Sachstand und Perspektiven Hamburg hilft obdach- und wohnungslosen Menschen

Senat legt Bericht zur Fortentwicklung der Wohnungslosenhilfe vor. Über 400 Menschen haben nach dem Ende des Winternotprogramms eine Unterkunft.

Niedrigschwellig helfen, Unterbringungen bereitstellen, Integration und Vermittlung leisten, für Wohnraum sorgen und schon die Entstehung von Wohnungslosigkeit vermeiden – in diesen Handlungsfeldern bietet Hamburg jeweils umfassende, aufeinander abgestimmte Angebote. Der Senat legte heute einen Bericht zur Fortentwicklung der Wohnungslosenhilfe in Hamburg vor und blickte auch auf das vergangene Winternotprogramm (WNP) zurück.

Hamburg hilft obdach- und wohnungslosen Menschen

Fortentwicklung der Wohnungslosenhilfe
Die Öffentliche Unterbringung, zu der neben dem WNP auch die öffentlich-rechtliche Unterbringung mit rund 5000 Plätzen für Wohnungslose sowie spezielle Angebote wie das Jungerwachsenenprojekt zählen, ist dabei nur ein Baustein im städtischen Gesamtkonzept. 

Parallel zu den erheblichen Anstrengungen in der Bewältigung der Flüchtlingskrise wurde auch die Unterbringung nicht zugewanderter wohnungsloser Menschen in erheblichem Umfang ausgebaut: Für zusätzlich 1.500 Wohnungslose konnten so Plätze geschaffen werden. Positiv wirkt sich auch die Verstärkung des Personals im Unterkunfts- und Sozialmanagement und in der sozialpädagogischen Einzelfallbetreuung aus.

Das Ziel bleibt stets, Menschen in Wohnraum zu vermitteln, wofür allein 300 Wohnungen jährlich für vordringlich Wohnungsuchende geschaffen werden, bzw. dafür zu sorgen, dass sie ihre Wohnung gar nicht erst verlieren – durch die Vermeidung von Räumungen, frühzeitige Beratung und Sozialmanagement. Die Fachstellen für Wohnungsnotfälle leisten hier eine erfolgreiche Arbeit: Seit 2013 stieg die Zahl der Wohnungsvermittlungen um 70 Prozent, rund 10.000 Haushalte wurden seither vermittelt.

Einen weiteren Beitrag zu Prävention und Integration leisten die vielfältigen sozialen Beratungsstellen, darunter auch solche, die sich explizit an EU-Zugewanderte richten. Sie helfen, in das weitere Hilfesystem zu vermitteln und so das Leben auf der Straße nicht zu verstetigen, sondern einen Ausweg zu bieten. 

Für Menschen, die jedoch obdachlos sind, bieten beispielsweise Tagesaufenthaltsstätten, Gesundheitsversorgung und Straßensozialarbeit vielfältige niedrigschwellige Hilfen, die von jedem in Anspruch genommen werden können: Die Tätigkeit der drei Schwerpunktpraxen etwa wurde dauerhaft gesichert; die Straßensozialarbeit für obdachlose Menschen ist deutlich verstärkt worden.

„Wir tun sehr viel dafür, dass in Hamburg auch denen geholfen wird, die ein eine Notsituation gekommen sind. Wer seine Wohnung verliert, benötigt schnelle Hilfe. Dafür sorgen wir. Wer auf der Straße lebt, hat oft schon etliche schwierige Situationen hinter sich und Probleme im Gepäck. Einfache Lösungen gibt es dann meist nicht – sondern es braucht eine Beratung und Begleitung, die sich diesen Problemen widmet. So unterschiedlich die Bedarfe sind, so unterschiedlich sind auch unsere Unterstützungsangebote, Einrichtungen und Maßnahmen“, sagt Sozialsenatorin Dr. Melanie Leonhard.

Winternotprogramm 2018/19

Von den 760 Plätzen, die im Rahmen des Winternotprogrammes 2018/19 zusätzlich zu den regulären Möglichkeiten zur Verfügung stehen, wurden durchschnittlich 545 Schlafplätze in Anspruch genommen. In jeder Nacht gab es freie Plätze. Die Standards im Winternotprogramm wurden seit Jahren kontinuierlich erhöht und beinhalten heute fest vergebene Betten, abschließbare Schränke, nächtliche Sicherheitsdienste, Waschgelegenheiten und Beratungsangebote.

Zwar sind die Auswertungen noch nicht abgeschlossen, doch bereits zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich sagen, dass über 400 zuvor obdachlose Menschen in eine Unterkunft vermittelt werden konnten. Diese Zahl wird noch steigen, wenn die Vermittlungen aus weiteren WNP-Standorten und die Vermittlungen bspw. in Betreutes Wohnen, Pflegeeinrichtungen oder andere stationäre Hilfeeinrichtungen einbezogen werden. Damit sind nochmals mehr Menschen als im vergangenen Jahr vermittelt worden.

Sozialsenatorin Dr. Melanie Leonhard: „Neben einem Dach über dem Kopf bietet das Winternotprogramm auch menschliche Wärme. Diese Aufgabe stemmt die Stadt gemeinsam: Von Herzen danke ich allen Ehrenamtlichen und Hauptberuflichen, die sich in der Hilfe für Obdachlose engagieren! Durch Beratungsangebote ist das Winternotprogramm nicht nur Unterbringung, sondern ermöglicht auch Perspektiven. Ich bin froh, dass viele Menschen nicht in das Leben auf die Straße zurückkehren müssen, sondern nun eine Unterkunft haben.“

Fachleute diskutieren Herausforderungen in der Obdachlosigkeit angesichts von Zuwanderung

Anfang des Jahres hat der Senat die Ergebnisse einer Befragung obdachloser, auf der Straße lebender Menschen und wohnungsloser, öffentlich-rechtlich untergebrachter Haushalte veröffentlicht (Obdach- und Wohnungslosenuntersuchung).

Die Untersuchung hatte unter anderem festgestellt, dass weniger Menschen mit deutscher Nationalität auf der Straße leben, zugleich aber einen Anstieg der Zahl obdachloser Menschen zum Beispiel aus osteuropäischen Staaten belegt. Diese zuwanderungsbedingte Veränderung stellt die Strukturen, in denen obdachlosen Menschen geholfen wird –  bei der Stadt und von der Stadt finanzierten Hilfsangeboten bei freien Trägern –  vor Herausforderungen.

Gemeinsam mit den Akteuren des Hilfesystems für Obdach- und Wohnungslose sollen daher nun geeignete Handlungsansätze erarbeitet werden. Dazu dient ein Fachtag am 2. Mai, zu dem bereits eingeladen worden ist und dessen Ergebnisse in die weitere behördliche und parlamentarische Beratung eingehen werden.

Eine umfassende Übersicht über das soziale Hilfesystem für wohnungslose Menschen ist im Internet abrufbar. Unter www.hamburg.de/obdachlosigkeit finden sich weitere Hintergrundinformationen. Dort steht auch der heute vorgelegte Sachstandsbericht  zur Verfügung.

Kontakt

Martin Helfrich

Pressesprecher

Pressestelle der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration
Hamburger Straße 47
22083 Hamburg
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