5. Mai 2026

Senatsempfang 200 Jahre Hartwig-Hesse-Stiftung

05. Mai 2026

Rede des Ersten Bürgermeisters Dr. Peter Tschentscher. Es gilt das gesprochene Wort.

  • Senatskanzlei
Bürgermeister Tschentscher spricht am Rednerpult im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses
Senatskanzlei

Sehr geehrter Herr Greb, 
Frau Teichler,
Frau Alheit,
Herr Bezirksamtsleiter,
sehr geehrte Abgeordnete,
sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich willkommen beim Senatsempfang zum 200-jährigen Bestehen der Hartwig-Hesse-Stiftung und vielen Dank, Stefan Gwildis, für den musikalischen Einstieg zu dieser Jubiläumsfeier im Rathaus.

Startpunkt für die Zeitrechnung der Hartwig-Hesse-Stiftung war der Einzug von 12 Witwen, ihren 25 Kindern und weiteren Mietparteien in das erste Gebäude der Stiftung vor 200 Jahren.

Der Hamburger Kaufmann Hartwig Hesse hatte 1824 beim Senat das Gesuch eingereicht, eine Stiftung mit Wohnungen für Witwen gründen zu dürfen. Die Stadt genehmigte dies und stellte ihm für eine geringe jährliche Grundmiete ein Grundstück in St. Georg zur Verfügung, das damals noch ein Vorort von Hamburg war.

Nach seinem Tod 1849 wurde Hartwig Hesse vom Senat als wohltätiger Stifter geehrt. Bis heute erinnert die Hartwig-Hesse-Straße in Eimsbüttel an ihn.

In der Zeit des Nationalsozialismus geriet die Stiftung unter politischen Druck, weil ihr Gründer ursprünglich jüdischen Glaubens war und sie gemäß Satzung Bewohnerinnen und Bewohner aller Religionen aufnahm. Sie wurde umbenannt in „St. Georger Witwenstift von 1826“ und durfte ab 1938 nur noch Personen aufnehmen, die als „deutsche Volksgenossen“ galten.

Nach dem Krieg wurde beides rückgängig gemacht. Die Stiftung hieß nun wieder wie ihr Gründer und ihre Angebote sind für Menschen aller Religionen offen. Es entstanden neue Wohnanlagen in St. Georg, das Hesse-Diederichsen-Heim in Barmbek-Nord und das Hartwig-Hesse-Haus am Klövensteen.

Gemeinsam mit gleichgesinnten Partnern wie dem Paritätischen Wohlfahrtsverband entwickelte sich die Hartwig-Hesse-Stiftung stets weiter und passte ihre Angebote den Bedürfnissen der Menschen an. 1971 wurde eine Einrichtung in ein betreutes Seniorenwohnheim umgewandelt, 1995 ein ambulanter Pflegedienst gegründet.

Die Hartwig-Hesse-Stiftung beschäftigt heute über 360 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Unter dem Leitgedanken „Gepflegt leben“ fördert sie das selbstbestimmte Wohnen im Alter und bei Unterstützungsbedarf und bietet gemeinsam mit ihren Partnern vielfältige Angebote der Betreuung sowie der ambulanten und stationären Pflege.

Sehr geehrte Damen und Herren,

auch wenn Hamburg im Vergleich der Bundesländer eine im Durchschnitt jüngere Bevölkerung hat, geht der demographische Wandel voran. Schon heute ist ein Fünftel der Bürgerinnen und Bürger über 65 Jahre alt. Die Menschen wünschen sich, bis ins hohe Alter selbstbestimmt leben und auch bei Pflege und Unterstützungsbedarf in der gewohnten Umgebung bleiben zu können.

Der Senat unterstützt dieses Ziel mit dem Konzept „Wohnen bleiben im Quartier“, das Pflege- und Unterstützungsangebote vorsieht, gemeinschaftliche Strukturen fördert und auf eine barrierearme Gestaltung des Wohnumfelds setzt.

Das Hamburger Bündnis für Wohnstifte ist dabei ein wichtiger Partner. Es verfolgt das Ziel, traditionelle Wohneinrichtungen in Hamburg zu erhalten und zukunftssicher weiterzuentwickeln, um eine soziale Wohnraumversorgung im Einklang mit den Stiftungszielen zu gewährleisten. In dem Netzwerk sind zahlreiche Wohnstiftungen zusammengeschlossen, unter anderem die Hartwig-Hesse-Stiftung.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich erinnere mich an die Eröffnung des Hartwig-Hesse-Quartiers in St. Georg im Jahr 2018, das mit über 130 Wohneinheiten auf 8.000 Quadratmetern vielen Menschen ein Zuhause bietet und ihnen in einer generationenübergreifenden Gemeinschaft ein selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter ermöglicht.

Auch Peggy Parnass, jüdische Holocaust-Überlebende, bekannte Autorin, Schauspielerin, Gerichtsreporterin und Aktivistin gegen Diskriminierung - man nannte sie auch Queen von St. Georg - hat sich im Zindler-Haus der Hartwig-Hesse-Stiftung sehr wohl gefühlt.

Sie hat dort die letzten Jahre ihres langen, kraftvollen Lebens gewohnt, hätte ihren Stadtteil auf keinen Fall verlassen wollen und hat mir bei jeder Begegnung berichtet, wie gut gepflegt und betreut sie sich dort gefühlt hat.

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit 200 Jahren unterstützt die Hartwig-Hesse-Stiftung Menschen, sie sich in schwierigen Lebenslagen befinden oder auf Unterstützung und Pflege angewiesen sind. Sie hat in dieser Zeit unzähligen Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt geholfen, ein würdevolles, selbstbestimmtes Leben bis ins hohe Alter zu führen.

Die Stiftung leistet mit ihrer Arbeit einen großen Beitrag zur sozialen Sicherheit und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in Hamburg. Dafür gebührt der Stiftung und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Dank und Anerkennung, die ich Ihnen hiermit im Namen des Senats ausspreche.

Ich gratuliere der Hartwig-Hesse-Stiftung sehr herzlich zum 200. Jubiläum, wünsche ihr für die Zukunft weiterhin alles Gute und für heute noch eine schöne Feier, interessante Gespräche und viel Freude mit Stefan Gwildis und dem Chor „Heaven can wait“.

Vielen Dank.

Zum Weiterlesen

Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher vor der Bürgerschaft
Michael Zapf/Hamburgische Bürgerschaft
6. Mai 2026

„Perspektiven der Olympischen und Paralympischen Spiele in Hamburg – eine Chance für alle“

Regierungserklärung des Ersten Bürgermeisters Dr. Peter Tschentscher vor der Hamburgischen Bürgerschaft am 6. Mai 2026.

06. Mai 2026
Bürgermeister Tschentscher steht auf einer Bühne am Rednerpult.
Senatskanzlei
3. Mai 2026

Eröffnung der Ruhrfestspiele 2026

Grußwort des Ersten Bürgermeisters Dr. Peter Tschentscher bei der Eröffnung der Ruhrfestspiele 2026.

03. Mai 2026
Ein Aufsteller mit der Aufschrift 14. Nationale Maritime Konferenz. Im Hintergrund sieht man unscharf Teilnehmende vor der Veranstaltungshalle.
BMWE/bundesfoto/Bernd Lammel
30. April 2026

14. Nationale Maritime Konferenz

Rede des Ersten Bürgermeisters Dr. Peter Tschentscher bei der 14. Nationalen Maritimen Konferenz in Emden.

30. April 2026