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Produktsicherheit Pocket Bikes

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Pocket Bikes sind verkleinerte Motorräder, die optisch meist den großen Motorrädern nachempfunden sind und inzwischen überwiegend aus fernöstlicher Produktion stammen.

Pocket Bikes

Pocket Bike mit Fahrer

Ursprünglich waren Pocket Bikes für Kinder konzipiert, die damit auf abgesperrten Strecken mit den dafür zugelassenen Fahrzeugen und nach festgelegten Regeln Rennen fahren. Diese umfassenden Regeln werden vom DMSB (Deutscher Motor Sport Bund e.V.) festgelegt. Diese Rennen sind ein exklusives, nicht ganz billiges Hobby für einen kleinen Kreis von motorsportbegeisterten Kindern und Eltern.

Inzwischen hat sich die Situation verändert, da auf dem Markt bereits für billiges Geld (derzeit ab etwa 150 Euro) Pocket Bikes angeboten werden.

Falls Sie beabsichtigen, sich ein solches billiges Pocket Bike nicht nur als Zimmerdekoration zuzulegen, sollten Sie sich vor dem Kauf folgende Fragen stellen:

Wer sollte mit dem Pocket Bike fahren?

Pocket Bikes sind für Erwachsene einfach zu klein. Sie sitzen in ergonomisch unzumutbarer Haltung auf einem einspurigen Fahrzeug, dessen Fahrphysik aufgrund der Proportionen von Fahrer zu Maschine leicht zu einem Sturz führen kann. Besonders hoch ist die Sturzgefahr, wenn Sie nicht auf ausreichende Erfahrung und Übung mit einem "normalen" Motorrad zurückgreifen können. Kinder sind bestenfalls unter Aufsicht von Erwachsenen und nach intensivem Training in der Lage, mit einem solchen Fahrzeug sicher umzugehen. Ein Spielzeug, mit dem ein Kind auch unbeaufsichtigt umgehen könnte, ist ein Pocket Bike auf keinen Fall!

Wo wollen Sie mit dem Pocket Bike fahren?

Pocket Bikes sind in Deutschland nicht für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen. Sie dürfen deshalb nicht auf Straßen, Plätzen, Feld- und Waldwegen, Fuß- und Fahrradwegen und auch nicht auf öffentlich zugänglichen Parkplätzen benutzt werden. Trifft die Polizei Sie dort an, müssen Sie mit einer Anzeige wegen Fahrens eines nicht zugelassenen Fahrzeuges, Verstoßens gegen die Versicherungspflicht und gegebenenfalls Fahrens ohne Führerschein rechnen (Kleinkrafträder bis 50 ccm und maximal 45 Stundenkilometer: Klasse M beziehungsweise B; größerer Hubraum und/oder höhere Geschwindigkeit: Klasse A 1 beziehungsweise A). Sie dürfen mit einem solchen Fahrzeug nur auf abgesperrtem Privatgelände oder auf reinen Rennstrecken unter Vereinsaufsicht fahren.

Besitzen Sie eine ausreichende Motorradschutzkleidung?

Insbesondere bei den ersten Fahrversuchen müssen Sie mit Stürzen oder gar Kollisionen mit festen Gegenständen (Gebäude, Zäune, Pfähle, Bäume) rechnen. Die Folgen eines Sturzes mit einem immerhin bis zu 60 Kilometer pro Stunde schnellen Pocket Bike sind in der Regel Hautabschürfungen, Prellungen und unter Umständen auch Knochenbrüche.
Diese Sturzfolgen können Sie beziehungsweise Ihr Kind nur durch Tragen einer entsprechenden Motorradschutzkleidung mit Protektoren, Motorradhandschuhen und Motorradhelm wesentlich abmildern. Eine solche Schutzausrüstung wird zwar den Preis für ein billiges Pocket Bike deutlich überschreiten, ist aber für jeden unverzichtbar, der mit einem Pocket Bike fährt. Das gilt auch für Kinder!

Aber gegen Kollisionen mit festen Gegenständen bietet auch eine Motorradschutzkleidung bei motorisierten Zweirädern keinen umfassenden Schutz: Auch mit Pocket Bikes haben sich schon tödliche Unfälle ereignet! Um derartige Kollisionen zu vermeiden, müssen Sie sich entweder voll auf die realistische Einschätzung Ihrer Fahrkünste, das Fahrverhalten des Pocket Bikes und dessen Bremsen verlassen können oder Sie müssen ein Gelände auswählen, das frei von festen Gegenständen ist und in dem sich auch keine weiteren Personen aufhalten.

Wie steht es mit der technischen Sicherheit des Pocket Bikes?

Bei billigen Pocket Bikes können Sie nicht von dem Sicherheitsstandard ausgehen, den Sie bei straßenzugelassenen Fahrzeugen oder Markenfahrzeugen erwarten können, die mindestens zehn mal so teuer sind.

Lassen Sie sich bei Fragen zur Sicherheit des Pocket Bikes nicht mit dem Hinweis auf ein aufgeklebtes CE-Zeichen und eine möglicherweise vorhandene EG-Konformitätserklärung abspeisen. Dieses Zeichen und diese Erklärung bedeuten lediglich, dass der Hersteller beziehungsweise der Importeur der Meinung sind, das Bike entspreche zum Beispiel der Maschinenrichtlinie. Solange dies nicht durch Unterlagen einer zugelassenen Prüfstelle belegt werden kann, sind erfahrungsgemäß insbesondere bei billigen Pocket Bikes Zweifel an der Konformität mit europäischen Produktsicherheitsvorschriften angebracht.

Deshalb sollten Sie vor dem Kauf insbesondere die folgenden Punkte selber überprüfen:

Wird eine Betriebsanleitung in deutscher Sprache mitgeliefert?

Diese Anleitung muss unter anderem enthalten: Angaben zur Qualifikation des Fahrers, Schutzkleidung, zulässige Einsatzorte, Lärmentwicklung, Höchstgeschwindigkeit, Zuladung, Wartung und natürlich Angaben, wie man das Bike bedient.

Ist ein Typenschild vorhanden?

Für mögliche Regressansprüche benötigen Sie die Typangabe sowie Namen und Anschrift des in Deutschland verantwortlichen Importeurs.

Sind heiße Oberflächen ausreichend abgedeckt?
Besonders heiß werden der Auspuff und der Auspuffkrümmer. Der Auspuff muss so verlegt sein, dass Sie sich insbesondere beim Starten (Seilzugstarter), bei Betätigung der Kaltstarteinrichtung oder beim Öffnen des Benzinhahns nicht verbrennen. Außerdem sollte der Auspuffkrümmer nicht in unmittelbarer Nähe des Kraftstofftanks verlaufen. Die Kraftstoffleitung selbst sollte so ausgeführt, verlegt und befestigt sein, dass sie sich nicht während des Betriebes unbeabsichtigt lösen kann und dann Benzin austritt.

Funktioniert die Bremse?

Es müssen zwei unabhängige Bremsen (Vorderrad und Hinterrad) vorhanden sein. Die Bremshebel müssen sicher zu greifen sein. Die Bremsen müssen entsprechend der Betätigungskraft das Fahrzeug ausreichend und gleichmäßig (kein plötzliches Blockieren) verzögern. Zur Beurteilung des Bremsverhaltens ist eine Probefahrt erforderlich. Bedenken Sie dabei, dass auch für eine kurze Probefahrt ein sicheres Gelände vorhanden sein muss und Sie Schutzkleidung tragen sollten! Die Seilzüge der Bremsen müssen sicher verlegt sein (keine Knickstellen und ähnliches).

Sind Notaus- und Schlüsselschalter vorhanden?

Ein Notaus- beziehungsweise Killschalter ist erforderlich, um in Notsituationen (zum Beispiel Sturz) den Motor schnell abschalten zu können. Der Schlüsselschalter soll verhindern, dass zum Beispiel Ihr Kind unerlaubt mit dem Pocket Bike herumfährt.

Ist der Lenker sicher zu handhaben?

Der Lenker darf sich auch in kritischen Situationen nicht aus seiner Klemmung lösen oder verdrehen. Es muss ein Lenkeranschlag vorhanden sein, der verhindert, dass Sie sich den Daumen zwischen Lenker und Tank quetschen.

Sind Fußrasten und Lenkergriffe sicher befestigt?

Sich lösende Fußrasten oder leicht abziehbare Lenkergriffe führen sehr leicht zum Sturz.

Ist die Antriebskette ausreichend verkleidet?

Der Kettenschutz muss so ausgeführt sein, dass keine Kleidungsstücke oder Gliedmaßen eingezogen werden und es unter Umständen nicht auch noch zum Sturz kommt.

Ist die Rahmenkonstruktion ausreichend stabil?

Wenn der Rahmen (nicht die Federung!) schon im Stand nachgibt, sobald Sie sich auf das Pocket Bike setzen, und die Rad- und Lenkeraufhängungen (Telegabel, Lenkkopflager, Schwingenlager) merkliches Spiel haben, können Sie nicht davon ausgehen, dass die Fahrstabilität für ein sicheres Fahren ausreicht. Unter diesen Bedingungen wird das Pocket Bike nie exakt dort hinfahren, wo Sie hin wollen. Fehlerhafte Schweißnähte und unterdimensionierte Rahmen- und Fahrwerksteile können brechen und so zu einem Sturz führen!

Wie sieht es mit Lautstärke und Funkentstörung aus?

Den Themen Schalldämpfung und Funkentstörung wird bei einem billigen Pocket Bike herstellerseitig meist nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Bedenken Sie deshalb, dass Sie mit einem sehr lauten Bike, das wegen fehlender Funkentstörung der Zündkerze auch noch den Radio-/ Fernsehempfang stört, in Ihrer Umgebung kaum neue Freunde finden werden.

Was ist mit Wartung und Reparaturen?

Auch Pocket Bikes unterliegen, wie alle motorisierten Zweiräder, einem gewissen Verschleiß und müssen deshalb regelmäßig gewartet werden. Hin und wieder wird auch einmal ein Teil kaputtgehen. In diesem Zusammenhang sollten Sie sich beim Verkäufer ruhig einmal nach der zukünftigen Ersatzteilversorgung erkundigen.

Sofern Sie das Pocket Bike nicht von einer Privatperson erworben haben, gilt in Deutschland eine zweijährige Gewährleistungsfrist. Fragen Sie den Verkäufer, von wem, in welcher Zeit und wie eventuell auftretende Mängel während dieser Gewährleistungsfrist beseitigt werden können. Lassen Sie sich diese Aussagen gegebenenfalls schriftlich bestätigen.

Aber schon bei der Inbetriebnahme müssen Sie davon ausgehen, dass Sie - ähnlich wie bei einem vormontierten Fahrrad - zumindest die sicherheitsrelevanten Schraubverbindungen nachziehen und bestimmte Einstellungen (zum Beispiel Bremshebelspiel, Kettenspannung) korrigieren müssen. Das Personal in Supermärkten, Bazargeschäften und ähnlichen Verkaufsorten wird Sie dabei mangels Qualifikation kaum besonders fachkundig unterstützen können. Eine Probefahrt auf sicherem Gelände wird in der Regel auch nicht möglich sein. Bei einem Kauf im Internet sind Sie völlig auf sich selbst gestellt.

Sofern Sie keine ausreichenden Kenntnisse und Fähigkeiten auf dem Gebiet der Wartung und Reparatur von motorisierten Zweirädern haben, sollten Sie deshalb besser die Finger von einem Pocket Bike der unteren Preisklasse lassen. Sie können Wartungs- und Reparaturarbeiten natürlich auch von einer Fachwerkstatt erledigen lassen, falls diese sich dazu bereit erklärt. Allerdings werden Sie dann feststellen müssen, dass schon die Kosten für geringfügig erscheinende Arbeiten leicht den Kaufpreis Ihres Pocket Bikes überschreiten können.

Bedenken Sie in jedem Fall, dass der Verzicht auf fachkundige Wartung und Reparatur nicht nur die Zuverlässigkeit des Bikes verringert, sondern auch die Wahrscheinlichkeit eines Sturzes steigen lässt!

Zusammenfassung

Pocket Bikes sind schon aufgrund ihrer Größe und der fehlenden Straßenzulassung tendenziell gefährliche Freizeitprodukte. Akzeptabel wird das Risiko nur bei Verwendung von hochwertigen Bikes, die ausschließlich im Rahmen eines reglementierten Renngeschehens von lizensierten Fahrern in ausreichender Schutzkleidung eingesetzt werden.

Billige Pocket Bikes sind im Prinzip nur als Dekorationsgegenstände sicher zu gebrauchen. Eine Fahrt mit ihnen kann für den Laien aus den oben geschilderten Gründen schnell zu einem nur schwer kalkulierbaren Risiko werden.

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