Sehr geehrte Frau Exekutiv-Vizepräsidentin Ribera,
sehr geehrte Frau Professorin Schnitzer,
Exzellenzen,
sehr geehrte Leiterinnen und Leiter der konsularischen Vertretungen und internationalen Organisationen,
sehr geehrte Frau Präsidentin der Hamburgischen Bürgerschaft,
sehr geehrte Mitglieder der Parlamente,
sehr geehrter Herr Ehrenbürger Prof. Michael Otto,
sehr geehrte Damen und Herren,
herzlich willkommen im Hamburger Rathaus zum Matthiae-Mahl 2025.
Seit über 650 Jahren bedankt sich die Stadt mit dem Matthiae-Mahl bei „Hamburg wohlgesonnenen Mächten“ - heute würden wir sagen: bei Freunden und Partnern - für die gute Zusammenarbeit. Die Gründung des Festmahls im Jahr 1356 ist verbunden mit der Geschichte der Hanse, die damals ihre Blütezeit erlebte. Die Hafen- und Handelsstädte Nordeuropas schlossen sich zusammen, um sicheren und freien Handel zu ermöglichen.
Die Organisation der Hanse beruhte auf gemeinsamen Regeln, gemeinsamen Beratungs- und Beschlussgremien, einer allgemein akzeptierten Gerichtsbarkeit und auf einer Sicherheitspartnerschaft. Dahinter stand eine Überzeugung, die unsere Freie und Hansestadt Hamburg bis heute vertritt: Wohlstand, Sicherheit und Freiheit können nur in einer starken Gemeinschaft erreicht werden.
Fairness, Kooperation und Solidarität im Inneren, Geschlossenheit und Stärke nach außen: Was die Hanse damals erfolgreich gemacht hat, kann bis heute als Vorbild für Europa dienen.
Eingeladen sind heute Abend zwei Ehrengäste, die sich für die Stärke, für die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft in Deutschland und Europa einsetzen.
Bitte begrüßen Sie noch einmal sehr herzlich
- die Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Prof. Dr. Monika Schnitzer und
- die Exekutiv-Vizepräsidentin der Europäischen Kommission und für Wettbewerb zuständige Kommissarin Teresa Ribera.
Monika Schnitzer ist eine der bekanntesten Ökonominnen Deutschlands und Expertin für Wettbewerbspolitik, Innovation und multinationale Unternehmen. Sie hat in Harvard, Berkeley, Yale und Stanford geforscht, lehrt Komparative Wirtschaftsforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität München und wurde 2020 in den Sachverständigenrat berufen, dessen Vorsitzende sie seit Oktober 2022 ist. Die Gutachten und Empfehlungen dieses unabhängigen Expertengremiums, auch „die Wirtschaftsweisen“ genannt, geben grundlegende Impulse für die deutsche Wirtschaftspolitik.
Als Vorsitzende der Wirtschaftsweisen hat Monika Schnitzer wie kaum jemand anderes die ökonomische Entwicklung in Deutschland, Europa und der Welt im Blick. Zuletzt hat sie konkrete Vorschläge für eine schnelle Reform der Schuldenbremse gemacht.
Liebe Frau Professorin Schnitzer, herzlich willkommen in Hamburg!
Teresa Ribera ist Exekutiv-Vizepräsidentin der EU-Kommission und als Kommissarin zuständig für den Wettbewerb, die DG Competition, die für Hamburg eine große praktische Bedeutung hat, und für einen sauberen, fairen und wettbewerbsfähigen Wandel mit dem in der vergangenen Woche vorgestellten „Clean Industrial Deal“. Sie hat rund 30 Jahre politische Erfahrung unter anderem als Umweltministerin von Spanien, wo sie die Energiewende mitgestaltet hat.
Seit dem 1. Dezember 2024 trägt sie Verantwortung für die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie, für Innovation, Energiewende und Klimaschutz in den 27 Staaten mit 450 Millionen Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union.
Dear Executive Vice President Ribera, it is a special honor to welcome you today at the Matthiae meal. Welcome to Hamburg!
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir haben in diesem Jahr die „Wettbewerbsfähigkeit der europäischen und deutschen Wirtschaft in der geopolitischen Zeitenwende“ als Thema für das Matthiae-Mahl gewählt und diese Ehrengäste eingeladen, weil sich die Politik und die Bürgerinnen und Bürger Sorgen machen über die Entwicklung in Deutschland und der Welt.
Hamburg ist die zweitgrößte Stadt der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt und mit einem BIP von aktuell rund 80.000 Euro pro Kopf das wirtschaftsstärkste Bundesland Deutschlands. Als internationale Handelsstadt und bedeutender Industriestandort haben wir bessere Wirtschaftsdaten als im übrigen Deutschland. Die Zahl der Betriebe ist allein in den vergangenen drei Jahren um über 2.000 gewachsen. Wir haben Rekordbeschäftigung und eine weiterhin hohe Nachfrage nach Flächen für neue Investitionen.
Der Senat verfolgt eine konsequente Strategie zur Stärkung des Hafens und der Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft. Wir investieren Milliarden in die Infrastruktur, in die regenerative Energiewende und Digitalisierung. Und dennoch erreichen auch uns die Auswirkungen der Zeitenwende und der konjunkturellen Schwäche in Deutschland.
Ebenso muss sich die Europäische Union im Wettbewerb der Weltmächte und großen Volkswirtschaften neu positionieren. Während die Wirtschaft im Euroraum stagniert, zeigen die Volkswirtschaften der USA und Chinas ein Wachstum von 3 beziehungsweise 5 Prozent.
Mit dem „Clean Industrial Deal“ hat die Europäische Kommission vor wenigen Tagen ein wichtiges Maßnahmenpaket für die Modernisierung und Stärkung der Industrie in Europa vorgestellt. Hinzu kommt ein Programm zum Bürokratieabbau, um den Verwaltungsaufwand für Unternehmen spürbar zu senken. Deutschland muss von diesen Maßnahmen profitieren, aber auch eigene, zusätzliche Impulse setzen, um die Arbeitsplätze, die Wertschöpfung und unseren Wohlstand für die Zukunft zu sichern.
Die nächste Bundesregierung wird auch daran gemessen, ob sie die dafür richtigen Instrumente wählt und umsetzt.
Liebe Frau Prof. Schnitzer, wir sind gespannt, welche Empfehlungen Sie dafür heute Abend geben.
Sehr geehrte Damen und Herren,
heute vor genau 532 Jahren kehrte Christoph Kolumbus von seiner ersten Reise über den Atlantik nach Europa zurück und erreichte am 4. März 1493 Lissabon. Auf der Suche nach einem neuen Seeweg nach Asien hatte er Amerika entdeckt und damit den Lauf der Geschichte verändert.
Heutzutage werden große Entdeckungen nicht mehr auf den Meeren oder auf fremden Kontinenten gemacht, sondern in Laboren, Forschungsstätten und Innovationszentren. Wissen und Wissenschaft, Forschung und Innovation sind die entscheidenden Faktoren unserer zukünftigen Entwicklung. In diesem Bewusstsein hat der Senat dafür gesorgt, dass Hamburg in Bildung und Forschung vom Mittelmaß und den hintersten Plätzen der früheren Jahre aufgestiegen ist.
Wir sind zu einem anerkannten Wissenschaftsstandort geworden mit einer Exzellenzuniversität, mit weiteren rund 20 Hochschulen, mit mehr als 30 außeruniversitären Forschungseinrichtungen und vier großen Innovationszentren. Quantencomputing, Life Sciences, Künstliche Intelligenz und Wasserstofftechnologie sind Schwerpunkte von Forschung und Entwicklung in unserer Stadt.
Die Europäische Kommission hat Hamburg im „Regional Innovation Score“ mittlerweile als „Innovation Leader“ und als dynamischste Innovationsregion Deutschlands eingestuft. Das ist ein gutes Zeugnis für die Arbeit der letzten Jahre und eine starke Motivation, diesen Erfolgskurs fortzusetzen.
Sehr geehrte Damen und Herren,
Hamburg ist stark und wir sind stolz auf unsere guten internationalen Beziehungen. Wir sind - wie zu Zeiten der Hanse - überzeugt, dass die Zusammenarbeit in Europa der entscheidende Faktor für unseren gemeinsamen wirtschaftlichen Erfolg, für unsere Demokratie und Freiheit ist.
Dieses Bekenntnis haben wir 2023 in die Hamburgische Verfassung aufgenommen mit den Worten: „Die Freie und Hansestadt Hamburg fördert ein geeintes Europa und leistet ihren Beitrag zu einer Europäischen Union, die demokratischen, rechtsstaatlichen, sozialen und föderativen Grundsätzen sowie dem Grundsatz der Subsidiarität verpflichtet ist."
Am heutigen Matthiae-Mahl nehmen Vertreterinnen und Vertreter aus über 60 verschiedenen Staaten teil, darunter alle Mitgliedsländer der Europäischen Union. Von guten Partnern und Freunden umgeben zu sein, gibt uns in schweren Zeiten die Zuversicht, dass wir in und mit Europa stark sind. Stärker als die Zeit.
Ich wünsche Ihnen gute Gespräche und bin gespannt auf die Reden unserer Ehrengäste beim Matthiae-Mahl 2025.
Herzlichen Dank.