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Neue Straßennamen Max-Nonne-Straße und Konjetznystraße werden zum 1. Mai 2016 umbenannt


 

Max-Nonne-Straße und Konjetznystraße werden zum 1. Mai 2016 umbenannt

Der Hamburger Senat hat beschlossen, zwei Straßen in Langenhorn umzubenennen: In einem Monat, ab dem 1. Mai 2016, wird die Max-Nonne-Straße Ursula-de-Boor-Straße heißen, die Konjetznystraße wird den Namen Annie-Kienast-Straße tragen. Der Grund für die Umbenennung ist die Nähe Max Nonnes und Georg Ernst Konjetznys zum nationalsozialistischen Regime und Gedankengut. Ursula de Boor und Annie Kienast hingegen engagierten sich beide im Widerstand gegen das NS-Regime.

Kultursenatorin Prof. Barbara Kisseler: „Ich begrüße die Umbenennung der beiden Straßen sehr. Mit Ursula de Boor und Annie Kienast werden zwei Frauen geehrt, die sich durch ihre antifaschistische Haltung auszeichneten. Beide setzten sich für Menschenrechte ein und waren im Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime aktiv. Mit diesen Umbenennungen wird ein weiterer notwendiger Schritt hin zur Aufarbeitung eines wichtigen Kapitels der Hamburger Geschichte getan.“

Harald Rösler, Leiter Bezirksamt Hamburg-Nord: „Die Bezirksversammlung Hamburg-Nord hatte sich unter intensiver Beteiligung der Langenhorner mit einer Änderung der nationalsozialistisch belasteten Straßennamen befasst.  Die Umbenennung der beiden Straßen nach Ursula de Boor sowie nach Annie Kienast ist bereits das vierte Verfahren dieser Art in Hamburg-Nord. Ich freue mich, dass nun zwei Hamburgerinnen geehrt werden, die sich mutig gegen das Unrechtsregime gestellt und nach Kriegsende am Aufbau einer rechtsstaatlichen und friedlichen Gesellschaft viele Jahre erfolgreich mitgewirkt haben.“

Die in Marburg geborene Ursula de Boor (1915 – 2001) war Ärztin und arbeitete im Hamburger UKE. Hier war sie maßgeblich am Aufbau der „candidates of humanity“ beteiligt, einer Gruppe von jungen Medizinern, die dem NS-Regime ablehnend gegenüberstanden. Die Gruppe zählte zur Weißen Rose Hamburg. 1943 wurde Ursula de Boor von der Gestapo verhaftet und im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel inhaftiert. Später wurde sie in ein Gefängnis in Cottbus und danach in Bayreuth überstellt und mit anderen Mitgliedern der Gruppe wegen  „Vorbereitung zum Hochverrat“ angeklagt. Bevor der Prozess stattfand, wurde sie am 14. April 1945 in Bayreuth von Angehörigen der US-Armee befreit.

Annie Kienast (1897 – 1984) wurde in Hamburg geboren. Sie war Sozialdemokratin und setzte sich vor allem für die Rechte von Frauen ein. Die Verkäuferin und spätere Abteilungsleiterin trat bereits 1918 in die SPD und in die Gewerkschaft ein. Von 1922 bis 1933 war sie Betriebsrätin des Konsum-, Bau und Sparvereins „Produktion“ (Pro). Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Annie Kienast aus politischen Gründen bei der Pro entlassen. Nach dem Ende des nationalsozialistischen Regimes saß sie von 1946 bis 1949 als Abgeordnete der SPD in der Hamburgischen Bürgerschaft. In der Deutschen Angestellten Gewerkschaft (DAG) war sie als leitende Funktionärin und Mitglied im Hauptvorstand weiterhin aktiv. 

Die neuen Namensgeberinnen für die beiden Straßen bilden mit ihrem Engagement im Widerstand gegen das NS-Regime ein deutliches Gegengewicht zu den Medizinern Max Nonne und Georg Ernst Konjetzny. Max Nonne befürwortete die Euthanasie und distanzierte sich auch nach 1945 nicht von dieser Haltung. Georg Ernst Konjetzny war Mitglied der SA, der NSDAP sowie Fördermitglied der SS und unterstützte so den deutschen Faschismus.

Der Beschluss des Senats, die Straßen umzubenennen, tritt am 1. Mai 2016 in Kraft. Die Anwohner sind bereits informiert. Auf Verwaltungsgebühren, die den Anliegern und Gewerbetreibenden der Konjetznystraße und der Max-Nonne-Straße im Zusammenhang mit der Umbenennung entstehen, wird verzichtet. Die neuen Straßenschilder werden durch Zusatzschilder ergänzt, die über biografische Daten der Namensgeberinnen informieren.

Rückfragen der Medien:

Enno Isermann
Pressestelle der Kulturbehörde
Tel.: 040 / 428 24 – 207
E-Mail: Enno.Isermann@kb.hamburg.de

Katja Glahn
Pressestelle Bezirksamt Hamburg-Nord
Tel.: 040 / 428 04 – 2245
E-Mail: pressestelle@hamburg-nord.hamburg.de