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Verkehrsbilanz 2015 Zahl der Verkehrstoten in Hamburg auf historisch niedrigem Stand

Während die Zahl der Verkehrsunfälle im Jahr 2015 bundesweit um mehr als vier Prozent zugenommen hat, verzeichnete Hamburg einen vergleichsweise leichten Anstieg um 2,3 Prozent. Insgesamt wurden in der Hansestadt 1.494 Verkehrsunfälle mehr registriert als im Jahr 2014, dabei blieb es in 1.377 Fällen bei Sachschäden. Gleichzeitig sank die Zahl der Verkehrstoten in Hamburg im vergangenen Jahr auf den tiefsten Stand seit mehr als 60 Jahren.

Verkehrsunfälle 2015 in Hamburg - Innenbehörde Hamburg - FHH

Unfall-FahrzeugWährend im vergangenen Jahr 68 Schwerverletzte mehr zu beklagen waren als noch 2014, hat sich die Zahl der Verkehrsunfalltoten überaus positiv entwickelt. Starben im Jahr 2014 in Hamburg noch 38 Verkehrsteilnehmer, kamen voriges Jahr 20 Menschen auf Hamburgs Straßen ums Leben. Seit Einführung der Verkehrsunfallstatistik im Jahr 1953 wurden nie weniger Verkehrstote festgestellt.

„Besonders erfreulich ist, dass auch im Jahr 2015 kein Kind und kein Jugendlicher im Straßenverkehr tödlich verunglückt ist“, sagte Hamburgs Innensenator Andy Grote. „Das Risiko, bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen, ist in Hamburg deutschlandweit am geringsten. Dass es trotz zunehmendem Radverkehrs weniger Unfälle mit Radfahrern gibt, ist ein Hinweis dafür, dass wir bei der Radverkehrsförderung auf dem richtigen Weg sind.“

Eckdaten der polizeilichen Unfallstatistik 2015:

In Hamburg ereigneten sich im Jahr 2015 insgesamt 67.197 Verkehrsunfälle (Vorjahr: 65.703). Die Zahl der Personenschadensunfälle stieg um 117 auf insgesamt 7.898.

2015 verunglückten in Hamburg 10.123 Personen (+ 213). Prozentual fällt die Steigerungsrate bei den Schwerverletzten mit + 8,4 Prozent am größten aus. Nach absoluten Zahlen ist der Anstieg der Anzahl der Verunglückten auf die Entwicklung der Leichtverletztenzahlen zurückzuführen. Es wurden 163 mehr Leichtverletzte registriert als noch im Jahr 2014.

Die Zahl der getöteten Fußgänger war mit neun Verunglückten (+1) nahezu unverändert, es gab aber deutliche Rückgänge bei den getöteten Motorrad- und Radfahrern. Kamen 2014 noch elf Rad- und zehn Motorradfahrer ums Leben, verunglückten 2015 noch zwei Rad- und drei Motorradfahrer tödlich.

Sieben von 20 Getöteten waren im Seniorenalter. In nur einem Fall verursachte der Senior den Unfall selbst. Dies zeigt, dass neben der grundsätzlich notwendigen gegenseitigen Rücksichtnahme insbesondere auf ältere Verkehrsteilnehmer geachtet werden muss und damit schwere Unfallfolgen verhindert werden können.

Die Entwicklung der Verkehrsunfälle mit jungen Erwachsenen (18- bis 24-Jährige) verläuft nahezu parallel zu den Gesamtunfallzahlen. Mit 11.170 Verkehrsunfällen ist hier ein Zuwachs um 2,2 Prozent (+ 238) zu verzeichnen. Im Jahr 2013 wurden noch 11.249 Verkehrsunfälle mit jungen Erwachsenen registriert. Nach wie vor ist bei dieser Verkehrsteilnehmergruppe die Risikobereitschaft am größten. Sie verursachen überproportional  viele Verkehrsunfälle durch nicht angepasste Geschwindigkeit und zu geringen Sicherheitsabstand.

Die demografische Entwicklung macht sich auch bei den Verkehrsunfällen mit Beteiligung von Senioren (ab 65 Jahren) bemerkbar. Wurden im Jahr 2014 noch 11.439 Verkehrsunfälle mit Senioren statistisch erfasst, ereigneten sich im vergangenen Jahr 11.955. Damit stieg die Zahl um 516 Fälle, ein Zuwachs um 4,5 Prozent.

Nach dem Rückgang der  Zahl der Verkehrsunfälle mit aktiv am Straßenverkehr teilnehmenden Kindern (bis 14 Jahre) von 599 im Jahr 2013 auf 539 im Jahr 2014 stieg die Zahl im vergangenen Jahr um 29 auf 568 Verkehrsunfälle an. Insgesamt verunglückten in Hamburg 741 Kinder (+32). Angesichts der stetig steigenden Zahl von Schülern bzw. Kindern in Hamburg und damit einhergehender Steigerung der Zahl der aktiv am Straßenverkehr teilnehmenden Kinder überrascht diese Entwicklung nicht, zeigt aber auch die Notwendigkeit der Fortführung der Verkehrserziehungsmaßnahmen durch die Verkehrslehrer der Hamburger Polizei.

Die seit vielen Jahren stattfindende Aktion „Rücksicht auf Kinder kommt an!“ wird auch im Jahr 2016 fortgeführt und beschäftigt sich in diesem Jahr mit dem Schwerpunkt „Kinder als Mitfahrer“. Die Auftaktveranstaltung findet am 13. April 2016 in der Kindertagesstätte Weidemoor in Boberg statt. Im Hinblick auf 22 verunglückte Kinder als Mitfahrer mehr im Vergleich zum Jahr 2014 eine dringend notwendige Maßnahme zum Schutz unserer Kinder.           

Die Entwicklung der Verkehrsunfälle mit Radfahrern verlief trotz zunehmendem Radverkehrs positiv. Mit 3.242 Verkehrsunfällen ereigneten sich 31 Unfälle weniger als noch 2014 festgestellt wurden. Ob der konsequente Ausbau neuer Radverkehrsanlagen zu dieser Entwicklung beigetragen hat, kann derzeit noch nicht abschließend beurteilt werden.

Einen deutlichen Rückgang gab es bei Verkehrsunfällen mit Motorradfahrern (motorisierte Zweiräder über 50 cm³). Mit 857 ereigneten sich 151 Verkehrsunfälle weniger als 2014. Dies entspricht einem Rückgang um 15 Prozent. Es wurden auch 14,1 Prozent weniger verunglückte Motorradfahrer (- 77) registriert. Vermutlich haben viele ihr Zweirad aufgrund schlechter Witterungsverhältnisse häufig stehen lassen, gleichwohl haben sich die intensiven Präventions-maßnahmen der Polizei in diesem Bereich offenbar positiv ausgewirkt.

Im Jahr 2014 war bei den Unfällen mit Fußgängern ein Rückgang um 3,2 Prozent zu verzeichnen. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Verkehrsunfälle um 174 auf insgesamt 1.535 an.  Es verunglückten 146 Personen mehr als im Jahr davor, wobei die Fußgänger überwiegend leicht verletzt wurden. Zum einen haben die Fußgänger in diesen Fällen häufig versucht, die Fahrbahn zu überqueren, ohne auf den Fahrzeugverkehr zu achten, andererseits übersahen Fahrzeugführer die Fußgänger häufig beim Abbiegevorgang. Die Zahl der getöteten Fußgänger ist mit 9 (+1) nahezu unverändert.

Die Zahlen bei Alkoholunfällen nahmen nur leicht zu, von 755 Unfällen im Jahr 2014 auf 769 in 2015 (+1,9 Prozent). Es ereigneten sich 16 Alkoholunfälle mit Personenschäden mehr als noch 2014. Bei vier von 20 Unfällen mit Getöteten waren Beteiligte alkoholisiert. Zwei Fußgänger traten unter Alkoholeinfluss unachtsam auf die Fahrbahn, ein Fahrradfahrer fiel vor einen fahrenden PKW und ein betrunkener Kraftfahrzeugführer kam aufgrund überhöhter Geschwindigkeit ins Schleudern. Bei diesem Unfall verstarb ein Mitfahrer. Die Zahl der Drogenunfälle ist identisch mit der vom Vorjahr. Bei den 135 registrierten Verkehrsunfällen verunglückten 77 Personen (Vorjahr: 82).

Nach wie vor sind die Hauptunfallursachen in Hamburg Aggressionsdelikte wie „Geschwindigkeit“ und „mangelnder Sicherheitsabstand“. Bei den Verkehrsunfällen mit Personenschäden wurden in 1972 von 7898 Fällen (24,9 Prozent) diese Hauptunfallursachen festgestellt. Weitere Hauptunfallursachen sind:  Vorfahrts-/Vorrang- und Rotlichtverstöße, Fehler beim Einfahren, Wen­den oder Rückwärtsfahren sowie Fehler beim Abbiegen nach links.

Innensenator Andy Grote stellt fest: „Unaufmerksamkeit und Selbstüberschätzung sind zwei der großen Risikofaktoren im Straßenverkehr. Immer häufiger beobachten wir, dass Kraftfahrer wie selbstverständlich ihr Smartphone während der Fahrt benutzen und scheinbar kein Gefahrenbewusstsein dabei haben. Auch Radfahrer und Fußgänger sind immer häufiger so stark abgelenkt und unaufmerksam, dass es leicht zu konkreten Gefahrensituationen und in nicht wenigen Fällen zu folgenschweren Unfällen im Straßenverkehr kommt. Ich fordere deshalb alle Verkehrsteilnehmer dazu auf, durch umsichtiges und verkehrsgerechtes Verhalten sowohl zur eigenen als auch zur Sicherheit der anderen, insbesondere der schwächeren Verkehrsteilnehmer, beizutragen.“ Grote kündigte an: „Wir werden auf diese Erkenntnisse reagieren und festgestellte Verstöße konsequent ahnden. Die besonders folgenschweren Unfallursachen überhöhte Geschwindigkeit und das Fahren bei Rotlicht bleiben weiterhin ein Schwerpunkt polizeilicher Kontrollen. Auch die erfolgreiche Präventionsarbeit, insbesondere die Verkehrserziehung unserer Kinder, werden wir in Hamburg unvermindert fortführen.“

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