Ausstellung 6.11. bis 12.12.2019 Leben in der Utopie - Der Alltag in einem verschwundenen Staat

Sonderausstellung zum 30. Jahrestag der friedlichen Revolution in der DDR und des Mauerfalls

Weltanschauung, Heiligendamm 1988

Leben in der Utopie - Der Alltag in einem verschwundenen Staat

Termin:

Dienstag, 5. November bis Donnerstag, 12. Dezember 2019

Ausstellungs- und Veranstaltungsort:

Mahnmal St. Nikolai, Willy-Brandt-Str. 60, 20457 Hamburg

In Kooperation mit dem Mahnmal St. Nikolai e.V.

Geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr, der Eintritt ist frei.

Stasi, Mauer, Stacheldraht – das sind die Gräuel, die viele Menschen weltweit mit der SED-Diktatur verbinden. Doch wer das Leben in der DDR verstehen will, muss sich auch mit ihrem Alltag auseinandersetzen. Erst dies ermöglicht ein konkretes Bild der Befindlichkeit der ostdeutschen Bürgerinnen und Bürger, die zwangsweise mit den politischen Um- und Zuständen ihres Landes zurechtkommen mussten.

Anlässlich des 30. Jahrestages der friedlichen Revolution in der DDR und des Mauerfalls zeigen der Förderkreis Mahnmal St. Nikolai e.V. und die Landeszentrale für politische Bildung Hamburg Fotos von Siegfried Wittenburg, der heute einem großen Publikum durch seine viel beachteten Beiträge auf dem Zeitgeschichten-Portal einestages (SPIEGEL ONLINE) bekannt ist. Begonnen zu fotografieren hat Wittenburg in der DDR der späten siebziger Jahre. Der Autodidakt nahm ab 1981 an Ausstellungen teil, wurde Leiter eines Fotoklubs. Als er sich der Zensur seiner Fotografien verweigerte, musste er zeitweilig seine Funktion aufgeben, erhielt Hausverbot.

Eine Kooperation des Förderkreises Mahnmal St. Nikolai e.V. und der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

Ausstellung vom 6. November bis 12. Dezember 2019

 

5. November 2019, 18 Uhr
Ausstellungseröffnung

Begrüßung mit Klaus Francke, Vorsitzender des Fördervereins Mahnmal St. Nikolai, und Dr. Sabine Bamberger-Stemmann, Direktorin der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg

Alltagsleben in einer Diktatur. Ein Gespräch mit Siegfried Wittenburg,
Moderation Dr. Jens Hüttmann, Stellvertretender Direktor der Landeszentrale, anschließend Ausstellungsrundgang

 

2. Dezember 2019, 18 Uhr
Mein bester Freund wohnt auf der anderen Seite

Musik- und Vortragsprogramm mit Stephan Krawczyk, Musiker und Schriftsteller, Berlin

Damals schlug die Kraft seiner Lieder und Worte an die schon bröckelnde Mauer, zuerst von Osten her, nach seiner Abschiebung von Westen. Damals war er zuerst Chansonstar der DDR, danach Held der Bürgerrechtsbewegung, später Stardissident, Politstar, Medienstar. Heute stellt sich Stephan Krawczyk seinen Erfahrungen, um über die jüngere deutsche Geschichte aufzuklären.

In seinem Programm „Mein bester Freund wohnt auf der anderen Seite“ liest Krawczyk aus gleichnamiger Erzählung. Es ist die Geschichte von Simon und Ronald, zwei Siebzehnjährigen, die sich auf der Plattform des Berliner Fernsehturms während eines Klassenausflugs kennenlernen und über das Interesse an derselben Musik anfreunden. Simon wohnt in West-, Ronald in Ostberlin. Ronalds Vater ist Genosse und Mitarbeiter des Magistrats von Berlin, Hauptstadt der DDR, Simons Vater ist Handwerker in Berlin-Kreuzberg. Wegen seines Vaters darf Ronald keine Westkontakte haben. Trotzdem schreibt er Briefe an Simon, trifft sich heimlich mit ihm in Ost- Berlin. Es hat Konsequenzen für beide.

Während des 90-minütigen Vortrags singt Stephan Krawczyk auch einige seiner Lieder, die in der DDR entstanden sind, und kommt mit den Zuhörern ins Gespräch.

 

9. Dezember 2019, 18 Uhr
Wie stehen Sie zur Macht? Die friedliche Revolution in der DDR, die Einheit und die Schulen in Deutschland

Vortrag und Diskussion mit Dr. Stefan Küchler, Schulleiter der Goethe-Sekundarschule in Ilsenburg, Sachsen-Anhalt

Ende der 1950er Jahre in Magdeburg geboren, verlief Stefan Küchlers Leben in der DDR in festen Bahnen und war berechenbar. Sein Werdegang war klar: Nach dem Kindergarten absolvierte er bis zum Abitur die Schule in der ostdeutschen Diktatur. Danach folgte der obligatorische 18-monatige in der Nationalen Volksarmee und ein Studium in den Fächern Geschichte und Sport mit dem Abschluss Diplomlehrer.

Erste Erfahrungen im Klassenzimmer sammelte Küchler ab 1984 an der 26. Polytechnischen Oberschule (POS) in Halle-Neustadt. Ab 1987 wechselte er aus dem Schulsystem in den Fachbereich Geschichte der Hochschule in Magdeburg und arbeitete dort als wissenschaftlicher Assistent. Zwei Jahre später fegte mit der friedlichen Revolution in der DDR ein Orkan nicht nur durch sein Leben. Kein Stein blieb auf dem anderen. Ob familiär, beruflich oder institutionell – alles war neu. Küchler bewarb sich kurz vor der deutschen Einheit auf die öffentliche Stellenausschreibung eines Schulleiters ab 1. November 1990 – und wurde genommen …

 

Verantwortlich: Dr. Jens Hüttmann