3. Mai 2026

Eröffnung der Ruhrfestspiele 2026

03. Mai 2026

Rede des Ersten Bürgermeisters Dr. Peter Tschentscher. Es gilt das gesprochene Wort.

  • Senatskanzlei
Bürgermeister Tschentscher steht auf einer Bühne am Rednerpult.
Senatskanzlei

Sehr geehrte Damen und Herren, Ehrengäste,
sehr geehrter Bürgermeister, lieber Axel Tschersich,

vielen Dank für die Einladung zu den Ruhrfestspielen. Ich habe sie gerne angenommen, weil es das 80. Jubiläumsjahr ist und die Ruhrfestspiele eine besondere Verbindung zur Hansestadt Hamburg haben.

Viele würden sagen, die Menschen im Ruhrgebiet und in Hamburg sind sehr verschieden. Die einen gesellig und lebensfroh, die anderen unterkühlt und nüchtern. Doch das ist nur der Blick aufs Äußere...

Als ich gemeinsam Bürgermeister Vitali Klitschko zur Hilfe für die schwer vom Krieg betroffenen Menschen in Kiew aufgerufen habe, spendeten die Hamburgerinnen und Hamburg sofort große Mengen an Hilfsgütern und technischen Geräten wie Stromgeneratoren für Heizungen im bitterkalten ukrainischen Winter.

Als Hamburg 1946 nach den Bombardements der Alliierten in Schutt und Asche lag, machten sich Mitglieder der Hamburger Theaterensembles mit Lastwagen auf den Weg ins Ruhrgebiet, um Kohle zu organisieren.

Ihre Bitte stieß bei den Kumpeln der Zeche Ewald / König Ludwig in Recklinghausen auf offene Ohren. Sie fuhren eine Extraschicht unter Tage – für Hamburg. Die Kohle gelangte, vorbei an den Besatzungsbehörden, an die Elbe. Das war eigentlich verboten, aber für die Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt im bitterkalten Winter ein großer Segen.

Der Hamburger Bürgermeister Max Brauer entsandte daraufhin Künstlerinnen und Künstler der Staatsoper, des Deutschen Schauspielhauses und des Thalia Theaters ins Ruhrgebiet, um sich zu bedanken und Aufführungen für die Bergleute zu spielen.

„Kultur gegen Kohle“, „Festspiele inmitten der Stätten harter Arbeit“ nannte der gelernte Handwerker Max Brauer die Initiative, die sich zu den berühmten Ruhrfestspielen entwickelt hat.

Die Geschichte der Ruhrfestspiele zeigt, dass das Ruhrgebiet und Hamburg verbunden sind im Bewusstsein, dass drei Dinge gleichermaßen wichtig sind:

  1. Harte Arbeit und die materiellen Grundlagen des Lebens,
  2. Kunst und Kultur, die den Geist öffnen, Lebensmut geben und die Menschen zusammenbringen, und
  3. Solidarität und Zusammenhalt, um selbst große Notlagen zu überstehen.

Die Ruhrfestspiele senden damit eine wichtige Botschaft in einer Zeit der Krisen und Konflikte, in der es in Deutschland heute wieder darauf ankommt, dass die Menschen beieinanderbleiben, dass sie sich auf ihre Stärken besinnen und diese zum Wohle der Gemeinschaft einbringen.

Im 80. Jubiläumsjahr de Ruhrfestspiele bewirbt sich Deutschland auch um die Olympischen und Paralympischen Spiele, und es gibt einen Wettbewerb darum, wo die Spiele in Deutschland durchgeführt werden sollen.

Hier gibt es heute Abend bestimmt eine Mehrheit für die Region Rhein-Ruhr. Andere möchten die Spiele nochmal in München sehen. Wir in Hamburg empfehlen eher den Norden. Aber darauf kommt es gar nicht an!

Es kommt darauf an, dass wir den Sport und Olympia – wie die Kultur – als etwas sehen, das Brücken baut und unser Land zusammenführt, Nord und Süd, Ost und West.

Dass wir Olympia als ein Projekt verstehen, das Tatkraft und Zuversicht vermittelt, das uns in Krisen und Umbrüchen – um es mit den Worten unseres Hamburger Ehrenbürgers Udo Lindenberg zu sagen – die Kraft gibt, „stärker zu sein als die Zeit“.

Recklinghausen und Hamburg haben in den schweren Nachkriegsjahren ein Beispiel dafür gegeben, welche Kraft Solidarität und Zusammenhalt in der Krise haben, und dass genau dieses Bewusstsein die Menschen im Ruhrgebiet und in Hamburg verbindet.

Ich wünsche Ihnen inspirierende Ruhrfestspiele und lade Sie herzlich ein, auch wieder einmal die Hansestadt Hamburg zu besuchen, zu einem Musical, einem Konzert, zum Reeperbahn-Festival, zu einer Vorstellung auf den Hamburger Theaterbühnen oder zu einem großartigen Sportereignis.

Vielen Dank.

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