Altona-Altstadt: Wissens- und Sehenswertes Buntes Viertel mit wechselhafter Vergangenheit

Eng bewohnt und kulturell vielfältig: So präsentiert sich der Stadtteil, der mehr als 200 Jahre lang dänisch war.

1 / 1

Wissens- und Sehenswertes in Altona-Altstadt

BezirkAltona
Einwohner29.034*
Einwohner pro km210.683*
Fläche2,7 km²*
Öffentlicher Nahverkehr

S-Bahn:
S1, S2, S3, S21, (Haltestelle: Königstraße)
S1, S3, S11, S21, S31 (Haltestelle: Holstenstraße)

Hafenfähre:
61 (Haltestellen: Altona (Fischmarkt), Dockland (Fischereihafen))
62 (Haltestellen: Altona (Fischmarkt), Dockland (Fischereihafen))

Schmelztiegel zahlreicher Kulturen

Altona-Altstadt ist einer der am dichtesten bebauten Stadtteile Hamburgs. Auf einer Fläche von 2,7 Quadratkilometern wohnen mehr als 28.000 Menschen, darunter viele junge Leute. Hier leben vor allem Singles und Alleinerziehende, oft auf engem Wohnraum und in öffentlich geförderten Wohnungen. Altona-Altstadt bildet einen Schmelztiegel zahlreicher Kulturen. Das bedeutet: Bunte Straßenfeste und Läden aus aller Herren Länder. 

Die Einwohner schätzen nicht nur die Vielfältigkeit, sondern auch die Nähe zum Zentrum und die sehr gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Mittlerweile sind etliche Bereiche des Stadtteils verkehrsberuhigt, so dass Altona-Altstadt trotz seiner dichten Bebauung auch ruhige Gegenden hat. 

Alt und Neu vereint

Wer diese Wohngegenden erkundet, wird auf den ersten Blick nicht viel Altes erblicken. Der Stadtteil präsentiert sich relativ modern, geprägt von Bauten aus der Nachkriegszeit. Doch die Spuren der Vergangenheit sind auf den zweiten Blick erkennbar: Die Hauptkirche St. Trinitatis blickt auf eine mehr als 350-jährige Geschichte zurück. Sie beherbergt etwas Einzigartiges im europäischen Raum: einen lächelnden Christus. 1970 erhielt die Kirche den Hamburger Architektenpreis als vorbildliches Bauwerk für die Verbindung von Altem und Neuem beim Wiederaufbau.

In Sichtweite der evangelischen Hauptkirche liegt an der Königstraße der 1611 errichtete Jüdische Friedhof Altona. Er hat beste Chancen, in die UNESCO-Liste der Weltkulturerbe-Stätten aufgenommen zu werden. Obwohl der Friedhof zu den weltweit bedeutendsten jüdischen Begräbnisplätzen gehört, ist er bei Auswärtigen eher unbekannt.

Fische, Südfrüchte und Pflanzen

Weiter südlich hat Altona-Altstadt mit dem weltberühmten Fischmarkt ein weitaus bekannteres Highlight zu bieten. Dieser lockt jeden Sonntag unter anderem mit Aalen, Ananas und Zimmerpalmen. Ob Tourist oder waschechter Hamburger: Hier genießen viele nach einer durchfeierten Nacht ihr Katerfrühstück. Dass der Markt zu Altona – und nicht zu St. Pauli – gehört, ist am Giebel der Fischauktionshalle zu erkennen, wo zur Wasserseite hin das Altonaer Stadtwappen prangt. Auch der im Februar 2016 ausgebrannte Undergroundclub Golden Pudel Club ist zwar eine Institution in der Szene von St. Pauli, gehört aber zu Altona-Altstadt.

Seit einigen Jahren ist es möglich, direkt am Wasser entlang vom Fischmarkt bis zum Holzhafen zu spazieren. Man kommt an der Elbmeile an urigen Hafenkneipen, schicken Werbeagenturen, angesagten Restaurants und edlen Designerläden vorbei – ein Mix aus moderner Architektur und denkmalgeschützten Gebäuden.

Weitblick am Hang

Wer nach dem Bummel eine Pause benötigt, findet auf dem nahen Altonaer Balkon ein schönes Plätzchen. Auf dem Aussichtspunkt am Elbhang kann man den Blick über weite Teile der Elbe mit dem 2010 eröffneten Kreuzfahrtterminal Altona schweifen lassen. Auf seiner nördlichen Seite liegt die Palmaille, Altonas Prachtstraße. Sie hat in 400 Jahren eine wechselvolle Geschichte erlebt, verbreitet aber bis heute großbürgerliches Flair.

Am Ende der vielbefahrenen Straße schaut man auf die Rückseite des heutigen Altonaer Rathauses, ein schneeweißes Prunkstück mit spätklassizistischer Fassade. Im benachbarten Park, dem Platz der Republik, steht seit 2000 der monumentale Stuhlmannbrunnen, der seinen Namen dem Gründer der Altonaer Gas- und Wasserwerke verdankt: Ludwig Günther Stuhlmann. Dieser vermachte der Stadt Altona in seinem Testament Geld, verbunden mit dem Wunsch, davon unter anderem eine repräsentative Brunnenanlage zu errichten. Das geschah 1900. Der Brunnen zeigt zwei kämpfende Zentauren, die die konkurrierenden Hafen- und Fischereistädte Hamburg und Altona symbolisieren.

Ikea in der City

Nicht weit davon entfernt geht es mitten hinein in das heutige Zentrum von Altona-Altstadt, die Einkaufsstraße Große Bergstraße und die Fußgängerzone Neue Große Bergstraße. Sie war in den 1960er-Jahren Deutschlands erste großstädtische Fußgängerzone, verlor dann aber an Anziehung. Ein-Euro-Läden und Spielhallen prägten das Bild. Schon seit einiger Zeit versucht man, das verödete Zentrum wiederzubeleben. Viel diskutiert wurde die Ansiedlung des schwedischen Möbelhauses Ikea, das dort eine der ersten City-Ikea-Filialen errichten wollte. In einem Bürgerentscheid 2010 sprachen sich schließlich mehr als Drei Viertel der abstimmenden Bewohner des Bezirks Altona für einen Ikea-Neubau aus. Er wurde 2014 eröffnet.

Neue Musical-Bühne

Wer die Straße bis zum Ende durchläuft und sich dann nördlich hält, kommt am neuen Theater First Stage vorbei. Das privat finanzierte Theater liegt an der Thedestraße / Ecke Schomburgstraße – dort, wo bis 1974 das Kino Kina war. Abseits der großen Produktionen wie „Der König der Löwen“ will das Theater für Musical-Einsteiger anspruchsvolle Shows zu geringen Eintrittspreisen bieten, ähnlich wie der Dauerbrenner „Heiße Ecke“ im Schmidts Tivoli. Betreiber des First Stage ist die Stage School Hamburg, Deutschlands größte unabhängige Bühnenfachschule, die seit 2013 in der Nähe am Bahnhof Altona ihre Räume hat. Angelika Milster, die in den 1980er-Jahren in „Cats“ den Musical-Boom mitbegründet hatte, gibt an der Stage School Masterclasses in Gesang und Schauspiel.

Junge Kulturfans steuern gerne das HausDrei an, ein Gebäude im Ensemble des ehemaligen Altonaer Krankenhauskomplexes an der Max-Brauer-Allee. Auf dem Programm der Kulturstätte stehen Samstagsklettern am Bunker im August-Lütgens-Park, offene Werkstätten, ein regelmäßiges Repair Café, Kinderkino und verschiedene andere Angebote für Kids. Diese sind im Kindertheater an der Max-Brauer-Allee ebenfalls richtig.

Underground-Flair

Kultur etwas anderer Art gibt es unter der weiter nordöstlich gelegenen Sternbrücke zu erleben. Subkulturfans steuern dort gerne Musikclubs wie das Fundbureau an. Früher kamen hier verlorene Sachen unter den Hammer, heute tanzt ein feierfreudiges Alternativpublikum zu House, Techno und Trance – mal live, mal vom DJ. Bis Ende 2015 fest im Programm: der Nachtflohmarkt. Drei Clubs rund um die legendäre Brücke – neben Fundbureau auch Waagenbau und Astra Stube – öffneten an jedem ersten Mittwoch im Monat ihre Tore für Jäger und Sammler kurioser Dinge. Ob und wann der Flohmarkt wiederauflebt, wird derzeit geklärt.

Ganz in der Nähe kann man sich im Wohlers Park von Hektik und Lärm erholen. Vor allem im Frühling, wenn es im Park grünt und blüht, ist er einer der romantischsten Plätze in Hamburg. Die zahlreichen Picknicker im Sommer und Jogger lassen einen vergessen, was der Park einmal war: der Friedhof Norderreihe. Heute wird der verwunschene Fleck im Volksmund „Tai-Chi-Park“ oder „Meditationspark“ genannt, da er für diese Entspannungspraktiken gerne aufgesucht wird.

Einst für Garnisonen, heute für Lesungen

Zur Besinnung lädt auch die evangelische St. Johanniskirche ein, ein neugotischer Backsteinbau von Johannes Otzen. Lange diente das 1873 eingeweihte Gebäude als Garnisonskirche der in Altona stationierten Truppen. Im Dritten Reich fand in der St. Johanniskirche die Massenhochzeit von Reemtsma statt, bei der über einhundert Brautpaare gleichzeitig getraut wurden. Heute wird die Kirche als Kulturkirche für Veranstaltungen wie Theater, Konzerte und Lesungen genutzt. Neben ihr erinnert eine Stele an die Gefallenen des 1. Thüringischen Infanterieregiments Nr. 31 „Graf Bose“, das von Altona aus 1914 in den Ersten Weltkrieg zog.

Kneipe mit fragwürdigem Ruf

Der Name Altona stammt übrigens nicht von einer Persönlichkeit, wie dies bei vielen Stadtteilen der Fall ist. Im Falle Altonas erbaute der Fischer Joachim von Lohe nahe der Hamburger Stadtgrenze eine Kneipe von zweifelhaftem Ruf, in der er selbstgebrautes Rotbier ausschenkte. Um das Gasthaus siedelten sich Handwerker und Fischer an. Dem Hamburger Rat lag die Ansiedlung „all to nah“ (allzu nah) an der Stadtgrenze. Als Stelle wird der Geesthang zwischen dem späteren Nobistor und dem Altonaer Fischmarkt im Bereich der heutigen Straße Pepermölenbek vermutet. Eine andere Herleitung des Namens ergibt sich aus dem elbaufwärts gelegenen Bach Aldenawe oder auch Altenau, dessen genaue Lage nicht mehr bestimmbar ist.

Zweitgrößte dänische Stadt

Altona wurde 1537 erstmals urkundlich erwähnt. Die Fischersiedlung gehörte zunächst den schaumburgischen Grafen von Holstein-Pinneberg, 1640 fiel sie aber als Teil von Schleswig-Holstein an Dänemark. Vier Jahre später verlieh ihr der dänische König Friedrich III., der zugleich Herzog von Holstein war, das Stadtrecht. Privilegien wie Zuzugs-, Zoll- und Gewerbefreiheit machten Altona binnen kurzem zu einer der liberalsten Städte Europas. Der Handel florierte, und es zogen zunehmend Hamburger Bürger dorthin. Mit 12.000 Einwohnern war Altona 1710 die zweitgrößte dänische Stadt nach Kopenhagen. Drei Jahre später brannten schwedische Truppen im Nordischen Krieg die meisten Häuser und Gebäude nieder. Aus dieser Zerstörung erklärt sich, dass außer der Straßenanlage der Palmaille kaum etwas an das Altona vor dem Schwedenbrand erinnert. 1863 mussten die Dänen, bedingt durch ihre Niederlage im Deutsch-Dänischen Krieg, aus Altona abrücken – nach mehr als 200 Jahren endete ihre Herrschaft.

Vorbei mit der Selbstständigkeit

1867 wurde Altona preußisch und wuchs danach durch Eingemeindungen sehr kräftig. 1900 lebten rund 200.000 Personen in den engen Behausungen der Arbeiterstadt – rund 8.000 Menschen je Quadratkilometer, mehr als in jeder anderen deutschen Metropole. Mit ihrer Eigenständigkeit als schleswig-holsteinische Stadt war es 1937 vorbei: Unter den Nationalsozialisten wurde sie per Gesetz zu einem Stadtteil Hamburgs. 1943 zerstörten alliierte Bomber die ehemalige Altstadt Altonas, vor allem das Gebiet zwischen Nobistor, Max-Brauer-Allee, Großer Elbstraße und Holstenstraße.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand im zerbombten Teil der Altstadt aufgrund der sogenannten Neu-Altona-Planung Geschosswohnungsbau. Ende der 1970er-Jahre führten die Werftenkrise und der Niedergang der Hochseefischerei dazu, dass ganze Industriezweige aus dem Gebiet verschwanden und Wohnungen leer standen. Diese Zeiten haben sich inzwischen gewandelt: Altona-Altstadt ist heute als Ort zum Leben wieder gefragt, und ein beliebter Spruch lautet mittlerweile: „Einmal Altona, immer Altona“.

Karte

*Quelle: Hamburger Stadtteilprofile, Statistikamt Nord (Stand: Jan 2018)

Autor:

Buntes Viertel mit wechselhafter Vergangenheit
Eng bewohnt und kulturell vielfältig: So präsentiert sich der Stadtteil, der mehr als 200 Jahre lang dänisch war.
https://www.hamburg.de/image/5776076/1x1/150/150/95a18819ea5ed2a1a845a8a7b9050cd/Oi/altonaer-balkon-bild--1-.jpg
20180115 14:09:10