Wilstorf: Wissens- und Sehenswertes Genossenschaftlich wohnen an der Außenmühle

Der Stadtteil Wilstorf, mitten im Bezirk Harburg, präsentiert sich als ruhiges Wohnquartier mit vielen Genossenschaftsbauten und Kleingärten. Zu seinen Perlen zählen der Außenmühlenteich und der wild romantische Harburger Stadtpark.

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Wissens- und Sehenswertes in Wilstorf

BezirkHarburg
Einwohner17.437*
Einwohner pro km²5.094*
Fläche3,5 km²*
Öffentlicher NahverkehrS-Bahn:
S3, S31 (Haltestelle: Harburg)

Ruhe und weitläufige Bebauung

Zwischen Stadtautobahn, Bahngleisen und Außenmühlenteich breitet sich Wilstorf aus. Anwohner loben die Ruhe. Und tatsächlich: Als ich mittwochs an Doppel- und Einfamilienhäusern vorbei durch die Lönsstraße, die Max-Halbe-Straße und Kleingärten flaniere, ist außer dem entfernten Geräusch eines Rasenmähers kein Laut zu vernehmen. In den meist zweistöckigen Doppel- und Mehrfamilienhäusern leben auf 3,5 Quadratkilometern über 16.000 Menschen.

Trotz der eher hohen Bevölkerungsdichte ist die Bebauung recht weitläufig. Genossenschaftsbauten der Vorkriegs- und Nachkriegszeit bestimmen das Ortsbild. Umgeben wird Wilstorf von den Nachbarstatdteilen Harburg im Norden, Rönneburg im Osten, Langenbek und Marmstorf im Süden sowie Eißendorf im Westen.

Hoher Anteil an Genossenschaftswohnungen

Allein 2.000 Wohnungen verwaltet der Eisenbahnbauverein, darunter Mehrfamilien- und Reihenhäuser. Teils modernisiert mit großen Balkonen wie am Reeseberg mit der hübschen Anlage um die Rosentreppe. Andere Doppel- und Mehrfamilienhäuser wirken etwas in die Jahre gekommen. So hat sich das wohl mal strahlende Weiß mancher Fassaden in ein schmutzgrau mit Putzschäden verwandelt.

Was die Anwohner vielleicht gar nicht stört, denn dafür sind die Mieten in Wilstorf noch bezahlbar. Laut Mietspiegel gehören sie zu den niedrigsten der Hansestadt. Was daran liege, erklärt die freundliche Mitarbeiterin der Genossenschaft, dass in Wilstorf teurere Altbauten wie an der Winsener Straße und Mensingstraße sowie Neubauten rar gesät sind, der Bestand an günstigeren Nachkriegsbauten und 1920er- und 1930er-Jahre dafür umso höher ist.

Entspannen am Außenmühlenteich

Der Außenmühlenteich ist umgeben vom verwunschenen Harburger Stadtpark. Den 90 Hektar großen Park durchzieht ein Wegenetz von 16 Kilometern, auf dem man joggen, spazieren gehen oder Rad fahren kann. Während des Sonnenunterganges ist die Stimmung am See besonders schön. Viele Besucher nutzen einen Besuch an der Außenmühle zum Tretbootfahren, und das nicht nur während des bekannten Außenmühlenfestes.

Am Seeufer liegen mit dem Bootshaus und dem noblen Fischrestaurant Leuchtturm zwei beliebte Lokale. Der Außenmühlenteich mit dem Midsommerland und dem Gourmettempel Leuchtturm sind Wilstorfs Publikumsmagnete, die Gäste aus dem Harburger Raum und sogar aus ganz Hamburg anlocken.

Kleingarten-Idyll und Midsommerland

In den Zwischenkriegsjahren stattete man Wohnhäuser mit großzügigen Gärten aus, damit die Mieter Gemüsebeete anlegen und Obstbäume für den Eigenbedarf pflanzen konnten. Das denkmalgeschützte Wohnensemble in der Zimmermannstraße mit gelb gestrichenen Häusern, Grünanlagen und akkurat renovierten Schuppen zeigt beispielhaft, wie viel Platz den Gärten eingeräumt wurde.

Wilstorf nennt man zu Recht einen grünen Stadtteil. Allein der Außenmühlenteich und die ihn umgebenden Kleingartenanlagen nehmen fast ein Drittel des Stadtgebietes ein. Die gepflegten Kleingärten am Mühlenfeld sind mit farbigen Holzhäuschen im schwedischen Stil verschönert.

Gegründet wurden die Kleingartenvereine nach dem ersten Weltkrieg, als selbst gezogene Kartoffeln, Kohl, Karotten, Äpfel und dazu Hühnerhaltung der verarmten Bevölkerung das Überleben sicherte. Dem Holzhausstil der angrenzenden Kleingartenvereine hat sich das beliebte Schwimmbad Midsommerland angepasst, das direkt am Außenmühlenteich Badelustige und Saunafreunde aus ganz Hamburg anlockt.

Alte Jute-Spinnerei

In der Nöldekestraße fällt die ehemalige Jute-Spinnerei auf, ein Klinker-Industriebau aus dem Jahr 1883. Harburg entwickelte sich damals zu einem Hotspot der Gummi- und Tuchindustrie, Arbeiter wurden dringend gesucht. Zur Hochkonjunkturzeit stellte die Jutefabrik 1.600 Arbeiter aus dem Rheinland, Österreich und Polen ein, die dort Jutesäcke produzierten.

Soziale Aufgaben übernahm die Fabrik ebenfalls. Im vierstöckigen Eckgebäude an der Jutestraße richtete man eine Kinderkrippe, eine Betreuung für Schulkinder und einen Stillbereich für Arbeiterinnen ein. In der Nazizeit diente das Gebäude als Sitz der gefürchteten Gestapo, die von dort aus Widerständler jagte. Unter der ehemals roten Arbeiterschaft Harburgs gab es viele davon.

Von Zollingerdach zu Reetdach und Flachdach

Im Jahr 1913 baute die Stadt für die zugezogenen katholischen Arbeiter die bayrisch anmutende St. Franz-Joseph-Kirche am Reeseberg. Architektonisch interessant erscheinen die Einfamilienhäuser mit geschwungenen Dächern, so genannten Zollingerdächern, in der Jägerstraße und Friedrich-List-Straße. Ein Dorf ist Wilstorf schon lange nicht mehr, wenn auch einige bäuerliche Relikte wie die Reetdachhäuser an der Winsener Straße und das reetgedeckte Gemeindehaus der Bugenhagen-Kirche erhalten blieben.

An der südlichen Winsener Straße, die den gesamten Stadtteil durchquert, versteckt sich hinter hohen Bäumen die Wohnsiedlung Hanhoopsfeld. Die Hochhäuser und Flachdachsiedlungen aus den 1960er-Jahren sind zum Teil modernisiert und sehen neuwertig aus, andere Plattenbauten sind weniger ansehnlich. Eine kleine Laden- und Lokalzone mit Döner-Grill, Bierzentrale, Discounter und Omis Markt erspart Anwohnern den Weg in die Stadt.

Leben in Wilstorf

Mit der Infrastruktur sind die Anwohner überwiegend zufrieden. Apotheken, Supermärkte und Ärzte sind fußläufig erreichbar. Busse steuern im Minutentakt die Innenstadt und den Bahnhof an. Wilstorfer engagieren sich gern in den Sport- und Gartenbauvereinen oder dem Schützenverein von 1855. In Wilstorf befindet sich außerdem Hamburgs größtes Schulbauprojekt. Die Lessing-Stadtteilschule sowie das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium werden auf dem Schulcampus Hanhoopsfeld zusammengelegt, der ab September 2018 rund 1600 Schüler und 120 Lehrer unterbringen soll. 

Stadtteilgeschichte geschrieben hat die 360 Jahre alte Schule Kapellenstraße, deren Dach mit einem stattlichen Turm samt goldener Uhr geschmückt ist. Am Hanhoopsfeld entsteht zurzeit eine neue Stadtteilschule. Die Bänke der katholischen Kirche am Reeseberg sind an den Sonntagen gut besetzt. Evangelische Gemeindemitglieder sind in der Paul-Gerhardt-Gemeinde und der Bugenhagenkirche gut aufgehoben. 

Wilstorfs Geschichte

Ein „Wiltehard“ soll Namensgeber für das 1202 erstmalig erwähnte Wilstorf gewesen sein, wobei „torf“ die Bedeutung von Haufen, also Menschenhaufen, besitzt. Das damalige Bauerndorf bekam im 16. Jahrhundert nach dem Aufstauen der Engelbek eine eigene Mühle, die Butenmühle. So entstand die heutige Außenmühle. Nach der Eingemeindung von Wilstorf nach Harburg im Jahr 1888 wurde es 1937 Hamburger Stadtteil.

Karte

*Quelle: Hamburger Stadtteilprofile, Statistikamt Nord (Stand: Jan 2019)

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Genossenschaftlich wohnen an der Außenmühle
Der Stadtteil Wilstorf, mitten im Bezirk Harburg, präsentiert sich als ruhiges Wohnquartier mit vielen Genossenschaftsbauten und Kleingärten. Zu seinen Perlen zählen der Außenmühlenteich und der wild romantische Harburger Stadtpark.
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