Gewalt und Zwangsheirat nicht tolerieren

„Zuflucht“ für bedrohte Mädchen und junge Frauen wird eröffnet

Mit einer Feierstunde in der Patriotischen Gesellschaft wird heute die erste anonyme Schutzeinrichtung für akut bedrohte Mädchen und junge Frauen in interkulturellen Familienkonflikten in Hamburg eröffnet. In der Unterbringung, die den Namen „Zuflucht“ trägt, finden die Betroffenen Schutz, Rat und Hilfe. Zum Beispiel in Fällen, in denen sie von Zwangsheirat bedroht sind.

Gewalt und Zwangsheirat nicht tolerieren

Logo Basis Woge e.V.

Mit einer Feierstunde in der Patriotischen Gesellschaft wird heute die erste anonyme Schutzeinrichtung für akut bedrohte Mädchen und junge Frauen in interkulturellen Familienkonflikten in Hamburg eröffnet. In der Unterbringung, die den Namen „Zuflucht“ trägt, finden die Betroffenen Schutz, Rat und Hilfe. Zum Beispiel in Fällen, in denen sie von Zwangsheirat bedroht sind.

„Ich finde es selbstverständlich, dass sich jeder und jede seinen Lebenspartner selbst aussuchen kann. Eine erzwungene Heirat raubt den Betroffenen die menschliche Würde und beeinträchtigt ihre persönliche Freiheit in erheblichem Maße“, sagt Sozialsenator Dietrich Wersich. „Zwangsheirat darf nicht toleriert werden! Es ist daher unser Ziel, Frauen, die von Zwangsheirat bedroht oder betroffen sind, besser zu schützen und ihnen zu helfen.“

In der Einrichtung finden Mädchen und junge Frauen, die auf Grund interkultureller Familienkonflikte Gewalt ertragen oder fürchten müssen, sofortigen Schutz. Bis zu sechs Betroffene im Alter zwischen 14 und 21 Jahren werden im Rahmen einer kurzfristig angelegten anonymen Unterbringung von maximal acht Wochen begleitet und es werden mit ihnen gemeinsam Zukunftsperspektiven entwickelt. So wird beispielsweise eine mögliche Rückkehr in die Familie geprüft oder es wird nach einer geeigneten Wohn- und Betreuungsform gesucht.

Betrieben wird „Zuflucht“ vom Hamburger Jugendhilfeträger basis & woge e.V.. Über die Jugendämter und den Kinder- und Jugendnotdienst können die interkulturell erfahrenen Pädagoginnen gefährdete Mädchen und junge Frauen rund um die Uhr aufnehmen.

„Die Einrichtung gibt ihnen Raum, um zur Ruhe zu kommen. Hier finden sie Verständnis und Zuwendung, Verlässlichkeit und Halt“, erklärt Myriam Schrank, Leiterin der Einrichtung. „Das Recht aller Mädchen und Frauen auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung ist dabei der Maßstab unseres Handelns.“

Der Träger basis & woge hat durch seine bereits seit 1993 bestehende Mädchenwohngruppe „Kardelen“ Erfahrung mit anonymisierter Unterbringung und Betreuung. Er ist Teil eines bundesweiten Netzwerkes zum Schutz von Mädchen und jungen Frauen, die von familiärer Gewalt und Zwangsheirat bedroht sind.

Die Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz finanziert die „Zuflucht“ durch Zuwendungen in Höhe von knapp 390.000 Euro im Jahr. Die Kriseneinrichtung, deren Standort geheim ist, wird heute um 16 Uhr mit einem Grußwort von Staatsrätin Dr. Angelika Kempfert in der Patriotischen Gesellschaft eröffnet.

Zwangsheiraten in Hamburg und Deutschland

In Deutschland sind vor allem Mädchen und Frauen mit Migrationshintergrund von Zwangsheirat betroffen. Eine im Jahr 2006 in Hamburg durchgeführte Studie ergab, dass in rund 60 Beratungsstellen 210 Beratungsfälle zu erfolgter oder drohender Zwangsheirat vorlagen.

Eine Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, bei der 143 türkische Migrantinnen befragt wurden, ergab, dass 25 Prozent ihren Partner vor der Hochzeit nicht kannten und bei 50 Prozent der Partner von Verwandten gewählt wurde. 17 Prozent von ihnen hatten das Gefühl, zur Ehe gezwungen worden zu sein.

Aktivitäten in Hamburg

Der Hamburger Senat setzt sich unter anderem mit dem Handlungskonzept „Aktiv gegen Zwangsheirat“ für eine Bekämpfung von unter Zwang durchgeführten Eheschließungen ein.

Parallel zur „Zuflucht“, die den Betroffenen kurzfristige Hilfen anbietet, wird derzeit ein Konzept erarbeitet, wie von Zwangsheirat und interkulturellen Familienkonflikten bedrohten Mädchen und jungen Frauen mit einem Wohnprojekt langfristig geholfen werden kann.

Seit Mai 2007 fördert die Sozialbehörde mit i.bera und LALE außerdem interkulturelle Opferberatungsstellen, deren Haushaltsansatz für die Jahre 2009/2010 mit insgesamt 215.000 Euro jährlich um rund 140 Prozent im Vergleich zu 2008 aufgestockt wurde.

Beide Träger bieten kostenlose und anonyme Einzelfallberatung, Paar- und Familienberatung an und führen Workshops an Schulen und Selbststärkungskurse durch. Die Sozialbehörde bietet zudem für Fachkräfte der Jugendhilfe Fortbildungen zum Thema Zwangsheirat an. Außerdem ist ein geregeltes Verfahren zum Umgang mit Betroffenen in Handlungsempfehlungen für die bezirklichen Jugendämter festgelegt.

Betroffene erhalten Hilfe und Unterstützung unter der Hotline-Rufnummer 040/22 62 26 27 (täglich 10 - 22 Uhr).

Darüber hinaus bieten die Interkulturellen Opferberatungsstellen i.bera und LALE telefonische Beratung zum Thema Zwangsheirat an unter 0174/150 77 09 (montags 16 bis 17 Uhr, dienstags 13 bis 14 Uhr, mittwochs 9.30 bis 10.30 Uhr, donnerstags 10 bis 11 Uhr).

Kontakt

Julia Seifert

Pressesprecherin Soziales und Familie

Pressestelle der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration
Hamburger Straße 47
22083 Hamburg
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