Salafismusprävention Fallarbeit mit Jugendlichen

Intervention bei Verdachtsfällen mit religiös-extremistischen Dogma

Fallarbeit mit Jugendlichen

Schülerinnen und Schüler der allgemeinbildenden Schulen, die im Verdacht stehen, einem religiös-extremistischen Dogma zu folgen (z.B. Salafismus), werden von der Beratungsstelle Gewaltprävention betreut.

Problemlage

In Hamburg werden bisher vereinzelt Jugendliche und Heranwachsende identifiziert, die sich in religiös-extremistischen Kreisen bewegen, andere Kinder und Jugendliche bewusst in Schulen ansprechen, auch in diese Gemeinschaft ziehen wollen und ggf. zur Ausreise in Länder bereit sind, in denen für einen religiösen Glauben gekämpft wird („Dschihad“).

 

Zielsetzung

Individuelle Unterstützung der Schulen der betroffenen Jugendlichen und deren Familien mit dem Ziel,

  • grenzverletzendes Verhalten gegenüber Dritten in der Schule (Nötigungen, Bedrohungen) zu unterbinden,
  • Maßnahmen zur Deradikalisierung einleiten,
  • die Beruhigung des Klassenverbandes durch Klasseninterventionen zu bewirken,
  • eine Verstetigung des Schulbesuchs zu erreichen oder
  • eine Schullaufbahnberatung zur Ausbildungsperspektive anzubieten.

 

Zielgruppe

Die Zielgruppe sind im Schwerpunkt religiös-extremistische Schülerinnen und Schüler zwischen 14 und 17 Jahren der allgemeinbildenden Schulen, die u.U. zugleich bei der Beratungsstelle „Legato“ und - bei Bedarf - einem bezirklichen Jugendamt betreut werden, sowie bei polizeilichen Fachstellen (LKA) und dem Verfassungsschutz unter Beobachtung stehen. Durch den einsetzenden Generationenwechsel in der religiös-extremistischen Szene sowie den Rückkehrerinnen und Rückkehrern haben wir es aber auch mit noch sehr jungen Kindern in den Grundschulen zu tun, die in einem entsprechenden Haushalt und Umfeld aufwachsen.

 

Vorgehen

Auffälliges Verhalten der betroffenen Jugendlichen kann z.B. von einer Schule direkt an die Beratungsstelle Gewaltprävention, an die Schulaufsicht oder an das ReBBZ gemeldet werden. Diese Institutionen informieren unverzüglich den zuständigen B33-Kollegen. Anschließend folgt eine Abstimmung mit anderen behördlichen Stellen und Einrichtungen, ob es sich bei diesem Einzelfall um einen Jugendlichen der Zielgruppe handelt. Nach Bestätigung der bestehenden Problematik wird die Fallzuständigkeit festgelegt. Die B33-Fachkraft arbeitet eng mit den Schulen zusammen und stimmt sich bei allen Einzelfällen in der Regel fortlaufend mit den betroffenen Schulen und dem dort involvierten Fachpersonal ab.

Schaubild: Zuständigkeiten Salafismusprävention

 

Andere BSB-Fachkräfte (ReBBZ, Schulaufsicht) werden über die Fallarbeit von B33 informiert und übermitteln sofort die ihnen zur Verfügung stehenden Informationen und Unterlagen an den B33-Mitarbeiter. Nach Übernahme der Fallzuständigkeit durch die Beratungsstelle Gewaltprävention findet keine ergänzende Einzelhilfe durch ein ReBBZ statt. In überbehördlichen Fachgesprächen bzw. Fallkonferenzen werden bei besonderen Risikofällen weitere Maßnahmen und Hilfen für den Jugendlichen bzw. die Familie unter Berücksichtigung der Ressourcen und Potenziale des Jugendlichen, der Zeitperspektive des abgestimmten Maßnahmenpakets und der jeweiligen Rollen und Aufgaben der Fachkräfte festgelegt. Eine verbindliche Kooperation mit religiösen Gemeinschaften und/oder Migrationsverbänden ist ebenfalls anzubahnen und anschließend zu verstetigen.

Die Angehörigenberatung wird regelhaft von Legato übernommen. Besteht nach gemeinsamer Einschätzung ein möglicher Bedarf an Leistungen der Jugendhilfe, wird das zuständige Jugendamt informiert, falls es noch nicht eingebunden ist. Überlegungen zu Maßnahmen der Jugendhilfe obliegen dann den ASD-Kolleginnen und Kollegen. Gemäß Drs. 21/5039 erfolgt die Einschaltung des ASD bei Verdacht des religiösen Extremismus über die Leitungen der Jugendämter (JA-L); die Kinderschutzkoordinatoren können von den ASD-Fachkräften beratend hinzugezogen werden.

Bei sicherheitsrelevanten Fragestellungen erfolgt auch eine Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden zu den Themen

  • Bedrohungspotential
  • Ausreisebekundung
  • Kindeswohlgefährdung

 

Links:
https://li.hamburg.de/menschenrechts-und-demokratiefeindlichkeit/
https://legato-hamburg.de/
https://www.hamburg.de/basfi/
https://www.hamburg.de/bsb/


 

Ansprechpartner:
Dr. André Fischer

Beratungsstelle Gewaltprävention
Hamburger Straße 129
22083 Hamburg
Tel.: (040) 428 63 - 7013
Mail: andre.fischer@bsb.hamburg.de

Weitere Beratungsangebote