Senatskanzlei

Ehemaliges Institut Gedenktafel zur Erinnerung an das „Institut für Auswärtige Politik“ enthüllt

Von 1923 bis 1937 residierte das Institut im Turm der Alten Post.

Gedenktafel zur Erinnerung an das „Institut für Auswärtige Politik“ enthüllt

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz hat heute eine Gedenktafel zur Erinnerung an eines der weltweit ersten Friedensforschungsinstitute enthüllt. „Es geht um einen herausragenden Ort in der intellektuellen Topographie der Weimarer Republik. Ein Ort nicht zurückgezogener Gelehrsamkeit, sondern im Gegenteil einer Gelehrsamkeit, die sich einmischte, sich Gehör verschaffte über Hamburg und sogar über Deutschlands Grenzen hinaus.“ erklärte Scholz.

Neben dem international angesehenen Institutsleiter Albrecht Mendelssohn Bartholdy prägten weitere hochbegabte Mitarbeiter, darunter der Jurist Hans von Dohnanyi, der Journalist und Literat Theodor Haubach, der Historiker Alfred Vagts und Magdalene Schoch, die erste habilitierte Juristin in Deutschland, die Arbeit der Einrichtung. Sie schätzten den weiten Horizont der Hansestadt und des Instituts und profilierten das Institut mit ihrem interdisziplinären Können. „Ein weiterer Grund, für die große Strahlkraft dieses Instituts war die Leitidee, der es sich verschrieben hatte. Sie hieß: Wer die Ursachen für Krieg kennt, kann ihn vermeiden.“ fügte Scholz hinzu. Eine Leitidee, die mit Blick auf die derzeitigen Flüchtlingsströme nach wie vor große Aktualität besitzt.

Prof. Dr. Rainer Nicolaysen, Arbeitsstelle für Universitätsgeschichte: „Das 1923 gegründete Institut für Auswärtige Politik war eines der ersten Friedensforschungsinstitute in der Welt. Mit ihm besaß Hamburg bis 1933 eine herausragende Forschungseinrichtung, die eindrucksvoll das demokratische Weimar repräsentierte. Der Institutsgründer und -leiter Albrecht Mendelssohn Bartholdy war ein international hoch angesehener Botschafter dieses demokratischen Deutschland, bis die Nationalsozialisten die Macht übernahmen und den Völkerrechtler ins Exil vertrieben.“

Peter Hess, Initiator und Stifter der Tafel: „Ich freue mich, dass heute die sechste Gedenktafel aus meinem Programm enthüllt werden konnte. Und es werden noch viele weitere Tafeln in den nächsten Jahren folgen."

Dr. Klaus von Dohnanyi:. „Mendelssohn Bartholdy und seine engsten Mitarbeiter sahen als liberale deutsche Patrioten auch die großen Gefahren voraus, die von der einseitigen Beschuldigung Deutschlands als angeblich alleinigem Verursacher des Ersten Weltkriegs ausgehen könnten. Durch eine sorgfältige Aktenpublikation wollten sie der Wahrheit eine Gasse zum stabilen Frieden bahnen. Dass dies damals nicht gelang, sollte uns heute ermahnen, den Ursachen der Konflikte unserer Tage unvoreingenommen und ohne einseitige Beschuldigungen zu begegnen.“

Der vollständige Text der Tafel

„In diesem Gebäude befand sich das Institut für Auswärtige Politik von November 1924 bis 1937

Das nach einem Beschluss der Hamburgischen Bürgerschaft am 15. März 1923 etablierte und von dem Völkerrechtler Albrecht Mendelssohn Bartholdy geleitete Institut für Auswärtige Politik war eines der ersten Friedensforschungsinstitute in der Welt. Nach seiner Eröffnung am 25. November 1924 bezog es mit Archiv und Bibliothek Räume in diesem Gebäude. In besonderer Weise repräsentierte das Institut das demokratische Weimar, bis es infolge der nationalsozialistischen Machtübernahme gegenteiligen Zwecken nutzbar gemacht und 1937 nach Berlin verlegt wurde. Viele frühere Mitarbeiter emigrierten – neben Mendelssohn Bartholdy etwa Alfred Vagts, Magdalene Schoch, Fritz Morstein Marx und Siegfried Landshut – oder versuchten, das NS-Regime zu stürzen – so Hans von Dohnanyi und Theodor Haubach, die 1945 hingerichtet wurden.“