Sülldorf: Wissens- und Sehenswertes Bauerndorf in der Großstadt

Im Nordwesten Hamburgs an der weitläufigen Sülldorfer Feldmark liegt eines der letzten Bauerndörfer der Hansestadt. Südlich befindet sich ein Wohnquartier mit hübschen Reihenhaussiedlungen. Rund 9.000 Menschen, darunter viele Familien, leben hier beschaulich auf 5,6 Kilometern.

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Wissens- und Sehenswertes in Sülldorf

BezirkAltona
Einwohner9.430*
Einwohner pro km21.644*
Fläche5,6 km²*
Öffentlicher NahverkehrS-Bahn:
S1 (Haltestellen: Iserbrook, Sülldorf)

Willkommen auf dem Dorf

Nach einer 19-minütigen Fahrt ab Altona hält die S-Bahn in Sülldorf. Wenn man nach dem Verlassen der Station rechts in den Sülldorfer Kirchenweg abbiegt, ist man sofort im alten Dorf mit reetgedeckten Bauernhöfen, riesigen Fachwerk-Scheunen und kuscheligen Bauernkaten mit Sprossenfenstern. Ein markiger Duft nach Mist liegt in der Nase, ein Trecker grollt und eine Katze sitzt kerzengerade in einer kopfsteingepflasterten Hofeinfahrt.

Hinter den alten Höfen dehnt sich die grüne Feldmark bis zum Horizont. Die gemütliche Bank am Schulteich lädt zu einer ersten Pause ein. Das Ufer des kleinen Tümpels ist grasbewachsen, einige Rohrkolben staken heraus, eine Schwalbe badet im Teich. Häufig kommen Besucher aus der Stadt und spazieren in das Landschaftsschutzgebiet Sülldorfer Feldmark im Regionalpark Wedeler Au. Auf schmalen Feldwegen an grünen Pferdeweiden vorbei bis in den Klövensteener Forst, der bereits zu Rissen gehört.

Die letzten Landwirte Hamburgs

Acht Bauern arbeiten noch in der Landwirtschaft, darunter die Ramckes, Behrmanns, von Appens und Gehrkens. Sie gehören zu den letzten Hamburger Bauern und bewirtschaften Höfe, die teilweise seit dem 17. Jahrhundert und damit seit neun Generationen in Familienbesitz sind. Heute betreiben in Sülldorf noch ein Milchbauer, ein Ackerbauer und fünf Bauern mit Reitställen Landwirtschaft.

Reiterparadies Sülldorf

Für viele junge Menschen ist Sülldorf ein herrlicher Ort. Sie kommen von Altona und sogar aus der Innenstadt zum Pferde striegeln, voltigieren und reiten. Manche reiten auf ihren eigenen Tieren, die sie als Pensionspferde untergebracht haben. Insgesamt 700 Pferde stehen in Sülldorfer Ställen, viele davon sind eben solche Pensionspferde. Ihre Besitzer traben besonders gern über die sandigen Ackerwege und erkunden das dichte Netz von Reitwegen in der Feldmark und dem Klövensteener Wald.

Mit der Umstellung von Rinderhaltung oder Ackerbau auf den Reitbetrieb haben die Sülldorfer Bauern eine Nische gefunden, die ihnen die Existenz sichert. Einen Reitstall betreibt auch Bauer Timmermann, der zudem selbst fürs Tierfutter sorgt. Der Biolandwirt düngt mit Pferdemist, spritzt nicht und verwendet eigenes Saatgut.

Überhaupt wird die Landwirtschaft in der Sülldorfer Feldmark eher extensiv betrieben. Auf den Weiden grasen Pferde und das Heu wird nur zweimal jährlich gemäht. Die ländliche Idylle täuscht nicht darüber hinweg, dass die Bauernhöfe es aufgrund strenger Auflagen nicht leicht haben, zu bestehen.

Beliebte Schule im Grünen

Die Grundschule Lehmkuhlenweg liegt im Sülldorfer Kirchenweg, dort wo schon vor 100 Jahren die alte Schulkate stand. Hinter dem Schulhof breiten sich die Felder aus. Die Grundschule legt mit Kung Fu, Tennis und Fußball den Fokus auf die Motorik der Kinder. In den Pausen brausen die Lütten mit ihren Tretautos über den Schulhof und auf einem Schulpferd namens Woody können sie sogar reiten. Die Schule ist nicht nur bei den alteingesessenen Bauern beliebt, sondern auch bei zugezogenen Familien, die in den neuen Reihenhäusern oder der SAGA-Siedlung aus den 1950er-Jahren in Op´n Hainholt ein Zuhause gefunden haben.

Sülldorfer Reihenhausidyll

Südlich der B431 bestimmen Reihenhaussiedlungen aus den 1960er- und 1970er-Jahren mit hübschen kleinen Vorgärten das Bild. Der Mietspiegel liegt mit 11,65 Euro leicht über dem Hamburger Durchschnitt.

Ein Reitladen, ein Blumengeschäft, eine Bäckerei und ein Discounter säumen die vielbefahrene Durchgangsstraße B431, die als Sülldorfer Landstraße mitten durch den Stadtteil läuft.

Cafés oder schicke Restaurants sucht man vergeblich. Zum Ausgehen fährt man den Sülldorfer Kirchenweg bis hinunter nach Blankenese, wo an der Querstraße Siebenbuchen die Stadtteilgrenze zum noblen Nachbarn markiert ist. Noch auf Sülldorfer Grund und Boden liegt der parkähnliche Blankeneser Friedhof und gegenüber das einzige Café Sülldorfs.

Bad Marienhöhe

Das nostalgische Freibad Marienhöhe mit dem Charme der 1960er-Jahre ist beliebt, aber nicht überlaufen. Mit seiner weitläufigen Liegefläche unter schattenspendenden Bäumen, einem Schwimmbecken mit Sprungtürmen für die Mutigen, einem Beachvolleyballfeld und Planschbecken lockt es Badelustige an, die im lauschigen Bad ein paar entspannte Sonnenstunden genießen möchten. In der Nähe liegt der weitläufige Waldpark Marienhöhe und eine alte Kiesgrube, die zu einem Spaziergang einlädt und im Winter zum Rodeln.

Leben in Sülldorf

Nach mehreren Großbränden in den 1960er-Jahren entstand die Freiwillige Feuerwehr Sülldorf-Iserbrook, die heute mit 30 Mitgliedern gut besetzt ist. Der Sportverein Sülldorf bietet sein Trainingsprogramm in der Schule Lehmkuhlenweg an.

Kirchliche Gemeindearbeit leistet die evangelische Kirchengemeinde Sülldorf, während sich die Bürgerinitiative Sülldorf seit über 30 Jahren für den Erhalt des traditionellen Dorfes einsetzt.

In der Straße Op´n Hainholt ist das Franziskus Heim ansässig, ein Wohnhaus und Arbeitsgebäude für Menschen mit Behinderung. Nahe der Stadtteilgrenze zu Rissen befindet sich eine Außenstelle des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie.

Sülldorfer Konservatorium

Etwas versteckt an der S-Bahnhaltestelle Sülldorf liegt das renommierte Hamburger Musikkonservatorium, das bereits 1908 gegründet wurde. Kinder, Jugendliche und Erwachsene lernen dort jede gewünschte Stilrichtung von Klassik bis Swing. Musiktalente aus der ganzen Welt kommen nach Sülldorf, um in speziellen Begabtenklassen zu studieren. Unterrichtet werden alle Instrumente von Cello bis Harfe, von Flöte bis E-Gitarre.

Suldorpes Geschichte

Bereits zur Steinzeit lebten auf dem heutigen Sülldorfer Gebiet erste Siedler, das ehemalige Hügelgrab in Op´n Hainholt zeugt davon. Als Sülldorf im Jahr 1256 erstmals schriftlich erwähnt wird, befanden sich dort acht Höfe. 25 Prozent ihrer Ernte mussten die Bauern damals an den Dom abliefern. Sülldorf hieß damals Suldorpe, was sich von Suhle ableitet und auf die modrigen Tümpel in der Feldmark hindeutet. Eine alte Quelle von 1590 besagt, dass die Sülldorfer Bauern 188 Schweine hielten, die sich sicher damals auch schon gern im Schlamm suhlten.

In der Feldmark nördlich des Lehmkuhlenweges befindet sich die Loh, ein sogenannter Wölbacker, der als archäologisches Bodendenkmal gilt. Der langgezogene Acker ist an den erhöhten Erdstreifen von etwa sieben Metern Breite zu erkennen. Die Wölbungen entstanden, weil die Bauern damals noch über keinen Wendepflug verfügten. Später nutzte man die entstandenen Kuhlen zur Entwässerung.

Am alten Schulteich, plattdeutsch Flattkuhl, grub die Sülldorfer Bevölkerung früher Lehm für den Bau von Häusern oder Backöfen aus. Man nutzte das Wasser aus dem Schulteich, der durch den Lehmabbau entstanden war, zum Feuerlöschen und als Viehtränke. 1883 bekam das kleine Bauerndorf eine eigene Bahnstation und wurde ans öffentliche Schienennetz angeschlossen. Bis 1927 gehörte Sülldorf zum Kreis Pinneberg und wurde erst 1938 nach Hamburg eingemeindet.

Seine ländliche Struktur hat sich das Großstadtdorf Sülldorf bis heute bewahrt, und viele Hamburger kommen hierher, um dem Großstadttrubel zu entkommen und zu spazieren, zu skaten oder zu joggen.

Karte

*Quelle: Hamburger Stadtteilprofile, Statistikamt Nord (Stand: Jan 2018)

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Bauerndorf in der Großstadt
Im Nordwesten Hamburgs an der weitläufigen Sülldorfer Feldmark liegt eines der letzten Bauerndörfer der Hansestadt. Südlich befindet sich ein Wohnquartier mit hübschen Reihenhaussiedlungen. Rund 9.000 Menschen, darunter viele Familien, leben hier beschaulich auf 5,6 Kilometern.
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