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Fenster in die Behörde Wie entsteht die Gesamtstrategie gegen Antiziganismus?

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Felix Matheis aus dem Referat „Stärkung der Zivilgesellschaft“ arbeitet an einer Strategie gegen Antiziganismus. Das Ziel: Diskriminierung abbauen.

Felix Matheis

Wie entsteht die Gesamtstrategie gegen Antiziganismus? - Fenster in die Sozialbehörde: Felix Matheis

Eine der Hauptaufgaben des Referats „Stärkung der Zivilgesellschaft“ im Amt AI ist die Extremismus-Prävention. Die Kolleginnen und Kollegen haben insbesondere die Themen Vorbeugung und Bekämpfung von Rechtsextremismus und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit im Fokus.

Felix Matheis arbeitet aktuell als Referent an der„Gesamtstrategie zur Bekämpfung des Antiziganismus und zur Förderung der gleichberechtigten Teilhabe der Sinti und Roma in Hamburg“. Die Strategie entsteht im Rahmen der EU-Romastrategie und unter Berücksichtigung der Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen der Unabhängigen Kommission Antiziganismus des Bundes.

Wie die Hamburger Strategie erarbeitet wird, was die Herausforderungen sind und welchen Nutzen sie bringen kann, erklärt der promovierte Historiker Felix Matheis im Interview.

Was ist Antiziganismus?

Rassismus, Diskriminierung und Abwertung gegen Angehörige der Sinti und Roma. Antiziganismus ist der am weitesten verbreitete Rassismus in unserer Gesellschaft. Die Betroffenen sind übrigens eine sehr heterogene Gruppe von Menschen: Sinti leben seit rund 600 Jahren im Gebiet des heutigen Deutschland, auch in Hamburg. Dann gibt es Roma, die etwa im 19. Jahrhundert zugewandert sind. Und es gibt Roma vor allem aus Südosteuropa, die seit den letzten vier bis fünf Jahrzehnten zuwandern.

Wie entsteht das Strategiepapier?

Die "Unabhängige Kommission Antiziganismus" hat im Auftrag des Bundes in ihrem 600-Seiten-Bericht Antiziganismus untersucht und gibt auch Handlungsempfehlungen zum Beispiel für die bessere gesellschaftliche Teilhabe von Sinti und Roma.

Früher hätte man so einen Bericht genommen und quasi im Elfenbeinturm eine Strategie – heruntergebrochen auf Hamburg – geschrieben. Wir arbeiten anders: Gemäß der Losung der Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma "Nichts über uns, ohne uns" binden wir die Communitys ein: Wir haben die Hamburger Verbände der Roma und Sinti und Einzelpersonen besucht und Gespräche geführt. Aufgrund von diskriminierenden Erfahrungen mit Behörden ist das Verhältnis belastet. Man muss Vertrauen aufbauen. In Hearings und Workshops haben wir den Angehörigen der Communitys zugehört und herausgearbeitet, wo es drängende Probleme gibt.

Jetzt richten wir ein Gremium ein, in dem Vertreterinnen und Vertreter der Sinti und Roma sitzen. So sind sie beim Schreiben des Strategiepapiers beratend eingebunden.

Was sind denn drängende Probleme?

Antiziganismus ist in allen Bereichen der Gesellschaft verbreitet, die Angehörigen der Minderheit werden seit Jahrhunderten an den Rand gedrängt. Vor allem mit Behörden, in Schulen und mit der Polizei machen die Betroffenen dauerhaft schlechte Erfahrungen. Diskriminierende Behandlung in der Schule waren zum Beispiel bei den Hearings ein sehr präsentes Thema. Kinder aus Sinti- oder Roma-Familien werden regelmäßig vorschnell in Sonderschulen geschickt, ihre Fähigkeiten pauschal abgewertet, sie werden gemobbt und so weiter. Damit verbaut man den Menschen die Zukunft, während man ihnen zugleich unterstellt, an ihrer Situation selbst schuld zu sein. Ein anderes Thema ist, dass der Völkermord an den Sinti und Roma durch die Nazis im Unterricht kaum behandelt wird. Dieses Trauma wirkt bis heute nach. Auch beispielsweise bei der Wohnungssuche erleben viele Sinti und viele Roma starke Vorurteile durch Vermieterinnen und Vermieter.

Was kann ein Strategiepapier gegen Antiziganismus eigentlich bewirken?

Herzstück des Berichts werden strategische Ansätze sein. Problemfelder, Ziele und Handlungsempfehlungen werden konkret für die Situation in Hamburg benannt. Es geht auch darum, Antiziganismus überhaupt als Problem anzuerkennen. Die Strategie geht dann an den Senat und die Bürgerschaft. In Zukunft wird es darum gehen, Maßnahmen zur Verbesserung der Situation der Sinti und Roma umzusetzen. Das ist ein jahrelanger Prozess. Wenn es gelingt, Diskriminierung abzubauen, stärken wir den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Warum ist es unangemessen, das Z-Wort zu nutzen?

Es ist eine Fremdbezeichnung, die die Mehrheitsgesellschaft geprägt hat, um die Minderheit zu diskriminieren. Der Begriff war niemals neutral, er war immer schon beleidigend.  

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