St. Pauli: Wissens- und Sehenswertes

St. Pauli: Wissens- und Sehenswertes Der Kultstadtteil Hamburgs

Die Amüsiermeile auf der Reeperbahn, die Landungsbrücken und der Hafen sorgen für ein besonderes Flair im Kultstadtteil Hamburgs. Doch St. Pauli bietet noch viel mehr als das und ist unter anderem die Heimat von Hamburgs höchstem Gebäude sowie einer der größten Parkanlagen der Hansestadt.

Wissens- und Sehenswertes auf St. Pauli

BezirkHamburg-Mitte
Einwohner22.501*
Einwohner pro km210.034*
Fläche2,3 km2*
Öffentlicher Nahverkehr

U-Bahn:
U2 (Haltestelle: Messehallen)
U3 (Haltestellen: Landungsbrücken, St. Pauli, Feldstraße)

S-Bahn:
S1, S2, S3 (Haltestellen: Landungsbrücken, Reeperbahn)

Hafenfähre:
62 (Haltestelle: Landungsbrücken)
68 (Haltestelle: Landungsbrücken)
72 (Haltestelle: Landungsbrücken)
73 (Haltestelle: Landungsbrücken)
75 (Haltestelle: Landungsbrücken)

Mehr als Reeperbahn und Hafen

Denkt man an St. Pauli, schießen einem sofort Reeperbahn und Hafen in den Kopf. Beide Touristenattraktionen sorgen für das besondere Flair des Stadtteils und machen St. Pauli zu dem, was es schon immer war: anders, alternativ. Den Stadtteil prägen darüber hinaus aber noch weitere Orte, die unverzichtbar für die Stadt Hamburg sind. Dazu gehören das Messegelände mit dem Heinrich-Hertz-Turm, Hamburg höchstem Gebäude, das Congress Centrum und als eine der grünen Lungen Hamburgs ein Teil des Parks Planten un Blomen. Zudem gibt es mit dem Karolinenviertel noch das Szeneviertel im Szeneviertel.

Hamburgs Amüsiermeile Nummer eins

Die Reeperbahn ist wohl das Bunteste was Hamburg zu bieten hat. Nicht nur wegen der vielen Lichter, die den Straßenzug erhellen, sobald es dämmert. Auch wegen der bunten Mischung an Menschen, die sich vor allem in den Abendstunden und nachts auf der Reeperbahn herumtreiben. Waren es früher Karate-Tommy oder der Blonde Hans, die die Geile Meile prägten, ist heute Kult-Transe Olivia Jones eine der Reeperbahn-Berühmtheiten.

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Auf Hamburgs Amüsiermeile schlechthin bieten sich unzählige Möglichkeiten des Amüsements. Ob Musicals im Operettenhaus, Theater und Kabarett in Schmidts Tivoli oder dem St. Pauli Theater am Spielbudenplatz, Krimi im Imperial Theater, stilecht die Nacht durchtanzen in Clubs wie dem Moondoo, Halo oder Neidklub, Konzerte in der Großen Freiheit 36, im Docks, Gruenspan oder Mojo Club, den Stars ganz nah sein im Wachsfigurenkabinett Panoptikum oder einfach auf ein Bier in die alte Hafenkneipe – auf der Reeperbahn gibt es eigentlich nichts, was es nicht gibt. Natürlich auch viel nackte Haut in den diversen Stripclubs, für die die Reeperbahn seit eh und je berühmt und berüchtigt ist. Im Gegenzug befindet sich auf der Großen Freiheit aber auch eine Kirche, die von Nachtclubs umringt wird. Im Winter beheimatet die Reeperbahn auch „Santa Pauli, Hamburgs Weihnachtsmarkt der etwas anderen Art“. 

An manchen Ecken ist sie noch deutlich spürbar, die Hafenromantik, die Hans Albers in seinen Liebesliedern an die Stadt und diesen besonderen Teil davon zum Ausdruck brachte. Einmal im Jahr wird die Reeperbahn zudem zum Hotspot von Musikliebhabern, wenn sich internationale Künstler in den diversen Spielstätten rund um Hamburgs berühmteste Straße zum Reeperbahn Festival treffen. Auch der Schlagermove lockt jedes Jahr viele musikbegeisterte und feierwütige Menschen nach St. Pauli. Bis zu 500.000 Schlager-Fans ziehen dann in einer großen Parade durch die Straßen St. Paulis. 

Apropos Musik, da wären auch noch die Beatles. Oder besser waren. Im Indra auf der Großen Freiheit hatten die Pilzköpfe ihren ersten Auftritt überhaupt, starteten von dort ihre Karriere. Unweit vom Indra befand sich auch der legendäre Star Club, den man ebenfalls eng mit der Geschichte der Beatles verbindet. Der Club, der sich in der Großen Freiheit 39 befand, ist schon seit 1969 geschlossen, heute erinnert nur noch ein Gedenkstein an diese legendäre Spielstätte. Den Pilzköpfen wurde mit dem Beatles-Platz ebenfalls ein Denkmal gesetzt, das an der Ecke Reeperbahn/Große Freiheit in Form einer Schallplatte an die legendären Musiker erinnert.

Reges Treiben auf der Elbe

Knappe zehn Gehminuten südlich der Reeperbahn liegt der Hafen. An den Landungsbrücken, tummeln sich tagsüber die meisten Touristen und dort halten sich auch Hamburger gerne auf. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Hafen auf dieser Seite und an St. Paulis Teil der Elbe stark gewandelt. Die großen Dampfer, die früher viele Passagiere nach Übersee transportiert haben, findet man heute nicht mehr. Dafür verkehren Barkassen für Hafenrundfahrten, Hadag-Fähren für den täglichen Personentransport über und entlang der Elbe und nicht zuletzt die oft beeindruckend großen Kreuzfahrtschiffe. Nichtsdestotrotz ist eine Rundfahrt durch den Hamburger Hafen auch heute noch ein Erlebnis. Ebenso wie ein Gang durch den Alten Elbtunnel, der hinüber nach Steinwerder führt. 

Rund um das Heiligengeistfeld

Bewegt man sich von der Reeperbahn nach Norden, trifft man auf das Heiligengeistfeld. Dort findet dreimal im Jahr der Hamburger Dom, das größte Volksfest des Nordens, mit vielen Attraktionen und Fahrgeschäften statt. Direkt daneben wird es alle zwei Wochen mächtig laut, wenn im Millerntor-Stadion die Fußballer vom FC St. Pauli auflaufen. Der Kult-Club vom Kiez ist ein Publikumsmagnet, die Spiele der Boys in Brown sind regelmäßig ausverkauft. Seit dem Ende der Modernisierungsmaßnahmen im Jahr 2015 fasst das Stadion 29.546 Zuschauer.

Ebenfalls am Heiligengeistfeld, direkt hinter dem Millerntor-Stadion, steht ein grauer Gigant. Der große Hochbunker an der Feldstraße, der früher Zuflucht für Tausende Menschen war, ist heute auch unter dem Namen Medienbunker bekannt und beheimatet zahlreiche Firmen, die sich mit Film, Musik oder anderer Unterhaltung beschäftigen. Zudem befindet sich mit dem Uebel & Gefährlich eine der bekanntesten Konzert-Locations der Hansestadt im vierten Stock des Bunkers.

Überquert man die Feldstraße, ist es nur ein Katzensprung ins Karolinenviertel. Das kleine Szeneviertel, das Übergang zum Schanzenviertel ist, ist heutzutage quicklebendig und Heimat vieler kleiner Designerläden, Boutiquen, Bars, charmanter Cafés wie Gretchens Villa und Restaurants wie dem Gefundenes Fressen, das die Hamburger Rap-Legende Samy Deluxe dort eröffnete.

Messe- und Kongressstadt

Vom Karolinenviertel aus ist auch Hamburgs höchstes Bauwerk gut zu sehen. Neben dem Messegelände reckt sich der Heinrich-Hertz-Turm 279,20 Meter in den Himmel von St. Pauli. In den anliegenden Messehallen finden jährlich 40 Veranstaltungen mit rund 700.000 Besuchern aus aller Welt statt. Ebenfalls zum Messegelände gehört das Congress Center am Dammtor-Bahnhof. Beides zusammen beschert Hamburg den Ruf als Messe- und Kongress-Stadt. Dort findet sich auch ein zweites Gebäude, das die Skyline der Hansestadt maßgeblich prägt: das 108 Meter und 32 Stockwerke hohe Radisson Blu Hotel. 

Hamburgs grüne Lunge und Stadtteilgrenzen

Dieser Hotel-Koloss befindet sich in Planten un Blomen, einer der grünen Lungen der Hansestadt. Der größere Teil des Parks befindet sich in der Hamburger Neustadt, der nördliche gehört zum Stadtteil St. Pauli. Dort finden sich einige schöne Orte, wie der Parksee, an dem von Mai bis Anfang Oktober die spektakulären Wasserlichtkonzerte stattfinden. Ebenfalls im nördlichen Teil des Parks liegen der wunderschöne Rosengarten sowie der langgezogene Japanische Garten mit Teehaus, der den Dammtor-Bahnhof mit dem Eingang zur Messe verbindet. Mit der Neugestaltung des Alten Elbparks zwischen Hafen und Reeperbahn soll im Jahr 2018 begonnen werden. Dort befindet sich auch das zunehmend marode Bismarckdenkmal, welches im Zuge der Umgestaltung ebenfalls saniert werden soll. 

Übrigens: Wer am Sonntagmorgen über den Fischmarkt streift, befindet sich nicht auf St. Pauli. Der Markt liegt – wenn auch knapp – in Altona. Ebenso wie die St. Pauli Kirche, die aufgrund einer Veränderung der Stadtteilgrenzen nun im Nachbarstadtteil liegt. Weil sich St. Pauli natürlich nicht lumpen lässt und seiner Freibeuter-Mentalität gerecht werden muss, liegt die Friedenskirche Altona in St. Pauli.

Die Geschichte St. Paulis

Man mag es heutzutage kaum glauben, aber die erste Besiedlung in St. Pauli erfolgte durch ein Kloster. Um 1247 war das, als sich dort Nonnen des Zisterzienserordens ansiedelten. Ein Hamburg ohne St. Pauli ist heute nicht vorstellbar, doch es hat lange gedauert, bis die Hansestadt das Siedlungsgebiet, das ursprünglich vor den Stadtmauern lag, angenommen und akzeptiert hat. Lange war eine Ansiedlung in St. Pauli, das damals noch Hamburger Berg hieß, verboten. Trotzdem entstanden immer mehr Häuser außerhalb der großen Mauer.

Die Stadt verbannte über die Zeit alles Unliebsame nach St. Pauli. Im Jahr 1604 wurde beispielsweise der Pesthof, wo die Pestkranken behandelt wurden, in den Stadtteil verlegt. Zudem wurden seit dem 17. Jahrhundert zahlreiche Betriebe, die man aufgrund ihrer Geruchsentwicklung nicht mehr in der Stadt haben wollte, nach St. Pauli umgesiedelt. Seit 1633 auch die Betriebe der Reepschläger, die der Reeperbahn ihren Namen gaben. Noch im gleichen Jahr begann im Stadtteil die Tradition des Amüsierbetriebes.

Im Jahr 1833 erfolgte der erste Schritt, St. Pauli nach Hamburg einzugliedern. Die Vorstadt St. Pauli wurde unter die Verwaltung der Stadt Hamburg gestellt, lag aber weiterhin außerhalb der Stadtmauern. Dennoch entwickelte sich in dieser Zeit ein starkes Bevölkerungswachstum im Stadtteil, in dem Wohnungen aufgrund der Gegebenheiten günstig zu haben waren. 1894 wurde die Vorstadt schließlich auch offiziell zum Hamburger Stadtteil.

Nach dem Zweiten Weltkrieg besann man sich auf die Amüsiertradition und St. Pauli stieg zum Hamburger Vergnügungsviertel auf. Darauf folgte jedoch der große Kater, denn in den 1970er-Jahren machte der Stadtteil hauptsächlich mit Bandenkriegen und Negativschlagzeilen auf sich aufmerksam, was im Niedergang St. Paulis endete. In den 1980er-Jahren belebte die Stadt ihr Sorgenkind jedoch wieder. Die Kultur und das Vergnügen kehrten in Form von Theatern und Musicals zurück in den Stadtteil, der heute wohl so sehr wie nie zuvor für Amüsement und Unterhaltung steht.

Karte

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*Quelle: Hamburger Stadtteilprofile, Statistikamt Nord (Stand: Jan 2019)

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