SothA Kongress 2019 Neugestaltung der Sozialtherapie wichtiges Thema auf der 17. Fachtagung sozialtherapeutischer Einrichtungen

Unter dem Motto "Ein halbes Jahrhundert Sozialtherapie im Strafvollzug - Blick zurück nach vorn" treffen sich Expertinnen und Experten der Sozialtherapie, um über zukünftige Entwicklungen und Herausforderungen der Sozialtherapie in Deutschland zu diskutieren. Die Sozialtherapie feiert ihr 50-jähriges Jubiläum in Deutschland.

Gruppenfoto von drei Frauen und einem Mann vor einer Baumreihe und einer Straße im Hintergrund. (v. l. nach r.) Dr. Elisabeth Steffens, Fachreferentin für Sozialtherapie. Dr. Till Steffen, Senator der Justizbehörde. Friederike Klose, Anstaltsleiterin Sozialtherapie. Cornelia Musolff, Therapeutische Leiterin und stellvertretende Anstaltsleiterin

Neugestaltung der Sozialtherapie wichtiges Thema auf dem 17. Sotha Kongress

Justizsenator Dr. Till Steffen sagt: "Wir haben in der Sozialtherapie viel vor: Unser therapeutisches Konzept stellen wir gänzlich auf die Milieutherapie um. Das bedeutet, dass wir die Wohngruppengröße halbieren und alle in der Anstalt tätigen Bediensteten in diese Gruppen fest integrieren. Die Gefangenen sollen den ganzen Tag von Psychologinnen, Psychologen und Vollzugsmitarbeiterinnen und -mitarbeitern in ihrem Alltag unterstützt und begleitet werden. Die Schweiz hat gute Erfahrungen damit gemacht. Von dem Kongress versprechen wir uns einen Erfahrungsaustausch mit Anstalten, die dies bereits anwenden und weitere Impulse, wie wir die Milieutherapie am sinnvollsten umsetzen. Mit diesem Weg setzt sich die Sozialtherapie in Hamburg wieder einmal an die Spitze der bundesweiten Entwicklung."

50 Jahre Sozialtherapie in Deutschland

Mit den ersten sozialtherapeutischen Einrichtungen in Hamburg-Bergedorf und auf dem Hohenasperg in Baden-Württemberg begründete sich die Sozialtherapie vor 50 Jahren in Deutschland. Anlässlich dieses Jubiläums ist es besonders treffend, dass nach 1988 der sozialtherapeutische Kongress in diesem Jahr wieder in Hamburg zusammenkommt. Bei der Fachtagung der sozialtherapeutischen Einrichtungen im Vollzug diskutieren Expertinnen und Experten aus den Bereichen der Rechtswissenschaft, Psychologie, Kriminologie und Soziologie bis hin zur Psychiatrie über Schritte zur nachhaltigen Qualitätsverbesserung der Arbeit in und von sozialtherapeutischen Einrichtungen.

In den kommenden Tagen werden in verschiedenen Workshops, Exkursionen und Vorträgen Möglichkeiten maßgeschneiderter und zugleich flexibler Therapien vorgestellt und die Optimierung der Reintegrationsmaßnahmen diskutiert. Hierbei soll der Fokus auf zukünftigen Entwicklungen, wie zum Beispiel der Milieutherapie, liegen. Das Programm sowie weitere Informationen zur Tagung sind auf der Website https://www.sotha-2019.de/ zu finden.

Entwicklung der Sozialtherapie in Hamburg

Die Hamburger Sozialtherapie hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Obwohl Hamburg vor 50 Jahren eine der ersten sozialtherapeutischen Anstalten Deutschlands aufwies, konnte die Hansastadt ihre Vorreiterrolle nicht weiter ausbauen. Zwischenzeitlich gab es sozialtherapeutische Anstalten in Neuengamme und die Übergangsanstalt "Moritz-Liepmann-Haus". Diese wurden 2005 geschlossen und in die JVA Fuhlsbüttel integriert. Dies war ein herber Schlag für den Opferschutz. 2009 wurde die Fehlentscheidung korrigiert und die Sozialtherapie in eine eigenständige Anstalt überführt. Im Rahmen der konzeptionellen Weiterentwicklung des gesamten Hamburger Vollzugs, arbeitet die Hansastadt an einem modernen sozialtherapeutischen Konzept. An diesem Konzept sollen zukünftige Räumlichkeiten der Sozialtherapie frühzeitig angepasst werden.

Das Hamburgische Resozialisierungs- und Opferhilfegesetzes

Am 1. Januar 2019 ist das HmbResOG in Kraft getreten. Hamburg führt ein eigen finanziertes und gesetzlich verankertes Übergangsmanagement ein. Sechs Monate vor und nach der Haftentlassung werden die Hilfsangebote durch dieses Übergangsmanagement koordiniert. Kurz gesagt: Strafgefangene in Hamburg haben jetzt einen Rechtsanspruch auf einen Eingliederungsplan.

Besonders in den ersten sechs Monaten zurück in Freiheit ist statistisch gesehen die Gefahr einer erneuten Straffälligkeit am höchsten. Die Strafgefangenen werden daher nach der Entlassung nicht alleine gelassen, um dem sogenannten "Entlassungsloch" entgegenzuwirken und die Rückfallquote zu senken. Justizsenator Dr. Till Steffen weiß: "Man sieht sich immer zweimal im Leben! Bei der Resozialisierung ist es genau andersherum: Der größte Erfolg ist es, wenn wir die Menschen in den Haftanstalten nicht wiedersehen."

Presseservice