Sehr geehrter Herr Spethmann,
sehr geehrter Herr Boehm,
sehr geehrter Herr Doyen,
sehr geehrte Damen und Herren,
Herzlich willkommen im Rathaus zum 50-jährigen Jubiläum des Jung-Preises für Medizin.
Der Hamburger Unternehmer Ernst Jung und seine Frau Claere gründeten bereits 1967 die Jung-Stiftung, um die Wissenschaft und Forschung zu fördern.
Sie waren der Überzeugung, dass die Förderung des medizinischen Fortschritts auf höchstem Niveau eine besonders sinnvolle und wirksame Möglichkeit ist, dem Gemeinwohl zu dienen, Mitmenschlichkeit zu praktizieren und Leiden zu lindern.
Seit 1976 vergibt die Jung-Stiftung jährlich mehrere hochdotierte Auszeichnungen für medizinische Spitzenforschung:
- den Jung-Preis für Medizin,
- die Jung-Medaille für Medizin in Gold und
- seit 2006 den Jung-Karriere-Förderpreis für medizinische Forschung.
Die Stiftung leistet damit seit 50 Jahren einen wichtigen Beitrag dazu, dass medizinische Forschung den Raum und die Freiheit für zukunftsweisende Entdeckungen erhält.
Der Jung-Preis für Medizin ist mit 300.000 Euro einer der höchstdotierten Medizinpreise Europas und zählt zu den renommiertesten Auszeichnungen in der medizinischen Forschung. Die Stiftung würdigt damit herausragende wissenschaftliche Leistungen, die eine Brücke zwischen Grundlagenforschung und klinischer Anwendung bauen.
Sie fördert zugleich begabte und leistungsbereite Doktorandinnen und Doktoranden der Medizin, indem sie jedes Jahr Stipendien für ein „Fellowship“ vergibt, also eine Förderung, um ein Jahr lang in Vollzeit relevante wissenschaftliche Fragestellungen der Humanmedizin oder der Medizingeschichte zu bearbeiten.
Mit der Blankeneser Konferenz stärkt die Stiftung seit 1979 die Vernetzung und den interdisziplinären Austausch im medizinischen Bereich, indem sie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt nach Hamburg einlädt und für eine Diskussion spezieller Themen eines bestimmten Forschungsgebietes zusammenbringt.
Die Stiftung hat in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geehrt und Projekte gefördert, die die Erforschung, Behandlung und Prävention von Erkrankungen vorangebracht haben.
Die Medizinerin und Gründerin Özlem Türeci zum Beispiel wurde 2023 mit dem Jung-Preis für ihre Forschung im Bereich Immunologie und mRNA-Technologie geehrt. Sie gründete mit ihrem Ehemann Uğur Şahin 2008 das Unternehmen Biontech, das 2020 einen mRNA-Impfstoff gegen Covid-19 entwickelte und wesentlich zur Bekämpfung der Corona-Pandemie beigetragen hat.
Die Qualität der Arbeit der Stiftung zeigt sich auch im Rückblick auf die geehrten und geförderten Personen, die später zum Teil auch andere höchste Auszeichnungen wie den Leibniz-Preis oder sogar den Nobelpreis erhalten haben.
Spätere Nobelpreisträger waren der
- 1996 ausgezeichnete Prof. Rolf Zinkernagel für seine Entdeckungen zur Spezifität der zellvermittelten Immunabwehr.
- 2008 Prof. Harald zur Hausen für seine Entdeckung, dass humane Papillomviren Gebärmutterhalskrebs verursachen, und
- 2020 Prof. Emanuelle Charpentier für die Entwicklung einer Methode zur sogenannten Genom-Editierung, die neue Wege der Erforschung und Behandlungen genetischer Erkrankungen eröffnete.
Sehr geehrte Damen und Herren,
Hamburg zählt heute zu den wichtigsten Standorten der medizinischen Forschung in Deutschland. Schwerpunkte sind unter anderem die Infektionsmedizin, die Neurowissenschaften, die Krebsforschung und die translationale Medizin – also die Übertragung von Erkenntnissen der Grundlagenforschung auf die praktische Anwendung in der Medizin.
International renommierte Forschungsinstitute und Kliniken wie das Universitätsklinikum Eppendorf, das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, das Leibniz Institut für Virologie und das DESY arbeiten dabei eng zusammen und sind mit zahlreichen weiteren Akteuren im Bereich Life Sciences vernetzt.
Das Cluster Life Science Nord bündelt rund 300 Institutionen, kleine, mittlere und große Unternehmen sowie Start-ups. Mit fast 200.000 Beschäftigten und 14,5 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung ist die Gesundheitswirtschaft eine starke Säule unseres Wirtschafts-, Wissenschafts- und Innovationsstandortes mit dem zentralen Ziel, das die Medizin in ihrem Kern ausmacht: Das Leben und die Gesundheit der Menschen zu schützen, Krankheiten vorzubeugen, zu erkennen und zu behandeln, und die Lebensqualität bis ins hohe Alter zu verbessern.
Der Jung-Preis für Medizin trägt dazu bei, die hierfür erforderliche Wissenschaft und Forschung zu fördern, besondere Leistungen anzuerkennen und damit gerade jungen Medizinerinnen und Mediziner Motivation zu geben, sich mit ihrem Talent und ihrer Leistungsbereitschaft für die Medizin einzusetzen, Ideen zu entwickeln und neue Wege zu gehen.
Die Preisverleihungen, Symposien und Stipendien der Jung-Stiftung lenken dabei den Blick auf Hamburg als medizinischen Forschungs- und Wissenschaftsstandort, der einen Beitrag leistet für exzellente Arbeit und die Förderung ambitionierter Talente aus der Medizin.
Im Namen des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg danke ich der Jung-Stiftung, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie allen Förderern und Stiftern sehr herzlich für ihr Engagement und ihre Arbeit. Ich wünsche Ihnen eine schöne Jubiläumsfeier und alles Gute für die Zukunft.
Vielen Dank.