Suchtprävention Erfreuliche Entwicklung: Alkohol- und Tabakkonsum der Hamburger Jugendlichen bleibt stabil auf niedrigem Niveau

Laut SCHULBUS-Studie nimmt Konsum von E-Zigaretten und E-Shishas zu – Gesundheitssenatorin Prüfer-Storcks setzt sich für ein Werbeverbot ein

Die Ergebnisse der aktuellen SchülerInnenbefragungen zum Umgang mit Suchtmitteln (SCHULBUS) aus 2018 zeigen, dass die Suchtprävention in Hamburg gut aufgestellt ist. Der Hamburger Ansatz, auf eine konsequente Verzahnung von verhaltens- und verhältnispräventiven Maßnahmen zu setzen, zahlt sich nachhaltig aus: So blieb der Alkoholkonsum bei Jugendlichen auf dem vergleichsweise niedrigen Niveau des Jahres 2015. Die Zahl der Krankenhausaufenthalte aufgrund von Alkoholvergiftungen bei Jugendlichen ging sogar zurück. Eine Zunahme ist bei der missbräuchlichen Nutzung des Internets zu erkennen – vor allem bei jungen Frauen. Zugenommen hat auch die Beliebtheit von E-Zigaretten und E-Shishas. So zeigt die SCHULBUS-Studie klare Hinweise auf, dass Jugendliche über das so genannte „Dampfen“ von E-Zigaretten und E-Shishas zum Nikotinrauchen gelangen. Vor diesem Hintergrund plädiert Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks für ein Werbeverbot für die E-Produkte analog zum Verbot der Tabakwerbung.

Laut SCHULBUS-Studie nimmt Konsum von E-Zigaretten und E-Shishas zu – Gesundheitssenatorin Prüfer-Storcks setzt sich für ein Werbeverbot ein

Die Zahlen der Studie, für die 1.033 Schülerinnen und Schüler im Alter von 14 bis 17 Jahren befragt wurden, verdeutlichen, dass sich beim Alkoholkonsum der Jugendlichen die erfreuliche Entwicklung nicht nur beim allgemeinen Konsum niederschlägt, sondern auch beim problematischen, so genannten „Binge Drinking“. Nur noch 17 Prozent der Jugendlichen gaben 2018 an, im letzten Monat mehr als fünf alkoholische Getränke bei einer Trinkgelegenheit konsumiert zu haben (= Binge Drinking). In 2012 hatten noch 31 Prozent der Jugendlichen angegeben, Rauschtrinken zu praktizieren. Auch die Fallzahlen der Krankenhausaufenthalte aufgrund von Alkoholintoxikation in Hamburg sind abermals gesunken.

„Der rückläufige Tabakkonsum unter Jugendlichen zeigt einmal mehr deutlich, dass sich eine konsequente Kombination von verhaltens- und verhältnispräventiven Maßnahmen auszahlt. Denn die Informations- und Aufklärungsangebote zu den Risiken des Suchtmittelkonsums entfalten erst dann ihre volle Wirksamkeit, wenn sie auch durch entsprechend steuerungspolitische Regelungen wie Kaufbeschränkungen für Jugendliche, Rauchverbote und Steuern, glaubhaft unterfüttert werden. Die Suchtprävention in Hamburg funktioniert, das zeigen die Konsumzahlen. Ziel muss es sein, die Prävention und Aufklärung weiter auf hohem Niveau zu halten, um Jugendliche vor den gesundheitlichen Risiken des Suchtmittelkonsums zu schützen“, so Senatorin Prüfer-Storcks. Soziologe Theo Baumgärtner von SUCHT.HAMBURG betont, dass es dafür klarer, deutlicher und widerspruchsfreier Botschaften bedarf, da Jugendliche sehr sensibel auf Widersprüche reagieren.

Ebenfalls erfreulich ist die Entwicklung beim Tabakkonsum von Jungen und Mädchen. In den letzten 30 Tagen hatten 21 Prozent der Jungen und 22 Prozent der Mädchen geraucht. Damit stabilisieren sich die Konsumwerte bei beiden Geschlechtern weiterhin auf dem in 2015 erreichten niedrigen Niveau. In 2012 hatten noch 35 Prozent der Jungen und 33 Prozent der Mädchen angegeben, im letzten Monat geraucht zu haben.

Deutlich zugenommen hat hingegen die Beliebtheit von E-Zigaretten und E-Shishas. Die Anzahl der jungen DampferInnen hat sich in den letzten drei Jahren um sechs Prozentpunkte auf 17 Prozent in 2018 erhöht. Das vermeintlich harmlose Dampfen von E-Zigaretten und E-Shishas, oft versetzt mit Aromen wie Apfel oder Erdbeere, ist für Jugendliche nicht selten der Einstieg in das Rauchen von Zigaretten, da früh das inhalative Konsumieren erlernt wird.

Gesundheitssenatorin Prüfer-Storcks: „Für langjährige Raucher können E-Zigaretten ein Ausstieg aus dem Tabakkonsum sein. Bei Jugendlichen ist es jedoch umgekehrt: E-Zigaretten und E-Shishas, bei denen überdies gesundheitsschädliche Schadstoffe freigesetzt werden, sind oft ein Einstieg in das Nikotinrauchen, weil sie bei jungen Menschen die Hemmschwelle senken, Rauch zu inhalieren. Anstatt ihnen zu suggerieren, dass E-Zigaretten harmloser seien als herkömmliche, sollten junge Menschen vor dem Einstieg in eine Raucherkarriere geschützt werden. Wünschenswert wäre deshalb ein umfassendes Werbeverbot, das sowohl für herkömmliche Tabakprodukte als auch für E-Zigaretten, E-Tabakerhitzer und sonstige neue E-Nikotinprodukte gleichermaßen gilt – als wirkungsvolle Maßnahme für den Gesundheitsschutz der gesamten Bevölkerung, insbesondere aber für den Schutz der Kinder und Jugendlichen.“

Der Konsum illegaler Drogen bleibt auf niedrigem Niveau. Ein leichter, nicht signifikanter Anstieg ist beim Konsum von Cannabis zu verzeichnen (von zwölf auf 14 Prozent), wobei die Zahl der Cannabis-KonsumentInnen mit problematischem Konsum leicht abgenommen hat (von sechs auf fünf Prozent, ebenfalls nicht signifikant). Neben der Fortsetzung der bisherigen Maßnahmen (Kampagne „Bleib Stark, bleib Du selbst“) soll das Projekt FreD (frühe Intervention bei erstauffälligen DrogenkonsumentInnen) weiterentwickelt werden, um mehr abhängige junge Menschen noch schneller zu erreichen.

Deutlichere Zunahmen sind bei der missbräuchlichen Nutzung des Internets festzustellen, hier insbesondere bei jungen Frauen, die sich zunehmend in sozialen Netzwerken verlieren. Vor allem bei jungen Männern ist eine Zunahme beim unverhältnismäßigen Konsumieren von Computerspielen ablesbar. Das SuchtPräventionsZentrum der Behörde für Schule und Berufsbildung bietet zur Prävention von (online) Computerspiel- und Internetsucht ein breites Angebot an Unterstützung für pädagogisches Personal, Eltern sowie Schülerinnen und Schüler an.

Erfreulich ist, dass das durchschnittliche Erstkonsumalter bei Alkohol, Tabak und Cannabis angestiegen ist. Mit der SCHULBUS-Studie liegen repräsentative Daten über den Suchtmittelkonsum von Jugendlichen in Hamburg über einen Zeitraum von fast 15 Jahren vor. Zeitgleich mit der Veröffentlichung der SCHULBUS-Daten gibt der aktuelle Suchtpräventionsbericht 2019 Informationen zu suchtpräventiven Konzepten, Projekten und Maßnahmen der letzten Jahre. Auf 44 Seiten werden Strukturen beschrieben, Einrichtungen vorgestellt und Suchtpräventionsangebote beschrieben. Eine Auflistung von Kontaktdaten runden den Bericht ab, der von den drei Fachstellen für Suchtprävention in Hamburg, dem SuchtPräventionsZentrum, dem Deutschen Zentrum für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters und von SUCHT.HAMBURG herausgegeben wurde und ab sofort kostenlos bei SUCHT.HAMBURG erhältlich ist.

Die Berichte stehen unter www.sucht-hamburg.de/information/publikationen als Download zur Verfügung.

Kontakt

Dennis Krämer

Pressesprecher

Pressestelle der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz
Billstraße 80
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