Behörde für Umwelt und Energie

Kollau Überschwemmungsgebiet wird deutlich kleiner

Ergebnis der Nachberechnung auf Bürger-Veranstaltung vorgestellt

Überschwemmungsgebiet wird deutlich kleiner

Die Nachberechnungen für das vorläufig gesicherte Überschwemmungsgebiet (ÜSG) an der Kollau sind abgeschlossen. Die Ergebnisse werden heute Abend den Anwohnerinnen und Anwohnern von Vertretern der Umweltbehörde sowie des Landesbetriebes Brücken, Straßen und Gewässer auf einer Informationsveranstaltung vorgestellt. Nach der rechnerischen Überprüfung hat sich die Fläche des ermittelten überschwemmten Gebietes unter der Annahme eines 100-jährlichen Hochwasserereignisses um 41 Prozent verkleinert.

Grund für die Verkleinerung dieses ÜSG ist einerseits der Einsatz der technisch anspruchsvollen und zeitaufwendigen zweidimensionalen Modellierung (2D-Methode). Diese berücksichtigt – stärker als die bislang verwendete und bundesweit übliche eindimensionale (1D-Methode) – die Beeinflussung der Gewässergeometrie durch topographische und bauliche Strukturen. Weiterer Grund ist die Verwendung des DigitalenGeländeModells (DGM) aus dem Jahr 2010 (Vorgänger stammte aus dem Jahr 2001), mit dessen Hilfe die aktuell gegebenen baulichen und topographischen Gegebenheiten präzise herausgearbeitet werden können. Weitere Gründe basieren auf Hinweisen von Anwohnerinnen und Anwohnern, die zu lokalen Nachberechnungs-Prämissen führten und einer betrieblichen Änderung eines Gewässer-Querriegels.

Was bedeutet das für die Anwohnerinnen und Anwohner?

Die jetzt nicht mehr betroffenen Grundstücke können in der bisherigen Form ohne weitere Einschränkungen genutzt werden. Für die weiterhin betroffenen Grundstücke hat die Umweltbehörde mit den zuständigen Bezirksämtern die Grundlagen für eine einheitliche Genehmigungspraxis abgestimmt. Für die Anwohnerinnen und Anwohner wurde ein Leitfaden verfasst, der auf die von ihnen geäußerten Hinweise und Sorgen eingeht. Der Leitfaden ist abzurufen unter http://www.hamburg.de/ueberschwemmungsgebiete/ 

Neubau ist auch im ÜSG zulässig

Der Leitfaden stellt verständlich dar, welche Bauvorhaben in einem ÜSG im Rahmen eines Baugenehmigungsverfahrens auch hochwasserschutztechnische Aspekte berücksichtigen müssen. Der Leitfaden enthält konkrete Hinweise zu Möglichkeiten für Ausnahmen. Ersatzbauten sind auf gleicher Grundfläche zulässig. Auch für geplante Vorhaben, die nicht im Leitfaden aufgeführt sind, kann eine Genehmigung erteilt werden, wenn die bundesrechtlichen Anforderungen erfüllt sind. Wenn also bebaubare und aktuell unbebaute Grundstücksflächen im ÜSG liegen, kann unter Auflagen dennoch gebaut werden.

Wie geht es weiter?

Insgesamt liegen der Umweltbehörde 76 Stellungnahmen von betroffenen Anwohnerinnen und Anwohnern der Kollau vor, die auf Grundlage der Ergebnisse der Nachberechnung bis 31. März 2016 individuell beantwortet werden. Die vorläufige Sicherung für das ÜSG Kollau wird an die Berechnungsergebnisse angepasst. Dies erfolgt durch die Bekanntmachung im Amtlichen Anzeiger am 4. März 2016 und die anschließende Veröffentlichung der aktualisierten Karten im Internet unter www.hamburg.de/ueberschwemmungsgebiete 

Ab dem 21.03.2016 werden die aktualisierten Karten des vorläufig gesicherten ÜSG Kollau für einen Monat im Bezirksamt Eimsbüttel und in der Behörde für Umwelt und Energie ausgelegt.

Hintergrund zum Berechnungsverfahren: Angewendet wurde das zweidimensionale instationäre Modellierungsverfahren (2D-Modellierung). Zweidimensional bedeutet, dass zusätzlich betrachtet wird, wie sich das Wasser in der überschwemmten Fläche ausbreitet. Instationär bedeutet, dass zeitabhängig gerechnet und dadurch das An- und Abschwellen der Hochwasserwelle berücksichtigt wird. Auf diese Weise können die räumliche Ausdehnung und die sich einstellenden Wassertiefen zu einem definierten Zeitpunkt erfasst werden.

Was bedeutet das für die anderen Überschwemmungsgebiete?

Ob sich ein Überschwemmungsgebiet auf Grundlage dieser Modellierung verkleinert – wie jetzt an der Kollau – oder vergrößert, ist  nicht vorhersagbar, sondern immer das Ergebnis der individuellen Situation vor Ort. Für die noch bis Sommer diesen Jahres anstehenden Nachberechnungen der bislang vorläufig gesicherten Überschwemmungsgebiete Tarpenbek, Ammersbek, Osterbek, Falkengraben sowie die Marschgewässer Gose-Elbe, Dove-Elbe, Este und Brookwetterung ist daher von einer Verkleinerung der ÜSG-Flächen nicht automatisch auszugehen. Eine Aufhebung der Flächen als ÜSG ist jedenfalls nicht zu erwarten.

Rückfragen der Medien:

Behörde für Umwelt und Energie
Pressestelle, Jan Dube
Tel.: 040 / 428 40 - 8006