Unterichtsqualität Minimale Verbesserungen für Hamburgs Neuntklässler

Schulsenator Ties Rabe: „Das ist nicht genug, wir wollen und müssen besser werden“

Die Leistungen der Hamburger Schülerinnen und Schüler in Klasse 9 in den Fächern Mathematik, Biologie, Chemie und Physik sind in den letzten sechs Jahren mit minimalen Verbesserungen weitgehend unverändert geblieben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Kultusministerkonferenz. Demnach stieg in Hamburg der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die die Regelstandards in den so genannten MINT-Fächern erreichten, um durchschnittlich 0,5 Prozent. In acht der 16 Bundesländer haben sich die Schülerleistungen erheblich und in weiteren vier Ländern tendenziell verschlechtert, nur drei Länder konnten sich verbessern. Hamburg konnte seinen Leistungsstand halten. Dennoch ist Schulsenator Ties Rabe nicht zufrieden. „Das ist nicht genug. Denn in den letzten Jahren sind wir in anderen Fächern und Jahrgangsstufen im Bundesvergleich viel weiter vorangekommen. Zwar ist Hamburg jetzt auch in Mathematik auf den elften Platz der 16 Bundesländer vorgerückt, aber in den Naturwissenschaften bleiben wir vorletzter. Das ist ärgerlich und muss dringend besser werden, auch wenn Hamburg besonders viele Schülerinnen und Schüler aus bildungsfernen Familien hat.“

Schüler auf dem Schulhof

Minimale Verbesserungen für Hamburgs Neuntklässler

Die Studie des „Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen“ IQB (Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen) im Auftrag der Kultusministerkonferenz zeigt, dass bundesweit die Leistungen in Klasse 9 in Mathematik, Biologie und Physik im Vergleich zur letzten Studie minimal schwächer geworden sind, nur in Chemie ist der bundesweite Leistungsabfall etwas deutlicher. Bei genauerer Betrachtung ergeben sich allerdings Auffälligkeiten. So weisen acht Länder – insbesondere die ostdeutschen Länder - deutlich schlechtere Leistungen auf als vor sechs Jahren. Vier weitere Länder haben sich tendenziell verschlechtert. Doch leichte und stärkere Verbesserungen in den besonders bevölkerungsreichen Ländern Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg kompensieren diesen Abwärtstrend, sodass sich der Bundesdurchschnitt nicht verändert hat. Hamburg liegt in Bezug auf die Veränderungen hinter den drei führenden Ländern auf Platz vier.

Die Studie ist die erste seriöse Studie, die auch den Leistungsstand der zugewanderten und nach Deutschland geflüchteten Kinder in die Gesamtbetrachtung einbezieht. Große Unterschiede ergeben sich hinsichtlich der sozialen Zusammensetzung der Schülerschaft in den einzelnen Bundesländern. So bewegt sich der Anteil von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf an den allgemeinen Schulen je nach Bundesland zwischen einem und über sieben Prozent. Hamburg hat mit knapp sechs Prozent einen sehr hohen Anteil von förderbedürftigen Kindern unter den getesteten Schülern. Zudem weist Hamburg mit 47,2 Prozent wie auch die Bundesländer Baden-Württemberg (43,2 Prozent), Hessen (44,7 Prozent), Berlin (47,1 Prozent) und Bremen (49,9 Prozent) die höchsten Anteile von Jugendlichen mit Migrationshintergrund auf.

Die Studie kommt auch zu dem Ergebnis, dass die Leistungen gerade an den Gymnasien bundesweit etwas stärker zurückgegangen sind. Allerdings erzielen Länder, die nur wenige Schülerinnen und Schüler an den Gymnasien zulassen, mit dieser Strategie keineswegs bessere Leistungsergebnisse als Länder wie Hamburg, in denen sehr viele die Gymnasien besuchen können. Schulsenator Ties Rabe: „Die Studie bestätigt in diesem Punkt die Hamburger Strategie, den Besuch der Gymnasien nicht künstlich zu erschweren.“

In den IQB-Studien der letzten Jahre ergab sich für Hamburg eine sehr positive Entwicklung. In allen Lernbereichen und Klassenstufen konnten Hamburgs Schülerinnen und Schüler deutlich aufholen. Im Vergleich zum Bundestrend konnte Hamburg beispielsweise den Anteil der Viertklässler, die die Regelstandards in Deutsch und Mathematik erreichten, um 6,2 Prozent steigern und damit deutlich aufholen. In Klasse 9 übertrafen Hamburgs Schülerinnen und Schüler sogar erstmals den Bundesdurchschnitt. Hier stieg die Zahl der Jugendlichen, die die Regelstandards in Deutsch und Englisch erreichten, bundesweit von 50,2 auf 53,5 Prozent, in Hamburg jedoch sogar von 45,8 auf 53,8 Prozent. Diese erfreuliche Entwicklung korrespondierte mit deutlichen Verbesserungen des Leistungsstands in den einzelnen Fächern. So verbesserten sich Hamburgs Viertklässler im Vergleich zum  Bundesdurchschnitt in Deutsch und Mathematik um durchschnittlich 15 Punkte. Auch in Klasse 9 legten sie im Vergleich zum  Bundesdurchschnitt in Deutsch und Englisch mit einem Zuwachs von 11 Punkten deutlich zu.

Im Vergleich dazu zeigt die neue Studie, dass sich die Leistungen in Klasse 9 in den MINT-Fächern im Verhältnis zum Bundesdurchschnitt nur minimal verbessert haben. Aufgrund der erheblichen Verschlechterungen in vielen anderen Bundesländern verbessern sich Hamburgs Neuntklässler in Mathematik im  Bundesvergleich auf Platz 11 (vorher Platz 12/13) aller Bundesländer. Zudem kann Hamburg den Anteil seiner Schülerinnen und Schüler, die den Regelstandard in Mathematik erreichen, im Vergleich zum Bundesdurchschnitt um 1,1 Prozent steigern. Der durchschnittliche Lernstand liegt aber unverändert 11 Punkte (+/- 0 Punkte) unter dem Bundesdurchschnitt.

In Biologie, Chemie und Physik bleibt Hamburg auf dem vorletzten Platz aller Bundesländer mit einer minimalen Verbesserung des Lernstands um 0,6 Punkte und einem fast unverändertem Abstand von 19 bis 21 Punkten auf den Bundesdurchschnitt. Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt konnte Hamburg den Anteil der Schülerinnen und Schüler, die die Regelstandards erreichen, minimal um 0,4 Prozent steigern.

Ties Rabe: „Wir werden die Ergebnisse jetzt sorgfältig analysieren und Verbesserungsvorschläge erarbeiten. In Mathematik haben wir das Problem bereits erkannt und eine ganze Reihe von Veränderungen eingeleitet. Diese Verbesserungen konnten die jetzt getesteten Schülerinnen und Schülern noch nicht erreichen. Zu diesen Verbesserungen zählt unter anderem, dass ab dem Schuljahr 2018/19 in den Klassenstufen 5, 6, 7 und 8 die Zahl der Unterrichtsstunden in Mathematik um eine zusätzliche Stunde pro Woche erhöht wurde. Zudem dürfen seitdem nur noch ausgebildete Mathematik-Lehrkräfte das Fach an Gymnasien und Stadtteilschulen unterrichten, der in der Vergangenheit übliche Unterricht durch andere Lehrkräfte wurde unterbunden. Weitere Verbesserungen in Mathematik, die im letzten Jahr von einer Expertenkommission angeregt wurden, sind in Vorbereitung. Ich bin zuversichtlich, dass diese Veränderungen den Leistungsstand deutlich heben werden.“

Ties Rabe weiter: „Weniger klar stellt sich die Lage in den Naturwissenschaften dar. Während wir für die Fächer Deutsch und Mathematik in den letzten Jahren eine Reihe von gezielten Verbesserungen des Unterrichts eingeführt haben, haben wir in den Fächern Englisch sowie den Naturwissenschaften von solchen gezielten Eingriffen in den Unterricht und die selbstverantwortete Schule abgesehen. Stattdessen haben wir darauf gesetzt, dass die vielen allgemeinen Verbesserungen für das Hamburger Schulsystem wie zum Beispiel die kleineren Schulklassen, 35 Prozent mehr pädagogisches Personal, kostenloser Nachhilfeunterricht, bessere Unterrichtsräume und der Schulfrieden leistungsfördernd wirken. In Englisch ist diese Strategie aufgegangen, in den Naturwissenschaften leider nicht. Hier müssen wir deshalb wie bereits in Deutsch und Mathematik ebenfalls gezielte Maßnahmen für die konkrete Verbesserung des Unterrichts erarbeiten und umsetzen. Dazu werden wir insbesondere die Zahl der Unterrichtsstunden, die Bildungspläne, aber auch Methodik und Didaktik des Unterrichts analysieren und überarbeiten. Ich möchte, dass Hamburgs Schülerinnen und Schüler nicht nur in Englisch zur Spitze der Bundesländer aufschließen, sondern auch in Mathematik und den Naturwissenschaften. Manche Länder sind zufrieden, wenn sie nicht schlechter abschneiden. Ich nicht, ich will dass die Leistungen der Hamburger Schülerinnen und Schüler in allen Fächern deutlich besser werden.“

Zum Hintergrund

Im IQB-Bildungstrend 2018 wurde sechs Jahre nach dem IQB-Ländervergleich 2012 zum zweiten Mal überprüft, inwieweit schulische Erträge im Fach Mathematik und in den naturwissenschaftlichen Fächern Biologie, Chemie und Physik gegen Ende der Sekundarstufe I den mit den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz (KMK) vereinbarten Kompetenzerwartungen entsprechen. Damit war es im Rahmen der Studie erstmals möglich, nicht nur die von Schülerinnen und Schülern in der 9. Jahrgangsstufe im Jahr 2018 erreichten mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen zu beschreiben, sondern auch anhand von Trendanalysen zu prüfen, inwieweit sich die Ergebnismuster seit dem Jahr 2012 verändert haben.

Die Stichprobe des IQB-Bildungstrends 2018 wurde anhand eines Zufallverfahrens ausgewählt und umfasst 44.941 Schülerinnen und Schüler der 9. Jahrgangsstufe an 1.462 Schulen. In Hamburg haben 3.206 Neuntklässlerinnen und Neuntklässler an 110 Schulen teilgenommen.

Weiterführende Informationen zum IQB-Bildungstrend 2018 finden sich auf der Website des IQB unter: www.iqb.hu-berlin.de/bt/BT2018  


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Peter Albrecht

Pressesprecher

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