die neuen Transportboxen nur vereinzelt als zusätzliche Decksladung umgeschlagen. 

Doch die Politik – der damalige Bürgermeister Weichmann und sein Hafensenator Kern – erkannten die Tragweite der Entwicklung, und 1968 machte das erste Vollcontainerschiff, die „American Lancer“, in Hamburg am neuen Containerterminal Burchardkai fest. 

Genau in diesem Jahr gab sich der Verband seinen heutigen Namen „Unternehmensverband Hafen Hamburg“ und seine heutige Struktur. 

Die Stadt und der Verband waren sich seit seiner Gründung einig: Hamburgs Wirtschaft und Wohlstand sind eng mit der Hafenentwicklung verbunden – und diese Erkenntnis gilt bis heute. Viele Branchen und Unternehmen haben sich deshalb in Hamburg etabliert, weil wir mit unserem großen Seehafen eine hervorragende Logistik und Anbindung an die internationalen Märkte bieten können. 

Ein gutes Beispiel dafür ist das Airbus-Werk, das es in Hamburg nur gibt, weil es den Hafen gibt. Mit Airbus, Lufthansa Technik und vielen weiteren kleinen und großen Unternehmen im sogenannten Aviation Cluster ist Hamburg mittlerweile zum weltweit drittgrößten Standort der zivilen Luftfahrt geworden. 

Der Hafen ist daher nicht nur Zentrum der maritimen Logistik, er ist auch zum größten zusammenhängende Industriegebiet Deutschlands geworden.

Mit anderen Worten: Die Hamburger Wirtschaft ist geprägt von einem breiten Branchenmix – es gibt in Hamburg alles, was es gibt, außer Bergbau - aber eben auch von einer starken industriellen Komponente mit internationaler Vernetzung.

2024 wurden von Hamburger Unternehmen Waren im Wert von 74 Milliarden Euro importiert und Waren im Wert von über 55 Milliarden Euro ausgeführt. Diese Zahlen beschreiben die Bedeutung des Außenhandels und damit des Hafens für Hamburg und die Entwicklung unserer Wirtschaft. 

Neben Handel und Industrie ist die Logistik selbst – also die Hafenbetriebe im engeren Sinne, die Reedereien, Terminalgesellschaften, Spediteure – eine Branche mit hoher Wertschöpfung und Zehntausenden Beschäftigten, die dafür sorgt, dass Waren sicher, pünktlich und effizient transportiert werden und dort ankommen, wo sie benötigt werden.

„Wir dienen Deutschland“, das ist ein Slogan der Bundeswehr, der auch für den Hamburger Hafen gilt. Wir verbinden die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt mit den internationalen Märkten – effizient, klimafreundlich und sicher. 

Wir sind der Hafen Bayerns, der Hafen von Berlin, von Brandenburg und vieler weiterer Zielgebiete, die wir nicht nur über die Straße, sondern auch über die Binnenschifffahrtswege und vor allem über die Bahn hervorragend anbinden.

Um es pathetisch zu sagen: Der Hamburger Hafen ist von nationaler Bedeutung für die Sicherheit und Unabhängigkeit Deutschlands, für 80 Millionen Menschen und die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Der Hamburger Hafen ist wichtig für Hamburg, aber eben auch für ganz Deutschland, das ist die Botschaft, die wir in Berlin vertreten, denn es geht darum, dass sich die Bundesregierung künftig an der Finanzierung der Hafeninfrastruktur beteiligt. 

Nicht, weil sich die Stadt aus der Finanzierung zurückziehen will, sondern weil die künftigen Investitionsbedarfe weit über das hinausgehen, was ein einzelnes Bundesland bzw. ein einzelner Stadtstaat leisten kann.

Allein der Bau einer neuen Köhlbrandbrücke erfordert mehrere Milliarden Euro. Mit 73,5 Meter soll die neue Brücke deutlich höher werden als die bisherige, damit die Durchfahrt auch für die größten Containerschiffe gut möglich ist. 

Ein weiteres Großprojekt in den kommenden Jahren ist die Transformation des Waltershofer Hafens mit zusätzlichen Flächen und einem größerem Drehkreis, der die nautischen Bedingungen verbessert. 

Doch, sehr geehrte Damen und Herren,

der Hamburger Hafen muss nicht nur in seiner Erreichbarkeit, seiner Technik und Digitalisierung auf der Höhe der Zeit und damit international wettbewerbsfähig sein, sondern auch in der Organisation und Verflechtung des Terminal- und Reedereigeschäfts. 

Mit dem Einstieg von MSC bei der HHLA ist Hamburg ein wichtiger Schritt zur Sicherung des Hamburger Hafens gelungen. Die weltweit größte Reederei baut ihren Warenumschlag an den HHLA-Terminals erheblich aus. Durch die Partnerschaft mit MSC wird die HHLA im Wettbewerb gestärkt und die Fortführung des Investitionsprogramms in Höhe von 1,2 Mrd. Euro bis 2028 ermöglicht.

Die ebenfalls sehr große chinesische Reederei Cosco engagiert sich bereits am Terminal Tollerort, und durch die Partnerschaft mit Hapag-Lloyd kommen auch wieder Schiffe der Reederei Maersk in den Hamburger Hafen. Auch die vor wenigen Tagen angekündigte Beteiligung der französischen Reederei CMA CGM am Eurogate-Terminal in Waltershof begrüße ich sehr.

Sie ist ein weiteres starkes Signal, ein starkes Bekenntnis zu unserem Hafen. Mit der Entscheidung gehen Investitionen und geplante Ladungsmengen einher, die sich gut in die gewünschten Entwicklungen in Hamburg einfügen.

Seit Jahresbeginn hat der Hamburger Hafen mehrere Liniendienste hinzu- und Marktanteile gegenüber den Häfen von Rotterdam und Antwerpen zurückgewonnen. Der Containerumschlag ist in den ersten drei Quartalen 2025 um über 8 Prozent auf 6,3 Mio. TEU gestiegen. Das ist vielleicht noch nicht die große Trendwende im strategischen Wettbewerb zwischen Rotterdam, Antwerpen und Hamburg, aber es ist ein guter Anfang und die richtige Richtung.

Auch an dem Thema A26 Ost bleiben wir dran. Sie ist für die Verbesserung der Anbindung und Einbindung des Hafens in das Netz überregionale Straßen- und Autobahnnetz von größter Bedeutung. Der Planfeststellungsbeschluss zur A26 Ost hat weiter Bestand und wurde vom Bundesverwaltungsgericht in weiten Teilen bestätigt. Er muss jedoch in einem Punkt nachgebessert werden, um die Klimafolgen der alternativen Trassenverläufe zu prüfen und darzulegen.

Diese Aufgabe arbeiten die zuständige Behörde und die Aufgabenträgerin DEGES so schnell wie möglich ab. Und dann gilt der Satz und das Versprechen der Bundesregierung: Was baureif ist, wird auch finanziert und gebaut. 

Sehr geehrte Damen und Herren, 

der sogenannte Hamburger Zukunftsentscheid hat die Erwartungshaltung zur klimafreundlichen Transformation noch einmal erhöht. 

Sowohl die positiven Erwartungen der Klimaschutzakteure als auch die negativen Erwartungen, also die Befürchtungen derjenigen, die auf die wirtschaftlichen und sozialen Folgen möglicher zusätzlicher Klimaschutzmaßnahmen blicken.

Eines ist aber klar: Die Sektoren Industrie sowie Gewerbe, Handel, Dienstleistungen sind auf einem guten Kurs. Und gerade der Hafen und die maritime Wirtschaft sind nicht das Problem, sondern ein Teil der Lösung: Es gibt keine kostengünstigere, aber auch keine umwelt- und klimafreundlichere Art und Weise, eine Ware zu transportieren als mit dem Schiff. 

Die Lage des Hamburger Hafens weit im Landesinneren erfordert zwar besondere Anstrengungen beim Sedimentmanagement zur Aufrechterhaltung der erforderlichen Wassertiefen in der Fahrrinne. Sie ist aber zugleich ein bemerkenswerter Vorteil, denn mit jedem Kilometer, den ein Container über das Wasser ins Landesinnere transportiert wird, können entsprechende Transporte mit dem LKW vermieden werden.

Der Hafen von Quebec hat daraus eine eigene PR-Strategie entwickelt und veröffentlicht regelmäßig die vermiedenen LKW-Kilometer in Millionen Tonnen CO2. 

Mit dem Hafenentwicklungsplan haben wir gemeinsam bereits vor zwei Jahren die Weichen für die Klimaneutralität des Hafens 2040 gestellt. Der Hamburger Hafen fördert eine saubere Schifffahrt und legt die Grundlagen für die Nutzung von alternativen Kraftstoffen wie LNG, Wasserstoff und Ammoniak. 

Bis Ende 2025 sind alle großen Containerterminals mit Landstromtechnik ausgestattet und mit der Kreuzfahrtsaison 2026 werden es auch alle drei Kreuzfahrtterminals sein. 

Damit ist der Hamburger Hafen führend in Europa, was neben der hervorragenden Hinterlandanbindung über die Schiene ein starkes Argument für den Hafenstandort Hamburg ist, der nicht nur über Jahrhunderte geprägte maritime Traditionen, sondern auch einen klaren Blick auf die Zukunft hat. 

Daran arbeitet der Unternehmensverband Hafen Hamburg seit 75 Jahren mit – kompetent und zuverlässig, mit Expertise und großem Engagement. Er ist damit ein wichtiger Partner der Stadt, der Politik und der Wirtschaft in Hamburg.

In einer Zeit, in der sich weltweit politische Beziehungen und Lieferketten verändern, technologische Innovationen neue Chancen eröffnen und der Klimawandel entschlossenes Handeln fordert, brauchen wir unternehmerische Verantwortung und die Bereitschaft, diesen Wandel im Interesse des Gemeinwohls zu gestalten und zu fördern.

Ich danke allen, die in den vergangenen 75 Jahren im Unternehmensverband Hafen Hamburg daran mitgewirkt haben, den Vertreterinnen und Vertretern des Verbandes, seinen Unternehmen und Beschäftigten. 

Sorgen wir in Hamburg weiterhin gemeinsam dafür, dass der Hafen bleibt, was er seit über 800 Jahren ist: unser Tor zur Welt, ein Ort des Fortschritts und ein Zeichen der Weltoffenheit und Stärke unserer Stadt.

Herzlichen Glückwunsch zum 75. Jubiläum des Unternehmensverbands Hafen Hamburg und weiterhin alles Gute für Zukunft!

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