Sehr geehrter Herr Doyen Toda,
Herr Präsident des Internationalen Seegerichtshofes,
Herr Doyen des Konsularkorps Schleswig-Holstein,
Frau Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft,
... aber vor allem ...
... sehr geehrte Mitglieder des Konsularischen Korps,
vielen Dank für Ihre Einladung zum traditionellen Jahresessen, auf dem wir uns als Senat und weiteren Vertreterinnen und Vertreter der Stadtgesellschaft in einem besonderen Rahmen mit dem Konsularischen Korps austauschen können.
Die Lage in der Welt ist angespannt, insofern haben wir als internationale Stadt ein großes Interesse, in einem guten Gespräch zu bleiben mit den rund 100 konsularischen Vertretungen in unserer Stadt.
Vielen Dank, sehr geehrter Herr Doyen, für Ihre freundlichen Worte über die gute Zusammenarbeit mit der Freien und Hansestadt Hamburg, die uns wichtig ist, ...
... die aber auch wichtig ist für rund 400.000 Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit, die in Hamburg arbeiten und leben.
Nicht nur unser Hafen, auch diese 400.000 Menschen verbinden uns mit allen Kontinenten. Sie bringen ihre Talente, Kulturen und Erfahrungen ein und machen uns stark.
Der amerikanische Präsident Ronald Reagan hat in seiner letzten Rede als Präsident am 19. Januar 1989 am Tag vor der Amtsübergabe einen bemerkenswerten Gedanken formuliert. Er sagte, „...da dies die letzte Rede ist, die ich als Präsident halten werde, halte ich es für angemessen, einen letzten Gedanken zu hinterlassen – eine Beobachtung über ein Land, das ich liebe.“
Der Gedanke, den er dann formuliert, lautet zusammengefasst, dass die Stärke der Vereinigten Staaten darauf beruht, dass sie ihre Menschen und Stärken aus jedem Land und jedem Winkel der Welt beziehen.
Was für ein so großes und bedeutendes Land wie die USA gilt, kann für Hamburg nicht schlecht sein. Und deshalb: Vielen Dank, dass Sie hier sind und zu unserer Internationalität und Vielfalt beitragen.
Doch wir haben nun leider nicht nur ein gutes und friedliches Miteinander auf der Welt. Der Konflikt im Persischen Golf und im Roten Meer behindert weiterhin die weltweiten Handelswege und Lieferketten. Er gefährdet auch deutsche Seeleute, treibt die Kraftstoffpreise in die Höhe und schadet damit der Weltwirtschaft. Der Angriffskrieg auf die Ukraine geht mittlerweile in sein fünftes Jahr, ohne dass eine Lösung in Sicht wäre. Die fortdauernde Aggression Russlands sorgt täglich für Leid in der Ukraine – und gefährdet die sicherheitspolitische Ordnung und den Frieden in ganz Europa.
Die Sicherheitslage mit einer zunehmenden Zahl an Hackerangriffen, Drohnenüberflügen und Sabotagerisiken zwingt auch Hamburg, sich resilienter und wehrhafter aufzustellen.
In dieser Woche findet die Übung „Red Storm Charlie“ statt, bei der die Bundeswehr und die Stadt Hamburg ihre Zusammenarbeit in Krisensituationen proben, gemeinsam mit Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Polizei, Behörden und Unternehmen.
Wir müssen unsere kritische Infrastruktur besser schützen, bauen mit rund 60 Millionen Euro unter anderem die Drohnenabwehr aus und entwickeln mit Partnern aus Wirtschaft und Forschung einen Schutzschirm für den Hafen.
Wir benennen diese Themen öffentlich, denn die Resilienz einer Stadt entsteht auch durch ein entsprechendes Bewusstsein und die Mitwirkung ihrer Bürgerinnen und Bürger.
Doch sehr geehrte Mitglieder des Konsularischen Korps,
die eigentliche Mission der Hansestadt Hamburg bleibt der Auftrag unserer Verfassung, eine „Mittlerin zwischen allen Erdteilen und Völkern der Welt“ zu bleiben. Zum dritten Mal ging es im Frühjahr auf der „Hamburg Sustainability Conference“ um den internationalen Austausch über die besten Wege zur Erreichung der Sustainability Goals der Vereinten Nationen. Über 1.000 Vertreterinnen und Vertreter aus über 100 Ländern der Welt waren daran beteiligt.
Gute internationale Beziehungen beruhen auf solchen persönlichen Begegnungen.
Im April dieses Jahres habe ich gemeinsam mit Daniel Günther, dem Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, und einer Wirtschafts- und Wissenschaftsdelegation aus beiden Ländern Danzig, Vilnius und Riga besucht.
Anfang Oktober reise ich nach London, um den Tag der deutschen Einheit mit zahlreichen britischen Gästen in der deutschen Botschaft zu feiern. Und gleich danach geht es mit einer Wirtschafts- und Wissenschaftsdelegation nach Asien, genauer: nach Vietnam und China. In Ho Chi Minh Stadt und Shanghai wollen wir die Zusammenarbeit in der maritimen Logistik, in der Luftfahrt und in den erneuerbaren Energien voranbringen.
In Shanghai feiern wir das 40. Jubiläum unserer Städtepartnerschaft.
Sehr verehrte Damen und Herren,
in herausfordernden Zeiten ist es gut zu wissen, dass man Freunde hat. Diese Freundschaften sind keine Symbolpolitik. Sie schaffen konkrete Verbindungen – zwischen Verwaltungen, Häfen, Unternehmen, Wissenschaft und auf menschlicher Ebene. Sie helfen Lösungen zu finden, die die Welt weiterbringen. Und sie pflegen Beziehungen, die staatliche Konflikte und Kriege überdauern und Frieden möglich machen.
Zwischen Wien, Zürich und Hamburg gibt es seit 2019 den sogenannten „Trilog“, bei dem wir uns regelmäßig über Stadtentwicklung, Mobilität, innere Sicherheit und andere Herausforderungen austauschen. Dieses Jahr waren Wien und Hamburg zu Gast in Zürich.
Die EU und die Bundesregierung wollen angesichts der gestiegenen Bedeutung Kanadas enger mit dem Land kooperieren. Hamburg und Québec haben schon damit begonnen, ihre Zusammenarbeit auszubauen.Im vergangenen Jahr konnte ich unsere strategische Partnerschaft mit einer Reise nach Montréal und Ville de Québec vertiefen.
Neben unseren Städtepartnerschaften mit Chicago, Marseille, Leon, Shanghai, Prag, Dar es Salaam, Osaka und St. Petersburg, die derzeit ruht, sind wir mit der ukrainischen Hauptstadt Kyiv über den „Pakt für Solidarität und Zukunft“ eng verbunden.
Nach mehreren Reisen nach Südamerika in den letzten Jahren, nach Chile, Argentinien, Urugay, Kolumbien und Ecuador, bin ich froh, dass das Mercosur-Abkommen endlich zustande gekommen ist und den Handelsbeziehungen zwischen Lateinamerika und Hamburg neue Perspektiven gibt. Es entsteht eine Freihandelszone mit über 700 Millionen Menschen, in der die Hansestadt Hamburg als Logistik-Hub eine zentrale Funktion für den Warenverkehr zwischen den Mercosur-Mitgliedsstaaten und Europa übernimmt.
Viele lateinamerikanische Länder investieren derzeit in die Nutzung von Wind- und Sonnenenergie, um regenerative Energieträger wie grünen Wasserstoff oder E-Methanol zu produzieren und zu exportieren. Für Deutschland ergibt sich daraus eine große Chance, die Energiewende zu beschleunigen und den Import fossiler Energie in großem Umfang durch regenerative Energieträger zu ersetzen.
Hamburg schafft die dafür nötige neue Infrastruktur in Form von Importterminals, geeigneten Tanks für die Lagerung und ein Wasserstoffnetz zum Transport der Energie zu den Industriekunden.
Sehr geehrte Damen und Herren,
in allen internationalen Angelegenheiten, bei der Planung von Auslandsreisen und der Anbahnung von Kooperationen ist das Konsularische Korps in Hamburg ein verlässlicher Partner für den Senat.
Trotz des positiven, feierlichen Rahmens möchte ich heute Abend nicht unerwähnt lassen, dass uns die Nachricht vom Tod von Prof. Dr. Manfred Dietrich, dem Honorarkonsul der Republik Uganda, sehr betroffen gemacht hat. Manfred Dietrich war ein angesehener Vertreter des Konsularischen Korps, ein kenntnisreicher Repräsentant Ugandas und ein renommierter Tropenmediziner.
Der Senat wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.
Den neuen Mitgliedern des Konsularischen Korps, von denen ich einige schon persönlich begrüßen konnte, gratuliere ich sehr herzlich zur Ernennung und wünsche Ihnen für das neue Amt alles Gute. Ebenfalls gratulieren möchte ich Armenien, das heute seinen Nationalfeiertag begeht und in Hamburg von Herrn Honorarkonsul Hecht vertreten wird.
Ich danke Ihnen sehr herzlich für Ihre Arbeit und das große Engagement, mit dem Sie sich für Hamburg, für Ihre hier lebenden Staatsbürgerinnen und Staatsbürger und für die Pflege unserer internationalen Partnerschaften einsetzen.
Und jetzt wünsche ich uns einen schönen Abend mit guten Gesprächen.
Vielen Dank.