Senatskanzlei

Architektur Das Haus

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Historie des Eckgebäudes, Jägerstraße 1

Die Landesvertretung Hamburg befindet sich seit Sommer 2000 an der Jägerstraße 1-3 und besteht eigentlich aus zwei unterschiedlichen Häusern, die im Zuge des Umbaus nach dem Regierungsumzug nach Berlin zu einem gemeinsamen Gebäude miteinander verbunden und im Sommer 2000 bezogen worden sind.

Das Eckgebäude (Jägerstraße 1) stammt aus dem Jahr 1875, befand sich im Besitz eines Bankiers, der es sowohl als Büro- als auch Mietshaus nutzte. Laut den historischen Unterlagen zählten im Laufe der Zeit zunächst verschiedene Banken und Makler zu den Mietern. Von 1911 an residierte in der Jägerstraße 1 die Ostafrikanische Eisenbahngesellschaft, die Ostafrikanische Gasthausgesellschaft „Kaiserhof“ und sowie die „Dingeldy & Wernes Tropenausrüstungsgesellschaft“. Nach dem Ersten Weltkrieg findet sich in den Adressbüchern ab 1925 die „Gericke, Bahr und Co. Zuckeragentur“ als Mieter, die das Gebäude bis 1943 als Büro genutzt haben sollen.

Das benachbarte Grundstück Jägerstraße 2-3 kaufte im Jahr 1892 ein anderer Bankier und veranlasste den Abriss der dort vorhandenen zwei kleinen Mietshäuser. An ihrer Stelle ließ er ein repräsentatives Gebäude errichten, das die damals renommierten Architekten Heinrich Kayser und Karl von Großheim planten. Zu ihren Werken zählten die Hochschule der Bildenden Künste am Steinplatz und das Kammergericht in Charlottenburg. Die Fassade wurde im Neobarock-Stil gefertigt.

Bereits im Jahr 1893 zog der Club von Berlin in das Gebäude ein. Der Club hatte sich 1864 nach dem Vorbild der englischen Clubs gegründet und begrüßte rasch prominente Namen in seinen Reihen. Mehrere Mitglieder der Industriellen-Familien Borsig, Mendelssohn und Siemens, Politiker wie Rathenau, Stresemann und Delbrück, Kulturschaffende wie Walter Gropius und Richard Strauß zählten zu den bekanntesten Mitgliedern des Club. Auch Industrielle und Kaufleute aus anderen deutschen Städten nutzten in den folgenden Jahrzehnten die Räume, wenn sie sich in der Hauptstadt aufhielten.

Das Clubhaus verfügte über einen großen und einen kleinen Esssaal, Billardzimmer, Spiel-, Lese- und Unterhaltungsräume und über einen exquisiten Weinkeller. Bis in die 1920er Jahre reüssierte der Club und zählte mehr als 700 Mitglieder. Mit den neuen NS-Machthabern veränderte sich die gesellschaftliche Lage, auf ihren Druck hin fusionierte der Club von Berlin 1937 mit dem nationalkonservativen Deutschen Klub und firmierte fortan unter Deutscher Klub, das Klubleben kam wegen des aufziehenden Krieges bald zum Erliegen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, den das Haus trotz seiner Lage im Regierungsviertel mit nur leichten Schäden überstand, zog der „Bund der Kulturschaffenden“ unter Johannes Becher, dem Komponisten der DDR-Nationalhymne, später der DDR-Kulturbund, in die Häuser Jägerstraße 1-3. Im Jahr 1949 wurde das Gebäude-Ensemble zum Volkseigentum erklärt. Viel ist nicht bekannt aus diesen Jahren der Nutzung, ein Stockwerk soll allerdings als großer Kinosaal gedient haben.

Die Jägerstraße in Berlin-Mitte hieß damals „Otto-Nuschke-Straße“ nach dem Begründer der Ost-CDU. Die Taubenstraße war umbenannt in die „Johannes-Dieckmann-Straße“, nach dem Mitbegründer der Liberal Demokratischen Partei Deutschlands LDPD. Da sich die Straßennamen dieses Viertels auf die Begründer der „Blockparteien“ bezogen, hieß es im Volksmund „Blockflötenviertel“. Der Club von Berlin gründete sich nach dem Zweiten Weltkrieg im Westteil der Stadt am Kurfürstendamm wieder.

Nach der Wiedervereinigung gingen die Häuser in das Eigentum der Bundesrepublik Deutschland über und wurden im September 1998 von der Freien und Hansestadt Hamburg erworben. Im April 1999 begann der Umbau und Renovierung des denkmalgeschützten Gebäudeensembles durch das Hamburger Architektenbüro „Dinse, Feest + Zurl“. Im August 2000 zog die Hamburger Landesvertretung in die Gebäude ein. Der Club von Berlin hat seither als Mieter im Erdgeschoss des Eckhauses wieder eine Heimat gefunden.