Behörde für Schule und Berufsbildung

Veranstaltungsreihe bis Juni 2019 Antisemitismus im 21. Jahrhundert

Was kann man dagegen tun?

Antisemitismus im 21. Jahrhundert

Antisemitismus ist ein gravierendes Problem der Gegenwart. Das war in der jüngsten Vergangenheit nicht zu übersehen. Jüdinnen und Juden werden auf der Straße attackiert, neue rechte Bewegungen und Parteien fordern ein Ende der „Erinnerungsdiktatur“, und antisemitische Verschwörungstheorien finden immer mehr Verbreitung.

Die Veranstaltungsreihe beschäftigt sich mit den Erscheinungsformen der Judenfeindschaft in verschiedenen politischen, weltanschaulichen und religiösen Milieus und stellt zugleich Initiativen und Handlungsmöglichkeiten vor, wie man sich gegen Antisemitismus im 21. Jahrhundert engagieren kann. Die Vortragsreihe aus 2018 wird 2019 mit folgenden Veranstaltungen fortgesetzt.

Der Eintritt ist frei.

24. Januar 2019, 19 Uhr,

Protestantische Selbstbilder. Versuche selbstreflexiver Auseinandersetzungen mit Antisemitismus

Tschaikowsky-Saal im Tschaikowsky-Haus, Tschaikowskyplatz 2, 20355 Hamburg

Judenfeindschaft wird oft als Problem der Anderen betrachtet und politisch weit von der sogenannten gesellschaftlichen Mitte verortet. Antisemitismus hat aber nicht nur die Seite, die sich als Judenhass zeigt. Er hat ebenso eine versteckte Seite, die sich nur allzu gern der Reflexion entzieht. Mit dem Projekt „Antisemitismus und Protestantismus“ versuchen wir herauszufinden, was Antisemitismus mit „uns“ zu tun hat. Dies ist eine zentrale Voraussetzung für aufgeklärte Bildungsarbeit im evangelischen Bereich.

Referentin: Dr. Verena Haug, Leiterin des Projekts "Antisemitismus und Protestantismus" der Evangelischen Akademien in Deutschland.

Moderation : Olaf Kistenmacher, Geschichtswissenschaftler. 

12. Februar 2019, 18:30 Uhr,

"Die sind schuld!" Zum Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Antisemitismus

Vortragsraum der Landeszentrale für politische Bildung, Dammtorstraße 14, 20354 Hamburg.  5. OG

Die Teilnahme ist beschränkt auf 25 Personen. Eine Anmeldung ist erforderlich.

Judenfeindschaft findet sich in allen politischen Milieus und kommt auch regelmäßig in Bewegungen zum Vorschein, die sich als weder links noch rechts verstehen. Ein wesentlicher Grund besteht in der Wahrnehmung des Kapitalismus und in weit verbreiteten Bildern „der Ausbeuter“, die als ursächlich für Armut und Reichtum gesehen werden. Die Pädagogik gegen Antisemitismus muss diese für das antisemitische Weltbild essenziellen Vorstellungen bearbeiten und Schülerinnen und Schüler für diese Denkfiguren sensibilisieren. In dem Workshop soll mit dem Modul "Die verbrannte Leiche von Ocarina Island" eine konkrete Methode der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KigA) vorgestellt und diskutiert werden.

Referent: Mehmet Can ist Gymnasiallehrer für Geschichte und Politik, ehrenamtlich für die KIgA tätig und Trainer des Gedenkstättenpädagogikprojekts „Verunsichernde Orte“.

Moderation : Olaf Kistenmacher, Geschichtswissenschaftler.

26. März 2019, 19.00 Uhr

Der besondere Zusammenhang von Antisemitismus und Nationalismus

Tschaikowsky-Saal, Tschaikowskyplatz 2, 20355 Hamburg

In der Bildungsarbeit begegnen uns selten Jugendliche, die offen judenfeindlich sind. Häufig allerdings zeigt sich die Haltung, dass Jüdinnen und Juden irgendwie "anders als wir" seien. Dass „Andere“ zur Konstruktion eines „Wir“ dienen, zeigt sich ständig. „Die Juden“ im antisemitischen Weltbild aber unterscheiden sich kategorial von allen sonstigen Feindkonstruktionen – wie etwa in der Geschichte Deutschlands die Feindbilder Frankreich oder Russland: „Die Juden“ gelten als „antinational“, als die „Feinde aller Völker“, die jede Nation zersetzen. Thomas Haury wird an historischen und aktuellen Beispielen verdeutlichen, wie sich Nationalismus und Antisemitismus in der Moderne bedingen.

Dr. Thomas Haury ist Autor der Studie Antisemitismus von links. Kommunistische Ideologie, Nationalismus und Antizionismus in der frühen DDR (2002).

Moderation: Olaf Kistenmacher, Geschichtswissenschaftler. 

30. April 2019, 19.00 Uhr

Antisemitismus unter Muslimen – ein besonderes Problem? Erfahrungen aus der pädagogischen Praxis

Tschaikowsky-Saal, Tschaikowskyplatz 2, 20355 Hamburg

Judenfeindschaft unter Musliminnen und Muslimen in Deutschland ist ein umstrittenes Thema zwischen extremen Positionen: Einerseits wird das Problem geleugnet, andererseits dient es dazu, Antisemitismus auf „die Fremden“ zu projizieren. In der pädagogischen Arbeit mit muslimischen Jugendlichen begegnen uns verschiedene Gründe für antisemitische Positionen: fehlende Sachlichkeit bezüglich des Nahostkonflikts, Verschwörungstheorien, Auslegungen des Koran usw.

Ahmad Mansour wird erläutern, inwieweit Islamverständnisse dabei eine Rolle spielen und inwieweit die Probleme der Mehrheitsgesellschaft zu berücksichtigen sind, und er wird zeigen, welche Chancen zur pädagogischen Intervention sich gleichwohl bieten.

Ahmad Mansour ist Psychologe, Geschäftsführer von  „Mind prevention: Initative für Demokratieförderung und Extremismusbekämpfung" mit Sitz in Berlin und Autor des Buches „Klartext zur Integration – Gegen falsche Toleranz und Panikmache.“

Moderation : Olaf Kistenmacher, Geschichtswissenschaftler. 

21.  Mai 2019, 19.00 Uhr

Lernen über den Nahostkonflikt als Prävention von Antisemitismus?

Tschaikowsky-Saal, Tschaikowskyplatz 2, 20355 Hamburg

Vor allem in den kriegerischen Phasen des Nahostkonflikts kommt es auch in Deutschland immer wieder zu offen antisemitischen Äußerungen, teilweise lässt sich die Ausrichtung und Stimmung auf Protestveranstaltungen als antisemitisch beschreiben. Viele erheben die Forderung, in Schulen sollte der Nahostkonflikt zum obligatorischen Thema werden, um antisemitischen Deutungen des Nahostkonflikts entgegenzuwirken. Zwei Fragen ergeben sich daraus: Warum und wie soll Wissen über den Konflikt und seine Hintergründe Antisemitismus verhindern? Welche Kompetenzen brauchen Lehrkräfte, um den Unterricht zielführend zu gestalten? Rosa Fava hat Fortbildungsangebote und Lernmaterialen dazu analysiert und stellt ihre Ergebnisse sowie Empfehlungen vor.

Dr. Rosa Fava, Mitarbeiterin der Amadeu-Antonio-Stiftung, war Leiterin des Projekts "Didaktik des Nahostkonflikts" am Jüdischen Museum Berlin.

Moderation: Olaf Kistenmacher, Geschichtswissenschaftler.

28. Mai 2019, 18.00 Uhr

"Der (neue?) Antisemitismus in Deutschland und Europa"

Haus der Patriotischen Gesellschaft von 1765 (Altes Rathaus Hamburg), 20457 Hamburg, Trostbrücke 4- 6

Vortragsveranstaltung mit Podiumsdiskussion
Mit zwei Vorträgen von Prof. Dr. Wolfgang Benz, zum Thema "Historisch-politische Wurzeln des Antisemitismus" und Dr. Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für Jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus, zum Thema "Die europäische Dimension des Antisemitismus“ spricht diese Veranstaltung insbesondere Jugendliche, Schülerinnen und Schüler sowie Studierende an mit dem Ziel, vorhandene Informationsdefizite abzubauen und das Problembewusstsein in Bezug auf den alltäglichen Antisemitismus zu schärfen.

Im Anschluss findet eine Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Wolfgang Benz, Dr. Felix Klein und Prof. Dr. Miriam Rürup (Institut der Geschichte der deutschen Juden) statt.

Moderation: Dr. Sabine Bamberger-Stemmann, Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

Musikalische Begleitung: Gustav Mahler, Klavier Quartett internationale junge Künstler des Vereins „Klassische Musik und Kultur für Kinder“

Eine Veranstaltung der Patriotischen Gesellschaft von 1765 und der Landeszentrale für politische Bildung

6. Juni 2019, 19.00 Uhr

Wer hat das Problem: die Mehrheit oder die Minderheiten? Antisemitismus in der Migrationsgesellschaft

Tschaikowsky-Saal, Tschaikowskyplatz 2, 20355 Hamburg

Viele Diskussionen zur Pädagogik gegen Antisemitismus konzentrieren sich auf etwaige Besonderheiten in der Migrationsgesellschaft und befördern die Vorstellung, Judenfeindschaft sei in Deutschland ein "Importprodukt". Die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA) hat sich 2003 gegründet, um in einem migrantisch geprägten Stadtteil Berlins eine kritische Selbstreflexion anzustoßen. Heute zählt sie zu den bedeutendsten Organisationen im Kampf gegen Antisemitismus in Deutschland. Dervis Hizarci wird die Entstehung und Entwicklung der KIgA beleuchten und erklären, wo er heute die Ursachen für Antisemitismus in der Bundesrepublik Deutschland sieht und was man dagegen tun kann.

Dervis Hizarci, Vorsitzender der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus, arbeitete als Lehrer und ist Mitglied der internationalen Expertengruppe zum Thema Antisemitismus der OSZE Office for Democratic Institutions and Human Rights.

Moderation: Olaf Kistenmacher, Geschichtswissenschaftler.

Eine Veranstaltungsreihe der Landeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit der

  • Deutsch-Israelischen Gesellschaft e.V. Arbeitsgemeinschaft Hamburg
  • Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Hamburg e.V.
  • KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Ansprechpartner:
Abut Can
Wissenschaftlicher Referent, Migration und Integration
Dammtorstraße 14, 20354 Hamburg
Tel:  42823-4812
E-Mail: abut.can@bsb.hamburg.de

 

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