Auszeichnung Zehnter Agathe-Lasch-Preis für niederdeutsche Sprachforschung verliehen

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Förderpreis des Hamburger Senats geht an Dr. Marie-Luis Merten von der Universität Paderborn

Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank hat heute im Rahmen eines Senatsempfangs im Hamburger Rathaus den renommierten Agathe-Lasch-Preis übergeben. Der Förderpreis des Senats für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler auf dem Gebiet der niederdeutschen Sprachforschung ist mit 5.000 Euro dotiert und wird seit 1992 alle drei Jahre verliehen. Die diesjährige Preisträgerin Dr. Marie-Luis Merten widmete sich in ihrer Dissertation dem Sprachausbau des Mittelniederdeutschen als schriftliche Rechtssprache. Auch die Namensgeberin des Preises, die jüdische Philologin und erste Professorin an der Universität Hamburg Prof. Agathe Lasch, hatte das Niederdeutsche als Sprache des Rechts und der Verwaltung erforscht.

Zehnter Agathe-Lasch-Preis für niederdeutsche Sprachforschung verliehen

Katharina Fegebank, Senatorin für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung: „Der Senat erinnert mit dem Agathe-Lasch-Preis an eine herausragende Sprachwissenschaftlerin aus den Gründungsjahren der Universität Hamburg. Auf ihren Verdiensten um die niederdeutsche Sprachforschung baut die Forschungsarbeit der zehn Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler auf, die seit 1992 mit dem Preis ausgezeichnet wurden. Es freut mich besonders, dass die Jubiläumsausgabe des Preises für eine Dissertation zum Sprachausbau des Niederdeutschen zur Rechtssprache verliehen wird und damit eng mit einem Forschungsschwerpunkt von Agathe Lasch verbunden ist. Der Preisträgerin Dr. Marie-Luis Mertens gratuliere ich sehr herzlich zu ihrer bemerkenswerten Leistung und wünsche ihr für ihre weitere wissenschaftliche Karriere alles Gute!“

Dr. Marie-Luis Merten erhält die Auszeichnung für ihre Dissertation „Literater Sprachausbau kognitiv-funktional. Funktionswort-Konstruktionen in der historischen Rechtsschriftlichkeit“. Darin zeigt sie anhand intensiv diskutierter Beispiele, auf welche Weise die hochmittelalterliche Rechtssprache an Komplexität gewinnt, und verdeutlicht die wechselseitigen Beziehungen von Sprachstruktur, Medialität und Sprachgebrauch. Die Jury unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Ingrid Schröder von der Universität Hamburg wählte die Dissertation von Frau Dr. Mertens aufgrund des innovativen Ansatzes, der genauen und detaillierten Analysen und ihrer wesentlichen Einsichten in Sprachausbauprozesse für den Agathe-Lasch-Preis aus.

Die Preisträgerin

Dr. Marie-Luis Merten, geboren 1987, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaften an der Universität Paderborn. Ihre Dissertation wurde im Jahr 2017 bereits mit dem Peter von Polenz-Preis der Gesellschaft für Germanistische Sprachgeschichte ausgezeichnet.

Agathe-Lasch-Preis 

Seit 1992 wird vom Senat der Freien und Hansestadt Hamburg alle drei Jahre der mit 5.000 Euro dotierte Agathe-Lasch-Preis an Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler verliehen, die sich durch eine Dissertation oder äquivalente Leistungen, z.B. wissenschaftliche Arbeiten im Umfang einer Monographie, im Bereich der niederdeutschen Sprache und Literatur oder mit einem Thema zur Sprache in Norddeutschland qualifiziert haben. Zu den Auswahlkriterien gehören u.a. hervorragende wissenschaftliche Qualität der Arbeit und theoretische und methodische Fundiertheit. Im Vorfeld der diesjährigen Verleihung waren insgesamt sieben Arbeiten von Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern begutachtet worden. Der Jury gehören neben der Vorsitzenden Prof. Schröder Dr. Ilka Brüggemann-Buck (NDR 1 Niedersachsen, Hannover), Prof. Dr. Michael Elmentaler (Universität Kiel), Dr. Reinhard Goltz (Institut für niederdeutsche Sprache, Bremen), Prof. Dr. Dieter Stellmacher (Universität Göttingen) und Prof. Dr. Jan Wirrer (Universität Bielefeld) an.

Agathe Lasch - Werk und Erinnerung

Die Philologin Agathe Lasch, geboren am 4. Juli 1879 in Berlin, war die erste Professorin an der Universität Hamburg und erste Germanistikprofessorin in Deutschland überhaupt. 1909 an der Universität Heidelberg promoviert, lehrte und forschte sie zunächst mehrere Jahre an einem amerikanischen Frauencollege, bevor sie 1917 ihre Arbeit am Deutschen Seminar des Hamburgischen Kolonialinstituts aufnahm. Hier übernahm sie sogleich die Leitung der "Sammelstelle für das Hamburgische Wörterbuch" und begann mit den Vorarbeiten für ein vollständiges wissenschaftliches Wörterbuch der Hamburger niederdeutschen Sprache. 1919 habilitierte sie sich an der im selben Jahr neu gegründeten Hamburgischen Universität und wurde dort 1923 zur Professorin ernannt. Im selben Jahr fasste sie gemeinsam mit ihrem Kollegen Conrad Borchling den Plan, ein weiteres Wörterbuchprojekt in Angriff zu nehmen, die vollständige Neubearbeitung des "Mittelniederdeutschen Handwörterbuchs" von Lübben/Walther. 1926 wurde sie schließlich auf das Extraordinariat für niederdeutsche Philologie berufen. Agathe Laschs Tätigkeit an der Hamburgischen Universität endete mit der Herausgabe der siebten Lieferung des Mittelniederdeutschen Handwörterbuchs im Jahre 1934.

Als Frau konnte sich Agathe Lasch auf ihrem wissenschaftlichen Weg in Deutschland gegen alle Widrigkeiten behaupten und durchsetzen, als Jüdin in Deutschland wurde sie dagegen Opfer der nationalsozialistischen Barbarei: 1934 vorzeitig aus dem Hochschuldienst entlassen, mit Publikationsverbot belegt, ihrer Bibliothek beraubt, wird sie am 15. August 1942 nach Riga deportiert und dort am 18. August, dem Tag ihrer Ankunft, ermordet.

Agathe Lasch wird heute in vielfältiger Weise gedacht. In Hamburg-Othmarschen gibt es seit 1970/71 einen Agathe-Lasch-Weg und die Hamburger Universität hält seit 1999 mit dem Agathe-Lasch-Hörsaal die Erinnerung an ihre erste Professorin wach. Zwei Stolpersteine, einer vor dem Haus Nr. 9 der Gustav-Leo-Straße (früher Rehhagen) und einer auf dem Bürgersteig vor dem Universitätshauptgebäude, erinnern an Agathe Lasch.

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