Veranstaltungsreihe 2019 Antisemitismus im 21. Jahrhundert

Was kann man dagegen tun?

Antisemitismus im 21. Jahrhundert

Die Judenfeindschaft nimmt sichtbar zu: Rechtsextreme Netzwerke erstellen Todeslisten, auf denen sich immer auch die Namen von prominenten Jüdinnen und Juden finden. In der AfD wird der völkische "Flügel" dominanter. Der alltägliche Antisemitismus wird ebenfalls aggressiver: Vor dem Hamburger Rathaus wird ein Rabbiner attackiert, antisemitische Beleidigungen gehören an vielen Orten mittlerweile zum üblichen Sprachgebrauch. Dass sich Jüdinnen und Juden in der Öffentlichkeit oft nicht zu erkennen geben, gilt fast als "normal". Seit November 2018 analysiert diese Veranstaltungsreihe die aktuellen Erscheinungsformen des Antisemitismus und stellt zugleich Initiativen und Personen vor, die mit pädagogischen Mitteln versuchen, diesen Tendenzen entgegenzuwirken.

Der Eintritt ist frei.

 

3. Dezember 2019, 19:00 Uhr

Petra Lotzkat | Johanna Jöhnck | Mascha Schmerling: Aufklärung gegen Antisemitismus - was ist in Hamburg zu tun?

Tschaikowsky-Saal im Tschaikowsky-Haus, Tschaikowskyplatz 2, 20355 Hamburg
In Berlin wurde vor zwei Jahren ein jüdischer Schüler so lange drangsaliert und attackiert, bis er die Schule wechselte. Seine Mutter hatte sich an die Öffentlichkeit gewandt, weil sie sich von der Schulleitung und den Lehrkräften zu wenig unterstützt fühlte. Ist ein ähnlicher Vorfall in Hamburg denkbar? Auch in der Hansestadt verschweigen viele jüdische Jugendliche ihre Identität. Was können die Bildungseinrichtungen tun, um an diesen Zuständen etwas zu ändern? Wie sollte man dem Problem Antisemitismus begegnen - präventiv und intervenierend? Wo muss angesetzt werden: bei den Schülerinnen und Schulen, bei den Lehrkräften, beim Lehrplan?

Es diskutieren: Petra Lotzkat, Staatsrätin der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, Johanna Jöhnck, am Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung zuständig für das Thema Antisemitismus und Mascha Schmerling, Bundeskoordinatorin und Teamerin von "Rent a Jew".

Moderation: Dr. Olaf Kistenmacher, Geschichtswissenschaftler.

 

VERGANGENE TERMINE

24. Januar 2019, 19 Uhr,

Protestantische Selbstbilder. Versuche selbstreflexiver Auseinandersetzungen mit Antisemitismus

Tschaikowsky-Saal im Tschaikowsky-Haus, Tschaikowskyplatz 2, 20355 Hamburg
Judenfeindschaft wird oft als Problem der Anderen betrachtet und politisch weit von der sogenannten gesellschaftlichen Mitte verortet. Antisemitismus hat aber nicht nur die Seite, die sich als Judenhass zeigt. Er hat ebenso eine versteckte Seite, die sich nur allzu gern der Reflexion entzieht. Mit dem Projekt „Antisemitismus und Protestantismus“ versuchen wir herauszufinden, was Antisemitismus mit „uns“ zu tun hat. Dies ist eine zentrale Voraussetzung für aufgeklärte Bildungsarbeit im evangelischen Bereich.

Referentin: Dr. Verena Haug, Leiterin des Projekts "Antisemitismus und Protestantismus" der Evangelischen Akademien in Deutschland.

Moderation : Olaf Kistenmacher, Geschichtswissenschaftler. 

12. Februar 2019, 18:30 Uhr,

"Die sind schuld!" Zum Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Antisemitismus

Vortragsraum der Landeszentrale für politische Bildung, Dammtorstraße 14, 20354 Hamburg.  5. OG
Die Teilnahme ist beschränkt auf 25 Personen. Eine Anmeldung ist erforderlich.
Judenfeindschaft findet sich in allen politischen Milieus und kommt auch regelmäßig in Bewegungen zum Vorschein, die sich als weder links noch rechts verstehen. Ein wesentlicher Grund besteht in der Wahrnehmung des Kapitalismus und in weit verbreiteten Bildern „der Ausbeuter“, die als ursächlich für Armut und Reichtum gesehen werden. Die Pädagogik gegen Antisemitismus muss diese für das antisemitische Weltbild essenziellen Vorstellungen bearbeiten und Schülerinnen und Schüler für diese Denkfiguren sensibilisieren. In dem Workshop soll mit dem Modul "Die verbrannte Leiche von Ocarina Island" eine konkrete Methode der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KigA) vorgestellt und diskutiert werden.

Referent: Mehmet Can ist Gymnasiallehrer für Geschichte und Politik, ehrenamtlich für die KIgA tätig und Trainer des Gedenkstättenpädagogikprojekts „Verunsichernde Orte“.

Moderation : Olaf Kistenmacher, Geschichtswissenschaftler.

26. März 2019, 19.00 Uhr

Der besondere Zusammenhang von Antisemitismus und Nationalismus

Tschaikowsky-Saal, Tschaikowskyplatz 2, 20355 Hamburg
In der Bildungsarbeit begegnen uns selten Jugendliche, die offen judenfeindlich sind. Häufig allerdings zeigt sich die Haltung, dass Jüdinnen und Juden irgendwie "anders als wir" seien. Dass „Andere“ zur Konstruktion eines „Wir“ dienen, zeigt sich ständig. „Die Juden“ im antisemitischen Weltbild aber unterscheiden sich kategorial von allen sonstigen Feindkonstruktionen – wie etwa in der Geschichte Deutschlands die Feindbilder Frankreich oder Russland: „Die Juden“ gelten als „antinational“, als die „Feinde aller Völker“, die jede Nation zersetzen. Thomas Haury wird an historischen und aktuellen Beispielen verdeutlichen, wie sich Nationalismus und Antisemitismus in der Moderne bedingen.

Dr. Thomas Haury ist Autor der Studie Antisemitismus von links. Kommunistische Ideologie, Nationalismus und Antizionismus in der frühen DDR (2002).

Moderation: Olaf Kistenmacher, Geschichtswissenschaftler. 

30. April 2019, 19.00 Uhr

Antisemitismus unter Muslimen – ein besonderes Problem? Erfahrungen aus der pädagogischen Praxis

Tschaikowsky-Saal, Tschaikowskyplatz 2, 20355 Hamburg
Judenfeindschaft unter Musliminnen und Muslimen in Deutschland ist ein umstrittenes Thema zwischen extremen Positionen: Einerseits wird das Problem geleugnet, andererseits dient es dazu, Antisemitismus auf „die Fremden“ zu projizieren. In der pädagogischen Arbeit mit muslimischen Jugendlichen begegnen uns verschiedene Gründe für antisemitische Positionen: fehlende Sachlichkeit bezüglich des Nahostkonflikts, Verschwörungstheorien, Auslegungen des Koran usw.

Ahmad Mansour wird erläutern, inwieweit Islamverständnisse dabei eine Rolle spielen und inwieweit die Probleme der Mehrheitsgesellschaft zu berücksichtigen sind, und er wird zeigen, welche Chancen zur pädagogischen Intervention sich gleichwohl bieten.

Ahmad Mansour ist Psychologe, Geschäftsführer von  „Mind prevention: Initative für Demokratieförderung und Extremismusbekämpfung" mit Sitz in Berlin und Autor des Buches „Klartext zur Integration – Gegen falsche Toleranz und Panikmache.“

Moderation : Olaf Kistenmacher, Geschichtswissenschaftler. 

21.  Mai 2019, 19.00 Uhr

Lernen über den Nahostkonflikt als Prävention von Antisemitismus?

Tschaikowsky-Saal, Tschaikowskyplatz 2, 20355 Hamburg
Vor allem in den kriegerischen Phasen des Nahostkonflikts kommt es auch in Deutschland immer wieder zu offen antisemitischen Äußerungen, teilweise lässt sich die Ausrichtung und Stimmung auf Protestveranstaltungen als antisemitisch beschreiben. Viele erheben die Forderung, in Schulen sollte der Nahostkonflikt zum obligatorischen Thema werden, um antisemitischen Deutungen des Nahostkonflikts entgegenzuwirken. Zwei Fragen ergeben sich daraus: Warum und wie soll Wissen über den Konflikt und seine Hintergründe Antisemitismus verhindern? Welche Kompetenzen brauchen Lehrkräfte, um den Unterricht zielführend zu gestalten? Rosa Fava hat Fortbildungsangebote und Lernmaterialen dazu analysiert und stellt ihre Ergebnisse sowie Empfehlungen vor.

Dr. Rosa Fava, Mitarbeiterin der Amadeu-Antonio-Stiftung, war Leiterin des Projekts "Didaktik des Nahostkonflikts" am Jüdischen Museum Berlin.

Moderation: Olaf Kistenmacher, Geschichtswissenschaftler.

28. Mai 2019, 18.00 Uhr

"Der (neue?) Antisemitismus in Deutschland und Europa"

Haus der Patriotischen Gesellschaft von 1765 (Altes Rathaus Hamburg), 20457 Hamburg, Trostbrücke 4- 6

Vortragsveranstaltung mit Podiumsdiskussion
Mit zwei Vorträgen von Prof. Dr. Wolfgang Benz, zum Thema "Historisch-politische Wurzeln des Antisemitismus" und Dr. Felix Klein, Beauftragter der Bundesregierung für Jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus, zum Thema "Die europäische Dimension des Antisemitismus“ spricht diese Veranstaltung insbesondere Jugendliche, Schülerinnen und Schüler sowie Studierende an mit dem Ziel, vorhandene Informationsdefizite abzubauen und das Problembewusstsein in Bezug auf den alltäglichen Antisemitismus zu schärfen.

Im Anschluss findet eine Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Wolfgang Benz, Dr. Felix Klein und Prof. Dr. Miriam Rürup (Institut der Geschichte der deutschen Juden) statt.

Moderation: Dr. Sabine Bamberger-Stemmann, Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

Musikalische Begleitung: Gustav Mahler, Klavier Quartett internationale junge Künstler des Vereins „Klassische Musik und Kultur für Kinder“

Eine Veranstaltung der Patriotischen Gesellschaft von 1765 und der Landeszentrale für politische Bildung

6. Juni 2019, 19.00 Uhr

Wer hat das Problem: die Mehrheit oder die Minderheiten? Antisemitismus in der Migrationsgesellschaft

Tschaikowsky-Saal, Tschaikowskyplatz 2, 20355 Hamburg
Viele Diskussionen zur Pädagogik gegen Antisemitismus konzentrieren sich auf etwaige Besonderheiten in der Migrationsgesellschaft und befördern die Vorstellung, Judenfeindschaft sei in Deutschland ein "Importprodukt". Die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA) hat sich 2003 gegründet, um in einem migrantisch geprägten Stadtteil Berlins eine kritische Selbstreflexion anzustoßen. Heute zählt sie zu den bedeutendsten Organisationen im Kampf gegen Antisemitismus in Deutschland. Dervis Hizarci wird die Entstehung und Entwicklung der KIgA beleuchten und erklären, wo er heute die Ursachen für Antisemitismus in der Bundesrepublik Deutschland sieht und was man dagegen tun kann.

Dervis Hizarci, Vorsitzender der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus, arbeitete als Lehrer und ist Mitglied der internationalen Expertengruppe zum Thema Antisemitismus der OSZE Office for Democratic Institutions and Human Rights.

Moderation: Olaf Kistenmacher, Geschichtswissenschaftler.

22. Oktober 2019, 19:00 Uhr

Marina Chernivsky: Multiperspektivität in der antisemitismuskritischen Pädagogik

Tschaikowsky-Saal, Tschaikowskyplatz 2, 20355 Hamburg
In der Schule wird der Antisemitismus oft noch ausschließlich im Kontext der Geschichtsvermittlung behandelt. Die Häufigkeit und Intensität antisemitischer Vorfälle erfordern es allerdings, in der Gegenwart anzusetzen und neue (selbstreflexive und dialogische) Präventions- und Interventionsansätze für die pädagogische Praxis zu entwickeln. Wie tritt der Antisemitismus in Bildungskontexten in Erscheinung? Wie können pädagogische und soziale Fachkräfte darin unterstützt werden, antisemitismuskritisch zu intervenieren? Wie ist die Situation jüdischer Schüler*innen und ihrer Familien angesichts der sich häufenden Vorfälle?

Marina Chernivsky leitet das Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland, ist Mitglied im Unabhängigen Expertenkreis Antisemitismus des Deutschen Bundestages und Mitherausgeberin der Zeitschrift "Jalta – Positionen zur jüdischen Gegenwart".

Moderation: Dr. Olaf Kistenmacher, Geschichtswissenschaftler.

Eine Veranstaltungsreihe der Landeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit der

  • Deutsch-Israelischen Gesellschaft e.V. Arbeitsgemeinschaft Hamburg
  • Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Hamburg e.V.
  • KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Ansprechpartner:
Abut Can
Wissenschaftlicher Referent, Migration und Integration
Dammtorstraße 14, 20354 Hamburg
Tel:  42823-4812
E-Mail: abut.can@bsb.hamburg.de