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Neues Sehen für Erblindete Botond Roska ist Körber-Preisträger 2020

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Der ungarische Mediziner erhält den mit 1.000.000 Euro dotierten Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 

Für die Arbeit zur Erforschung des Sehens und der Netzhaut ist dem Mediziner Botond Roska der mit einer Million Euro dotierte Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft verliehen worden. Roska hat mit seiner Arbeit die Augenheilkunde revolutioniert und zählt zu den weltweit führenden Experten für die Erforschung der Netzhaut. Er hat sich zum Ziel gesetzt, Erblindeten das Augenlicht zurückzugeben.

Verleihung Körberpreis 2020

Botond Roska ist Körber-Preisträger 2020

Der Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft zeichnet seit 1985 jedes Jahr einen wichtigen Durchbruch in den Physical oder den Life Sciences in Europa aus. Prämiert werden exzellente und innovative Forschungsansätze mit hohem Anwendungspotenzial. Aus Anlass ihres 60-jährigen Bestehens hat die Körber-Stiftung die Dotierung des Körber-Preises ab dem Jahre 2019 auf eine Million Euro erhöht. Damit zählt der Körber-Preis zu den weltweit höchstdotierten Forschungspreisen. Nach Verleihung des Körber-Preises erhielten bislang sechs Preisträgerinnen und Preisträger den Nobelpreis.

Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher begrüßte die Gäste bei der Preisverleihung im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses. Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar stellte den Preisträger und sein Forschungsvorhaben vor. Im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses überreichten Prof. Dr. Martin Stratmann, Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, und Dr. Lothar Dittmer, Vorsitzender des Vorstands der Körber-Stiftung, die Urkunde bei einer feierlichen Preisvergabe.

Dr. Peter Tschentscher, Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg: „Der Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft gehört zu den wichtigsten Forschungspreisen weltweit. Mit Botond Roska wird in diesem Jahr ein Pionier der Netzhautforschung geehrt, der die Grundlagen der Augenheilkunde maßgeblich erweitert hat. Seine Arbeit ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, dass das Verständnis der molekularen Grundlagen von Erkrankungen neue Behandlungsperspektiven eröffnet. Die Forschung von Professor Roska weckt die Hoffnung, dass eine bisher nicht heilbare Erkrankung, die zur Erblindung führt, in Zukunft geheilt werden kann. Ich gratuliere Botond Roska sehr herzlich zum Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft und wünsche ihm weiterhin viel Erfolg bei seiner Forschung.“

Katharina Fegebank, Senatorin für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke: „Ich gratuliere Herrn Prof. Roska herzlich zum Gewinn des diesjährigen Körber-Preises. Als einer der renommiertesten Augenforscher der Welt und Pionier auf seinem Gebiet leistet er einen großartigen Beitrag im Kampf gegen die Erblindung. Mit seinen innovativen Forschungsansätzen könnte es erstmals gelingen, das Sehvermögen erblindeter Menschen wieder herzustellen – Millionen von Menschen weltweit schenkt er so Hoffnung auf Heilung. Mit dem Körber-Preis erhält Prof. Roska einen der renommiertesten und höchstdotierten Wissenschaftspreise, der seine herausragenden Leistungen würdigt und gleichzeitig die Weiterentwicklung seiner wichtigen Forschungsarbeit unterstützen soll. Hierfür wünsche ich ihm viel Erfolg!“

Prof. Dr. Botond Roska, Körber-Preisträger 2020: „Es ist mir eine große Ehre und Freude, mit dem Körber-Preis 2020 ausgezeichnet worden zu sein. Einerseits wird dieser Preis uns ermöglichen, unsere Forschung voranzutreiben, um die menschliche Netzhaut besser zu verstehen und Therapien zu entwickeln. Andererseits trägt er dazu bei, die Aufmerksamkeit auf die Blindheit zu lenken, eines der größten Probleme der Menschheit.“

Dr. Lothar Dittmer, Vorsitzender des Vorstands der Körber-Stiftung: „Botond Roska ist ein Visionär der Augenheilkunde. Die Relevanz seiner Forschung wird im wahrsten Sinne des Wortes ersichtlich: Er hat der Erblindung den Kampf angesagt. Ich gratuliere herzlich zum Körber-Preis 2020 und der damit verbundenen Forschungsleistung, die vielen Menschen Hoffnung gibt.“

Mit Gentherapien gegen Erblindung
Weltweit sind geschätzt etwa 36 Millionen Menschen blind und über eine Milliarde leiden an einer erheblichen Sehbehinderung. Die meisten Seherkrankungen gehen auf erbliche oder altersbedingte Defekte in der Netzhaut (Retina) zurück. Roska und Kollegen haben in einer Pionierarbeit die etwa hundert unterschiedlichen Zelltypen in der Retina aufgespürt und deren komplexes Zusammenspiel bei der Signalverarbeitung ergründet. Dabei gelang es, zahlreiche Netzhauterkrankungen auf genetische Defekte in einzelnen Zellen zurückzuführen. Nun arbeitet der Wissenschaftler daran, diese grundlegenden Einsichten für Patienten fruchtbar zu machen und deren Erkrankungen mit Gentherapien zu lindern oder zu heilen. Einen echten Durchbruch schaffte Roska, als er einen Zelltyp im Auge so umprogrammierte, dass dieser die Funktion von defekten Lichtrezeptor-Zellen übernehmen konnte. Blinde Netzhäute konnte er damit wieder lichtempfindlich machen – und die klinische Erprobung bei blinden Menschen hat bereits begonnen.

Ein wesentlicher Faktor des Erfolges von Roska und seinem Team vom Institut für Molekulare und Klinische Ophthalmologie Basel (IOB) ist der multidisziplinäre Zugriff und die Kombination von Methoden aus Genetik, Molekularbiologie, Neurowissenschaften und Informatik. Traditionell hatten Mediziner die Netzhaut des Auges vorwiegend als Gewebe untersucht. Roska und Kolleginnen und Kollegen hingegen machten sich die Mühe, erstmals intensiv die rund hundert Zelltypen in der Netzhaut und deren funktionelles Zusammenwirken zu studieren. Das Team lokalisierte und kartierte zudem Gendefekte, die zu Augenleiden führen. Damit schufen die Forscherinnen und Forscher einen Fundus an neuem Wissen, der die Augenheilkunde auf eine neue Basis stellt.

Über den Preisträger
Botond Roska, 50, studierte zunächst Cello an der Musikakademie in Budapest, musste seine Musikerkarriere aber wegen einer Verletzung aufgeben und absolvierte im Anschluss ein Medizin- und Mathematikstudium. Er promovierte als Neurobiologe in Berkeley, USA und forschte dann als Harvard Fellow auf den Gebieten der Genetik und der Virologie in Harvard weiter. Von 2005 bis 2017 leitete Roska eine Forschungsgruppe am privaten Friedrich Miescher Institut für biomedizinische Forschung in Basel. Zusammen mit Professor Hendrik Scholl wurde er im Dezember 2017 Gründungsdirektor des Instituts für Molekulare und Klinische Ophthalmologie der Universität Basel, IOB.

Weitere Informationen sowie Fotos der Preisverleihung (ab 14 Uhr) zum Download: www.koerber-stiftung.de/koerber-preis-2020

 

Rückfragen der Medien 

Pressestelle
Behörde für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke
Telefon: 040 42863 2322
E-Mail: pressestelle@bwfg.hamburg.de

Körber-Stiftung
Julian Claaßen
Telefon: 040 808 192 233
Mobil: 0151 730 052 86
E-Mail: claassen@koerber-stiftung.de

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